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Fußball: Vor 50 Jahren trat die SpVgg. Bad Pyrmont gegen München 1860 an / Fünf Oldies erinnern sich

„Radi hielt auch den Elfmeter“

Bad Pyrmont. Fast auf den Tag genau vor 50 Jahren sahen mehr als 7000 Zuschauer in Bad Pyrmont das Freundschaftsspiel der Spielvereinigung gegen den damaligen Bundesliga-Spitzenreiter TSV München 1860. An die 0:7-Niederlage können sich fünf Pyrmonter Oldies noch gut erinnern.

veröffentlicht am 21.05.2016 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 25.10.2016 um 10:31 Uhr

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„Merkel, lass die Löwen los“, schallte es im Mai 1966 durch das Rund des Stadions an der Südstraße. Fünf Spieler, die damals im Trikot der Spielvereinigung Bad Pyrmont als „Löwenbändiger“ gegen Bundesliga-Spitzenreiter TSV München 1860 aufliefen, trafen sich auf den Tag genau 50 Jahre später in der Kurstadt. Dieter Vogt, Hans-Rainer Steinmeyer, Hubert Pollak, Harald Richter und Hermann Heuer hatten den wohl größten Auftritt ihrer erfolgreichen Fußball-Karriere keinesfalls abgehakt. Im Gegenteil, der Film lief ab, als sei es erst gestern gewesen.

Mehr als 7000 Zuschauer, 0:7 verloren, Dauerregen in der zweiten Halbzeit. Dazu sorgten die Auftritte des legendären 1860-Torhüters Petar Radenkovic immer noch für jede Menge Gesprächsstoff. „Riedel“ Vogt wusste es genau: „Erst legte der mich im Strafraum um, und dann hielt er auch noch den Elfmeter von Willy Engler.“ Fast schon unverschämt aus Sicht der Pyrmonter. Doch Radi erlaubte sich nicht nur auf dem Spielfeld seine Eskapaden. Hermann Heuer kann heute noch lachen: „Der fuhr zum anschließenden Bankett mit einem Taxi vor das Hotel Damköhler und stieg erst aus, als ihm der Portier die Tür geöffnet hatte.“ Für den Torhüter, der sich schon ein Jahr zuvor mit „Bin i Radi, bin i König...“ in die deutschen Charts geträllert hatte, gehörte so ein Auftritt einfach dazu. Da war 1860-Stürmer Hennes Küppers aus anderem Holz geschnitzt. Wasser oder Fanta waren für den gebürtigen Essener kein Ding. Die fünf Pyrmonter hatten ihn beim Bankett beobachtet: „Küppers hatte sein Pils auf dem Fußboden stehen.“ Kein Kostverächter war natürlich auch Max Merkel, der bei einem privaten Treff den Vorrat im Weinkeller von Pyrmonts Vereinschef Martin Beyer mächtig reduzierte.

Beyer war’s egal. Ohne ihn hätte der Löwen-Auftritt damals gar nicht stattgefunden. Der gebürtige Staffelsteiner pflegte Kontakte wie kein Zweiter. Er managte Showgrößen wie Vico Torriani und Max Greger. Und er kannte den Wiener Max Merkel bestens. So lockte er die Löwen, die drei Tage nach dem Auftritt in der Kurstadt die Meisterschale durch einen Sieg bei Borussia Dortmund zum bislang einzigen Mal auf Giesings Höhen holten, an die Emmer. Passend zur ersten Pyrmonter Sportwoche und zur Einweihung des schmucken Sportheims mit der Tribüne. Für 10 000 DM, Hotelunterkunft und das gemeinsame Bankett. Damit war alles geklärt, denn wie hieß Merkels Leitsatz: „Die Marie muss stimmen.“

Sie machten München 1860 vor 50 Jahren das Leben schwer: Dieter „Riedel“ Vogt, Hubert Pollak, Hermann Heuer, Harald Richter und Hans-Rainer Steinmeyer. Foto: kf


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