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Kuriose Vorschläge des Bayern-Trainers sorgen auch in der Hameln-Pyrmonter Fußballszene für Diskussionsstoff

Söchting: Van Gaals Visionen sind „absoluter Quatsch!“

Fußball. Was soll das? Will Louis van Gaal den Fußball völlig neu erfinden? Die Forderungen des Bayern-Coachs sorgen bei Trainern, Spielern und Fans für Diskussionsstoff – auch in der Hameln-Pyrmonter Fußballszene!

veröffentlicht am 09.03.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 18.01.2017 um 19:05 Uhr

aro

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Sportreporter zur Autorenseite

Der Visionär aus den Niederlanden macht in der aktuellen Ausgabe des Kicker-Sportmagazins unter der Überschrift „Van Gaals Revolution“ Vorschläge, wie man aus seiner Sicht den Fußball durch Regeländerungen fairer und attraktiver machen kann. Wenn es nach van Gaal geht, soll es zukünftig ein „Gladiatorenspiel“ statt Elfmeterschießen geben. Seine Idee: In der Verlängerung soll im Fünf-Minuten-Takt von jedem Team ein Spieler vom Feld genommen werden – bis beide Teams nur noch sechs gegen sechs spielen. Wenn es nach 120 Spielminuten immer noch keinen Sieger gibt, entscheidet das „Golden Goal“, das Deutschland 1996 immerhin zum Europameister machte – durch einen Kopfball von Oliver Bierhoff.

Das passive Abseits, für ihn „eine dumme Regel“, will van Gaal abschaffen. Der Einschuss soll den Einwurf ersetzen. Darüber hinaus macht sich der Trainer des deutschen Rekordmeisters für einen zweiten Schiedsrichter wie im Basketball oder Eishockey stark. Linienrichter bräuchte man dann nicht mehr. Und auch auf technische Hilfsmittel, wie zum Beispiel die Torkamera, will van Gaal nicht verzichten.

Afferdes Trainer Michael Söchting, selbst Bayern-Fan, kann über die kuriosen Vorschläge des Niederländers nur den Kopf schütteln: „Dazu fällt mir nichts mehr ein. Das ist absoluter Quatsch!“ Nur in einem Punkt gibt der Eintracht-Coach van Gaal Recht: „Das passive Abseits muss weg!“ Neue Regeln zu erfinden, sei absolut überflüssig, „weil sich die alten jahrelang bewährt haben“. Das sieht übrigens auch Halvestorfs Trainer Ralf Fehrmann so: „Der Fußball sollte so bleiben wie er ist!“ Lediglich technische Hilfen wie Chip im Ball und Torkamera sind für den SSG-Coach im Profifußball eine Überlegung wert.

Auch für Emmerthals Trainer Markus Wienecke sind technische Hilfsmittel kein Tabu: „So könnte man krasse Fehlentscheidungen vermeiden.“ Als Beispiel nannte der TSG-Coach den irregulären Last-Minute-Treffer der Franzosen beim 1:1 im Playoff-Rückspiel gegen Irland, der „The Boys in Green“ in der Nachspielzeit die WM-Teilnahme kostete, weil der Schiedsrichter ein klares Handspiel von Thierry Henry übersah. Mit großem Interesse hat Salzhemmendorfs Coach Oliver Steffan den Artikel über „Van Gaals Revolution“ gelesen. Dass sich ein Trainer wie van Gaal Gedanken über die Zukunft des Fußballs macht, sei völlig in Ordnung: „Warum sollte man nicht auch einmal neue Wege gehen? Aber der Fußball braucht klare Regeln, die jeder Fan verstehen kann.“ Zwar kann sich Steffan nicht mit allen Ideen des Bayern-Trainers anfreunden: „Aber den Chip im Ball finde ich gut! Ich kann nicht verstehen, warum sich der Weltverband Fifa immer noch dagegen wehrt.“ Die technischen Möglichkeiten sollte man ausnutzen, um den Schiedsrichtern das Leben zu erleichtern.

Latferdes Trainer Thomas Pernath warnt davor, die Regeln zu ändern: „Vielleicht sollte sich van Gaal einfach eine neue Sportart suchen. Es macht für mich keinen Sinn, alles umzukrempeln.“ Der Fußball habe eine lange Tradition, „die man auch respektieren sollte“. Neuerungen gebe es schon jetzt – wie zum Beispiel die Headset-Verbindung zwischen dem Schiedsrichter und seinen Assistenten an der Seitenlinie. „Das reicht vollkommen aus“, macht Pernath seinen Standpunkt deutlich. Bisperodes Trainer Markus Schwarz hält von den vorgeschlagenen Änderungen gar nichts: „Ich bin der Meinung, dass für die Amateure die gleichen Regeln gelten müssen wie für die Profis.“

Zwar könnte Schwarz auch mit dem Videobeweis ganz gut leben. Allerdings sei auch dieser kein Patentrezept. „Umstrittene Entscheidungen wird es immer geben. Selbst wenn sich ein Oberschiedsrichter die Spielszenen zehnmal hintereinander in Zeitlupe anschaut.“ Der TSV-Coach befürchtet, dass die Spielunterbrechungen als störend empfunden werden könnten. Dass immer wieder falsche Schiedsrichterentscheidungen von der Kreisklasse bis zur Bundesliga für Diskussionsstoff sorgen, stört Bisperodes Trainer nicht. „Emotionen gehören zum Fußball dazu. Schiedsrichter sind auch nur Menschen, die auch Fehler machen dürfen.“

Für Eimbeckhausens Spielertrainer Michael Wehmann ist ein Vorschlag von van Gaal durchaus eine Überlegung wert: „Ich fände es gut, wenn es keinen Einwurf mehr gäbe, sondern dafür eine Art Freistoß von der Seitenlinie. Das wäre für die Mannschaft, die im Ballbesitz ist, ein echter Vorteil.“

Gladiatorenspiel statt Elfmeterschießen: Die Forderungen von Bayern-Coach Louis van Gaal sorgen bei Trainern, Spielern und Fans für Diskussionsstoff.



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