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2. Fußball-Kreisklasse: Spielabbruch in Löwensen: Unparteiischer fühlt sich massiv bedroht / Polizei vor Ort

Schiedsrichter pfeift aus Angst ab

LÖWENSEN. Schlimme Szenen am Sonntag in der 2. Fußball-Kreisklasse (Staffel 2): Bei der Partie zwischen SW Löwensen und dem TC Hameln wurde der Schiedsrichter nach eigener Aussage so heftig beleidigt und bedroht, dass er das Spiel vorzeitig abbrach. Es wurde sogar die Polizei gerufen, um den Unparteiischen zu schützen.

veröffentlicht am 18.09.2017 um 16:07 Uhr
aktualisiert am 18.09.2017 um 16:50 Uhr

Der Schiedsrichter, der namentlich nicht genannt werden möchte, zeigt sein zerrissenes Trikot. Foto: awa
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Andreas Rosslan Sportreporter zur Autorenseite
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Was war passiert? Erst sah Löwensens Maloum Ahmad Khamis wegen eines groben Foulspiels in der 40. Minute die Rote Karte, dann ging der TC durch Mario Mazzanti mit 1:0 (52.) in Führung. Anschließend eskalierte die Situation, die der Schiedsrichter, der namentlich nicht genannt werden möchte, so schilderte: „Das Spiel wurde nach der Führung von TC hitzig. Als ein Stürmer von Löwensen auf das Hamelner Tor zulief, wurde der Löwenser gefoult. Daraufhin hat mich ein anderer Spieler von den Schwarz-Weißen als ‚Hund‘ beleidigt.“

Erst Rot für Löwensen – dann Tor für TC

Daraufhin habe er das Spiel kurz unterbrochen, den Spieler, der ihn beleidigt habe, mit Gelb verwarnt. „Dann hat er lautstark behauptet, dass er mich nach dem Spiel zusammenschlagen wolle, er hat mir gedroht. Dann hat auch ein Zuschauer mir gedroht und noch etwas lautstark in seiner Muttersprache von sich gegeben. Das konnte ich zwar nicht verstehen, anhand seiner aufgebrachten Körpersprache konnte man aber erahnen, dass es nichts Positives war.“ Daraufhin forderte der Schiedsrichter Löwensens Kapitän auf, dem Zuschauer mitzuteilen, dass er den Platz verlassen soll. Was dieser auch getan habe. „Daraufhin kamen einige Spieler von Löwensen zu mir und haben mich gefragt, was das soll. Noch ein zweiter Zuschauer hat mich dann bedroht. Ich habe mich nun gezwungen gesehen, das Spiel erst einmal für 15 Minuten zu unterbrechen und wollte zur Kabine gehen. Plötzlich wurde von draußen geschrien: ‚Schiri, pass auf, da kommt jemand!‘ Als ich mich umgedreht habe, kamen drei oder vier Spieler von Löwensen auf mich zugelaufen und haben mich bedroht, dass sie mich nach dem Spiel verprügeln wollen. Glücklicherweise hat Löwensens Torwart schlichtend eingegriffen. Der Spieler, den ich wegen der ‚Hund‘-Beleidigung verwarnt hatte, ließ sich aber nicht beruhigen und hat mir gedroht, mich umzubringen.“

Spielabbruch in der 70. Minute

Auch von Zuschauern sei er beleidigt und bedroht worden, „sodass ich keine andere Wahl mehr hatte, als das Spiel komplett abzubrechen“. Dann seien auf einmal acht bis zehn Löwenser Spieler auf ihn zugelaufen, „zwei davon haben an meinem Trikot gezogen und gerissen und wollten mich schlagen. Von einem Spieler kam ein Schlag in meine Richtung, ich habe ihn etwas nach hinten geschubst, sodass er mich nur am Kehlkopf getroffen hat“. Dann sei er in Richtung TC Hameln gelaufen. „Die Mannschaft hat sich schützend um mich gestellt. Der TC hat die Polizei gerufen. Ich wurde noch von TC-Spielern gewarnt, dass sich 40 bis 60 Leute vor den Kabinen angesammelt haben und diese mich offenbar abfangen wollten. Spieler vom TC haben dann meine Tasche geholt, ich bin mit ihnen gemeinsam zum Parkplatz gegangen und sie haben mich nach Hause gefahren. Ich kann mich nur bei den Hamelnern für ihre Zivilcourage bedanken“, sagte der Schiedsrichter und kündigte an, rechtliche Schritte einleiten zu wollen.

TC-Spieler schützen den Schiedsrichter

Für Löwensens Coach Olaf Dröge war die Situation nicht so dramatisch, wie sie vom Schiedsrichter dargestellt worden sei. Seiner Meinung nach hätte das Spiel gar nicht abgebrochen werden müssen: „Aufgrund einiger Kommentare hat der Schiedsrichter Zuschauer des Platzes verwiesen. Als die Zuschauer weggingen, meinte der Schiedsrichter, irgendetwas auf Türkisch gehört zu haben und hat daraufhin das Spiel abgebrochen. Er wollte dann unter Geleitschutz in die Kabine, was völlig überzogen war“, so Dröge. „Einer meiner Spieler hat den Unparteiischen nach dem Abbruch geschubst, wenn man das überhaupt so nennen kann. Sie sind mehr oder weniger gegeneinander gelaufen. Es war kein Ansatz von Gewalt erkennbar. Ich habe nichts gesehen, was auf einen Spielabbruch hinweisen könnte. Was die Zuschauer betrifft: Ich kann ihnen ja nicht den Mund verbieten.“

Der Trainer des TC Hameln, bestätigte dagegen die Schilderung des Schiedsrichters, der laut Michael Huber beleidigt und bedroht worden sei: „Irgendwann sah sich der Schiedsrichter dann gezwungen, das Spiel abzubrechen, weil sich die aggressive Stimmung gegenüber ihm hochgeschaukelt hat. Daraufhin haben sich die Mannschaften bei ihren Ersatzbänken gesammelt. Auf einmal ging ein Löwenser auf den Schiedsrichter zu und wollte ihn augenscheinlich schlagen“, so Huber. „Der Schiri ist daraufhin zu uns geflüchtet. Unsere Mannschaft hat sich schützend vor ihn gestellt. Aufgrund von diversen Drohungen gegenüber dem Schiedsrichter haben wir die Polizei gerufen und den Schiedsrichter zur Kabine begleitet. Anschließend hat die Polizei den Fall aufgenommen.“

Polizeioberkommissar Andreas Appel bestätigte gegenüber der Dewezet, dass die Polizei am Sonntag vor Ort war, weil sich der Schiedsrichter bedroht gefühlt habe. Es werde aber gegen keine Person ermittelt, weil zum jetzigen Zeitpunkt keine strafrechtlich relevanten Handlungen erkennbar seien. awa/aro

Mein Standpunkt
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Von Andreas Rosslan

Es ist die häßliche Seite des Fußballs: Das Skandalspiel in Löwensen ist leider kein Einzelfall. Immer wieder werden Amateurschiedsrichter beleidigt und bedroht. Beschimpfungen wie „Schiri, du Arschloch!“, blinde Sau oder Hurensohn sind eher die Regel als die Ausnahme. Wie bekommt man das Problem in den Griff? Gute Frage. Sperre für die Spieler, Strafe für den Verein, Punktabzug oder sogar Disqualifikation? Ein Patentrezept gibt es nicht. Leider. Bleibt zu hoffen, dass sich die Unparteiischen durch solche schlimmen Vorfälle nicht entmutigen lassen, sonst gibt es bald keine Schiedsrichter mehr.

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