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Frank Himmer über die Verletzungsgefahr, die Nationalmannschaft und den Nachwuchs

„Rugby ist kein brutaler Sport“

Aerzen. Die deutsche Rugby-Nationalmannschaft trifft sich am Wochenende zu einem Trainingslager im Aerzener Schullandheim Riepenburg. Wir sprachen im Vorfeld mit Heimleiter Frank Himmer, früher einmal Rugby-Bundesligaspieler in Hannover.

veröffentlicht am 21.01.2016 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 25.10.2016 um 13:04 Uhr

Die deutsche Rugby-Nationalmannschaft macht am Wochenende zwei Tage Station im Schullandheim Riepenburg in Aerzen, um sich dort auf die kommenden Spiele der Europameisterschaft vorzubereiten. Frank Himmer leitet das Heim und ist zugleich Schiedsrichter in der Rugby-Bundesliga, A-Lizenztrainer und führt zudem auch Trainingswochen mit Schülern durch.

Frank Himmer, wie sieht die Rugby-Szene im Kreis Hameln-Pyrmont aus?

Durch den Abzug der britischen Armee gibt es aktuell keine Rugby-Szene in Hameln und Umgebung. Der nächstmögliche Verein ist der TSV Egestorf und natürlich in Hannover, wo es sehr viele Vereine mit guter Jugendarbeit gibt.

Gastgeber der deutschen Nationalmannschaft: Ex-Bundesligaspieler Frank Himmer. rhs

Wie ist es um das Image des Rugby-Sports bestellt?

Leider ist Rugby in der Öffentlichkeit nicht sehr bekannt und wird sehr häufig mit American Football verwechselt. Diese beiden Sportarten haben, außer der Form des Balles (oval), gar nichts gemeinsam. Rugby wird in ganz normaler Sportkleidung durchgeführt, ohne Helm und Polster, wie es beim Football üblich ist. Durch die sehr guten Erfolge unserer 7er Nationalmannschaft (Qualifikationsturnier im Juni, in Monaco für die Olympischen Spiele, Qualifikationsturnier im April, in Hong Kong für die „World Series“, in der die besten Nationen der Welt über 10 Turniere einen Sieger ausspielen) haben wir in der deutschen Sportszene große Beachtung gefunden. Der Abstand zur Weltspitze ist nicht mehr sehr groß. Unsere 15er- Nationalmannschaft kämpft in der europäischen Division 1 A, um den Klassenerhalt, und das ist auch ein Grund für das Trainingslager auf der Riepenburg.

Leidet Rugby auch unter der Dominanz des Fußballs?

Wie jede „Randsportart“ in Deutschland kämpft auch Rugby um Nachwuchs, da ist natürlich auch Fußball ein Konkurrent. Wir sind zurzeit dabei, Strukturen zu schaffen, um die Sportart Rugby bekannter zu machen und in die Breite zu tragen. Dafür sind sehr viele ehrenamtlichen Trainer und Helfer nötig, die die entsprechenden Ausbildungen haben müssen. Dieser Weg ist sehr schwierig und sehr lang, doch Rugby entwickelt sich in Deutschland sehr gut und ist fast flächendeckend in den Metropolregionen vertreten.

Ist Rugby ein gefährlicher Sport?

Die Verletzungsgefahr ist mit allen anderen Ballsportarten vergleichbar. Rugby ist weder ein brutaler noch gefährlicher Sport. Alles wird nach klaren Regeln gespielt und durchgeführt. Jeder Spieler hält sich an diese Regeln und das Beste ist, kein Spieler darf mit dem Schiedsrichter reden, geschweige denn meckern. Dieses Verhalten führt zu einem direkten temporären Platzverweis und bei Wiederholung zu einer Roten Karte.

Rugby – auch für Jugendliche attraktiv? Sie selbst haben ja schon mit vier Jahren angefangen.

Rugby ist dadurch sehr attraktiv für Jugendliche und Kinder, da alle ohne große Vorkenntnisse starten, sich auf einem Niveau befinden. Kinder wollen sich körperlich messen und suchen den Wettkampf. Dieses körperliche Austoben ist beim Rugby durch die klaren Regeln so zu gestalten, dass es zu keinen unfairen und gefährlichen Situationen kommen kann. Für jede körperliche Statur gibt es eine Position. Es werden schnelle, wendige Spieler, aber auch kräftige Typen benötigt. Und natürlich ist Rugby die beste Sportart der Welt!

Wie sieht die deutsche Rugby-Spitzenszene aus?

Es gibt zwei Bundesligavereine in Hannover, Hannover 78 und Germania List. Aus diesen Mannschaften gehen einige Nationalspieler hervor, die auch am Wochenende hier vor Ort sind. Zurzeit gibt es zwei Profimannschaften in Deutschland, die über große Sponsoren gefördert werden. Das ist der TV Pforzheim und der HRK Heidelberg, dieser Verein hat die letzten deutschen Meisterschaften gewonnen. Ein Großteil dieser Spieler ist auch in der Nationalmannschaft tätig.

Was steht am Wochenende auf dem Trainingsplan?

Es geht vor allem ums Teambuilding. Also zurück zur Basis, sich selber in einer Gruppe organisieren. Nur im Team sind wir stark und können erfolgreich sein. Es gibt keine Stars, die Mannschaft ist der Star. Das hört sich abgedroschen an, aber ist genau so in der Sportart Rugby. Am 27. Februar spielt dann Deutschland gegen Portugal in Hannover, im Stadion von Arminia Hannover.

Interview: Ernst August Wolf



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