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Spitzensport ade?

Von Hans-Jürgen Kroggel

veröffentlicht am 30.01.2009 um 18:34 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 16:41 Uhr

Noch ist Preußen nicht verloren. Doch die Lage ist ernst, sehr ernst sogar. Wenn es in naher Zukunft nicht gelingt, dem einhundertundzwei Jahre alten Traditionsverein mit kräftigen Geldspritzen wieder Leben einzuhauchen und damit auf die Beine zu helfen, dann war’s das wohl für sehr lange Zeit mit höherklassigem Fußball in der Region Weserbergland. Die Gründe, die zur gewaltigen finanziellen Schieflage bei den Hamelner Preußen führten, sind noch nicht restlos aufgedeckt, aber – wie so oft in der Vergangenheit – auch diesmal hausgemacht. Der Fußballmannschaft von Trainer Alexander Kiene, die sich in der 5. Liga mit Bravour schlägt, kann man Oberligareife attestieren. Nicht aber, und das ist das Fatale, allen Entscheidungsträgern in der Vereinsführung.

Dem Vorstand wurde schon bei der letzten Jahreshauptversammlung keine Entlastung erteilt. Das hätte ein Alarmsignal sein müssen. Dass der Sponsoren-Vertrag mit einer Brauerei platzte, weil ein dubioser Berater 15 000 Euro in die eigene Tasche abgezweigt haben soll, kann noch unter der Überschrift „Dumm gelaufen“ abgehakt werden. Aber es gab ganz offensichtlich weitere Ungereimtheiten, die die finanzielle Talfahrt beschleunigten. Jetzt will Wolfgang Dammeier, der kommissarische Nachfolger des nach einer Herz-OP zurückgetretenen und zuvor sichtlich überforderten 1. Vorsitzenden Henner-E. Kerl, mit seinen Getreuen den Karren wieder flottmachen. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten wie diesen ist das eine Herkules-Aufgabe. Sollte Dammeier sie meistern, hätte der Optiker die Vereinsnadel in Gold verdient.

Keine Frage: König Fußball geht in Hameln wirtschaftlich am Stock. Auch der sportliche Unterbau (2. Mannschaft) ist marode und abbruchreif. Bei Punktspielen versagen die Fans den Preußen (trotz zum Teil guter Leistungen des Teams) gnadenlos die Gefolgschaft und sorgen für peinliche Geisterkulissen. So gesehen hat diese Region gar keinen Spitzenfußball verdient.

Aber auch in zwei anderen eigentlich sehr populären Ballsportarten ist die Situation alles andere als rosig. Auch hier droht der Niedergang. Im Tischtennis der 2. Liga befinden sich Tünderns in dieser Saison nach wie vor sieglosen Schwalben im freien Fall. Auch sie spielen vor fast leeren Rängen. Und egal in welcher Klasse die tapferen, aber erfolglosen Ballartisten letztlich landen werden: der Aufschlag wird brutal sein.

Sorgenvoll blicken auch die Hamelner VfL-Handballer in die Zukunft. Der finanziell schon wieder auf dem Zahnfleisch gehende Drittligist krebst ebenso am Tabellenende herum wie eine Klasse tiefer die TSG Emmerthal. Nicht auszudenken, wenn beide Vereine im Abstiegskampf auf der Strecke bleiben. Es wäre eine Katastrophe für diese Region.

Ganz bitter, aber wahr: Der Mannschafts-Spitzensport in Hameln-Pyrmont steht auf der Kippe. Fußball, Tischtennis und Männerhandball drohen kurz- oder mittelfristig in der Versenkung zu verschwinden – so wie schon der Box-, Rad- und Kanusport. Schlechte Aussichten…

h.j.kroggel@dewezet.de

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