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Preußen-Präsident wirft das Handtuch und übt Kritik am Führungsstil des Vereinsvorsitzenden Roman von Alvensleben

Rücktritt! Dammeier macht Weg für Neuanfang frei

Von Andreas Rosslan

veröffentlicht am 07.07.2010 um 08:53 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 13:50 Uhr

Fußball. Das war‘s – und zwar endgültig! Wolfgang Dammeier tritt mit sofortiger Wirkung zurück. Dass sich die SpVgg. Preußen Hameln 07 einen neuen Präsidenten suchen muss, weiß der Vereinsvorsitzende Roman von Alvensleben offenbar noch gar nicht. „Das kann er ja in der Zeitung lesen. Ich habe die Neuigkeiten auch immer erst aus der Dewezet erfahren – und nicht von ihm persönlich.“ Zum Abschied konnte sich der 07-Präsident diese Kritik am selbsternannten Retter des in finanzielle Schieflage geratenen Traditionsklubs nicht verkneifen.

Im Grunde war sein Rücktritt nur eine Frage der Zeit. Die Art und Weise wie von Alvensleben, der den Ruf eines Selbstdarstellers trotz seines aufopferungsvollen ehrenamtlichen Engagements nicht loswird, seit fast einem Jahr den Hamelner Traditionsklub führt, ist Dammeier ein Dorn im Auge. Die Chemie stimmte schon vom ersten Tag an nicht. Zum Wohle des Vereins hielt er sich bisher mit kritischen Äußerungen zurück. Bis jetzt schwieg der 07-Präsident, der über einige Zitate und Interviews des Vereinsvorsitzenden, die er in unserer Zeitung las, nur den Kopf schütteln konnte. Doch nach den Vorkommnissen der vergangenen Tage entschloss sich Dammeier jetzt, sein Schweigen zu brechen. Zum letzten Mal meldet sich der 63-Jährige in seiner Funktion als Vereinspräsident zu Wort – exklusiv in der Dewezet.

Was er zu sagen hat, notierte er sich vorab auf einen kleinen Zettel. Während der 63-Jährige über die Gründe für seine Entscheidung spricht, merkt man ihm an, dass die Querelen bei 07 und die in den vergangenen Tagen immer lauter werdende Kritik an der Vereinsführung und auch an seiner Person nicht spurlos an ihm vorbeigegangen sind. „Ich mache den Weg für einen Neuanfang frei“, kündigt Dammeier an, während im Hintergrund Punkt 10 Uhr die Kirchenglocken läuten. Das Kapitel Preußen Hameln 07 ist für ihn damit beendet – endgültig. Für ihn ist der Zeitpunkt gekommen, endlich einen Schlussstrich zu ziehen. Das hat er jetzt „schweren Herzens“ getan. Mit der öffentlichen Schlammschlacht, die von Alvenslebens Kommentar („Die Ratten verlassen das sinkende Schiff!“) auslöste, „will ich nichts zu tun haben“.

Dammeier zog jetzt die Konsequenzen, weil sein Ruf als seriöser Geschäftsmann auf dem Spiel steht. Zwar versicherte von Alvensleben hinterher, dass das Sprichwort nicht böse gemeint gewesen sei. Doch das Verhältnis zwischen ihm, Ex-Coach Kai Oswald und den ehemaligen Spielern wie Bastian Stellmacher und Co. ist zerrüttet. Zum Präsidenten hatte von Alvensleben angeblich so gut wie keinen Kontakt. Wenn man Dammeier aufmerksam zuhört, wird deutlich, dass es zwischen den Vereinsvorsitzenden und ihm keine Vertrauensbasis gab. Eine vernünftige Zusammenarbeit war deshalb nahezu unmöglich. Dammeier fühlte sich oft wie das fünfte Rad am Wagen. Wichtige Entscheidungen seien oft über seinen Kopf hinweg getroffen worden. „Wenn es nach mir gegangen wäre, würde Preußen in der nächsten Saison nicht in der Landesliga spielen.“ Aufgrund der zurzeit prekären finanziellen Situation des Vereins befürworte er einen freiwilligen Rückzug in die Leistungsklasse. Ohne eine konkurrenzfähige Mannschaft mache die Landesliga sowieso keinen Sinn. „Statt neue Spieler zu holen, die sich nicht mit Preußen identifizieren, sollte man in Zukunft lieber konsequent auf den eigenen Nachwuchs setzen.“ Für die Zukunft des Vereins sei eine gute Jugendarbeit als Basis das A und O.

Zu den Sünden der Vergangenheit will sich Dammeier nicht weiter äußern. Doch die von Ex-Coach Kai Oswald geäußerte Kritik, dass er als 07-Präsident erst auf Sponsorensuche ging, als es im Grunde schon fünf vor zwölf war, wollte Dammeier nicht unkommentiert im Raum stehen lassen. Durch die vielen negativen Schlagzeilen, für die auch von Alvensleben mit seinen Interviews verantwortlich sei, habe Preußen in der Öffentlichkeit und in der heimischen Wirtschaft ein katastrophales Image. Die Sponsorensuche sei zum Scheitern verurteilt gewesen, „weil das Vertrauen in die Vereinsführung fehlt“. Wenn sich das nicht ändere, bestünde die Gefahr, dass auch die letzten noch übrig gebliebenen Sponsoren vergrault werden.

Dammeier: „Wir können froh sein, dass die Sparkasse, die Stadtwerke und insbesondere die Dewezet als Hauptsponsor dem Verein so lange schon treu sind. Sonst würde es Preußen Hameln heute schon nicht mehr geben.“



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