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Fußball: Nach Stippvisite in der Heimat ab in den Urlaub

Sabbenhausen ist stolz auf EM-Held Platte

SABBENHAUSEN. Der lange und beschwerliche Weg zum großen Triumph in Polen hat viel Kraft gekostet. Deshalb brauchte auch ein EM-Held wie Felix Platte mal eine Pause. Natürlich in der Heimat.

veröffentlicht am 04.07.2017 um 14:00 Uhr

Glücklich: Felix Platte mit dem EM-Pokal. Foto: Platte/pr
Klaus Frye

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Klaus Frye Sportreporter zur Autorenseite
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Einfach ein paar Stunden abschalten, mal wieder bei Muttern in den Kochtopf gucken und auch die schmutzige Wäsche abliefern, die sich in den über zwei Wochen angehäuft hatte. Die Stippvisite in „Samsen“, wie Sabbenhausen von den Einheimischen genannt wird, wollte der U21-Europameister einfach nicht missen. Nach der rauschenden Siegesfeier in der Frankfurter DFB-Zentrale war der 21-jährige Fußball-Profi per Bahn im feinsten Ausgehzwirn Richtung Heimat gereist und hatte schon gleich bei seiner Ankunft ein breites Lächeln im Gesicht. Am Ortseingang hatten ihn die Fußballer seines Stammvereins TSV Sabbenhausen mit einem Empfangsspruch „Samsen ist stolz auf dich Felix“ überrascht und seine Leistung in Polen damit auch entsprechend gewürdigt. „Das hat mich riesig gefreut“, gestand Platte.

Zuvor waren die letzten EM-Tage für ihn einfach nur Stress pur. Der begann für den „ruhigen Vertreter“ im Aufgebot von Trainer Stefan Kuntz, so richtig nach dem Halbfinal-Triumph gegen England. Da war nach dem Sieg im Elfmeterkrimi schnell klar, dass der Torschütze zum wichtigen 2:2 auch zu den Auserwählten für die Dopingkontrolle gehören würde. Und genau da geriet der 21-jährige zum zweiten Mal mächtig ins Schwitzen. „Mit dem Füllen des Röhrchens wollte es einfach nicht klappen“, verriet seine Mutter Elke, die gemeinsam mit Vater Fred den großen Auftritt ihres Sohnes in Tychy live miterlebte. Und so fuhr der Mannschaftsbus ohne den Blondschopf zurück ins Hotel nach Krakau. Hier kam Felix Platte erst weit nach Mitternacht per Taxi an. Aus dem schnellen Gang zu den Mannschaftskollegen, die den Sieg bereits kräftig feierten und Felix sogar schon ein spezielles Liedchen gewidmet hatten, wurde aber nichts. Für die Reporter, Fotografen und Kameraleute war Platte „der Mann des Tages“ – und für ein Statement von ihm hätten sie sich wohl auch noch die ganze Nacht um die Ohren geschlagen. Beim Finalsieg (1:0) gegen Spanien kam Felix Platte zwar nicht zum Einsatz, doch alles was auf und rund um das Spielfeld lief, dürfte für ihn trotzdem ein Erlebnis für die Ewigkeit bleiben. Seinem Heimatklub war das egal, auch ohne Finaleinsatz ist Felix Platte, der Mann mit der Rückennummer 13, nicht nur der Glücklichste, sondern auch der Größte im Lügder Stadtteil. Trotzdem hielt Jan Hundertmark, der Vereinschef des TSV Sabbenhausen, mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg: „Wenn ich Trainer gewesen wäre, hätte ich Felix auch im Finale gebracht.“

Der war indessen kaum da, da war er auch schon wieder weg. Am Montagmorgen reiste er zu früher Stunde bereits nach Hamburg, stattete dort dem Nike-Shop bei einem PR-Termin noch einen Besuch ab und verabschiedete sich dann vom Flughafen Fuhlsbüttel in den verdienten Urlaub. Genau eine Woche bleibt Platte zur Regeneration an einen unbekannten Ort, ehe wieder das Tagesgeschäft ruft. Und das findet nach seiner Ausleihe an Darmstadt 98 vorerst wieder beim Bundesligisten FC Schalke 04 unter dem neuen Trainer Domenico Tedesco statt. Ob es dabei auch bleibt, steht noch in den Sternen, denn 98-Coach Thorsten Frings hat die Hoffnung auf eine Rückkehr Plattes noch nicht aufgegeben: „Das wir Felix gerne behalten würden, ist kein Geheimnis“.

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