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Die stärkste Frau Hamelns sagt dem Leistungssport ade / „Ich habe fast alles erreicht, was ich erreichen wollte“

Sonja Helbing – eine Bilderbuch-Karriere geht zu Ende

Sie ist ehrgeizig, sympathisch und außerordentlich erfolgreich. Kurzum: Sonja Helbing ist d i e Vorzeige-Frau im Hamelner Sport. Am 13. Februar feierte die Gewichtheberin aus Tündern ihren 29. Geburtstag. Sie steht als amtierende dreifache deutsche Meisterin im Zenit ihres Könnens. Trotzdem ist jetzt Feierabend. Sie beendet an diesem Wochenende ihre Laufbahn. Beim heute stattfindenden Zweitliga-Duell gegen den SV Empor Berlin (siehe auch Extrabericht) sagt sie leise Servus.

veröffentlicht am 17.04.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 21:41 Uhr

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Autor:

Hans-Jürgen Kroggel

Karriere-Ende mit 29. „Eigentlich zu früh“, betont Sonja Helbing, „aber mein Körper regeneriert nicht mehr so, wie es sein sollte.“ Der Kraftsport fordert seinen Tribut. „Deshalb höre ich auf. Auch aus sportlicher Sicht ist es ein guter Zeitpunkt. Ich habe fast alles erreicht, was ich erreichen konnte“, lautet die Bilanz der gelernten Industriekauffrau und Management-Assistentin. Sie gewann Meisterschaften und Medaillen en masse und errang zahllose Titel. Als Gewichtheber-Lady schrieb sie in 16 Jahren Leistungssport ein großes Kapitel Hamelner Sportgeschichte. Eine Bilderbuch-Karriere.

Frauen und die Männerdomäne Gewichtheben – passt das eigentlich zusammen? Hätte es denn nicht auch Ballett oder Kunstturnen sein können? „Eine gute Frage“, schmunzelt die 1,68 große, nur 62 Kilogramm leichte und fast grazil wirkende Sportlerin. Doch wie der Zufall so spielt: Im zarten Alter von 12 Jahren wurde sie mit dem Bazillus dieser Kraftsportart infiziert. „Damals war bei uns in der Gewichtheber-Hochburg Tündern auch Simone Hahn im Bundesligateam im Einsatz. Von der war ich hellauf begeistert, eine hübsche und starke Frau. So wollte ich auch werden…“, erinnert sich Sonja Helbing. Und sie trat in ihre Fußstapfen. Bereits ein Jahr später, 1993, holte sich Klein-Sonja als 13-Jährige ihren ersten Bezirksmeistertitel.

Es war nicht nur der Beginn einer beeindruckenden sportlichen Erfolgsstory, auch privat fand die junge Athletin beim Gewichtheben ihr Glück. Mit 16 verliebte sie sich in ihren elf Jahre älteren Trainer Frank Abel. Er ist auch heute noch ihr Coach – und ihr Lebensgefährte.

Sie hatte nie Probleme mit „schweren Jungs“

Mit den „schweren Jungs“ in ihrer Mannschaft hatte das im Sternzeichen Wassermann geborene Leichtgewicht nie Probleme. „Warum auch? Nur gemeinsam können wir Großes erreichen. Und wir sind ein starkes Team“, betont die gebürtige Hamelnerin nicht ohne Stolz.

Ihr Erfolgsgeheimnis? „In Sachen Sprung- und Schnellkraft sowie der Athletik hat bei mir schon in jungen Jahren alles gestimmt. Außerdem bin ich verdammt ehrgeizig. Ich stelle an mich sehr hohe Ansprüche“, gibt die in Tündern wohnende Sportlerin offen zu. Der Einsatz hat sich gelohnt: Die in ihrer Laufbahn von Michael Hanke, Georgi Gorilik und Frank Abel trainierte Gewichtheberin stellte mehrere deutsche Jugend- und Juniorenrekorde auf. Im olympischen Zweikampf stehen Bestleistungen von 77,5 kg im Reißen und 90 kg im Stoßen zu Buche. Ihr größter Erfolg? „Das waren 1996 die drei Silbermedaillen bei den Jugend-Europameisterschaften im bulgarischen Burgas“, sagt Sonja Helbing ohne zu zögern. Gold holte damals eine Türkin. Aber die war, wie sich ein Jahr später herausstellte, gedopt. „Sie hat mir den Titel geklaut“, ärgert sich noch heute die Hamelnerin, die nach eigenem Bekunden in ihrer Karriere nie zu unerlaubten Mitteln griff.

Doping-Fahnder tauchten auch in der Schule auf

„Ich wäre auch schön blöd gewesen, denn die Doping-Fahnder haben mich als Mitglied der Nationalmannschaft regelmäßig kontrolliert. Sie tauchten sogar unangemeldet in der Schule und an meinem Arbeitsplatz auf“, berichtet die mehrfache EM-Starterin und WM-Teilnehmerin von 1997 und 1998.

Helbing ist „ein Familienmensch“. Kein Wunder, denn sie hat noch drei Schwestern und einen Bruder. Die 20-jährige Jennifer ist auch Gewichtheberin. „Aber mein Talent besitzt sie nicht“, sagt Sonja augenzwinkernd, und kann sich ein Schmunzeln nicht verkneifen.

Die stärkste Frau Hamelns trainierte jahrelang bis zu vier Stunden täglich – und das an fünf Tagen in der Woche. Klar, dass so etwas gewaltig auf die Knochen geht. Künftig wird sie bei der Kampfgemeinschaft HSC/TC verstärkt als Trainerin im Einsatz sein. Endlich hat sie aber auch mehr Zeit für ihre Hobbys. Die 29-Jährige geht gerne shoppen, und sie macht auch auf dem glatten Tanzparkett eine tadellose Figur. Sogar den argentinischen Tango beherrscht die Gewichtheber-Lady nahezu perfekt.

Sonja Helbing – eine ganz starke, ungewöhnliche Frau.

Ein ganz lockerer, sympathischer Typ: Gewichtheberin Sonja Helbing. Die Spitzensportlerin aus Tündern beendet an diesem Sonnabend ihre Laufbahn. Die 29-Jährige bleibt aber ihrem Verein als Trainerin erhalten.

Foto: Propfen

Im Gewichtheben ist Sonja Helbing eine Klasse für sich: Im olympischen Zweikampf stehen Bestleistungen von 77,5 kg im Reißen und 90 kg im Stoßen zu Buche.

Foto: rhs



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