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Vor dem WM-Achtelfinale gegen England nimmt der Coach der SG Hameln 74 beide Mannschaften unter die Lupe

Paul Bicknell: „Yes we can – wir schlagen Deutschland!“

Von Andreas Rosslan

veröffentlicht am 25.06.2010 um 14:57 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 14:41 Uhr

Von Andreas Rosslan

Fußball. Gary Lineker war zwar einer der besten Spieler, die das Mutterland des Fußballs jemals hervorgebracht hat. Aber Englands Nationalspieler-Legende gelang es nie, einen Titel mit den „Three Lions“ zu gewinnen. Sein Zitat, „Fußball ist ein Spiel mit 22 Mann und am Ende gewinnt immer Deutschland”, ging 1990 nach der 4:5-Elfmeterkrimi im WM-Halbfinale um die Welt. Gegen die deutsche Nationalelf haben die Engländer bei fast allen Welt- und Europameisterschaften den Kürzeren gezogen. Dass wir 1996 sogar den EM-Pokal von der Insel entführten, liegt den Engländern bis heute noch schwer im Magen. Auch die Halbfinalniederlage von damals, mit 6:7 nach Elfmeterschießen, haben viele englische Fans noch nicht verdaut.

Unvergessen ist aber das umstrittene Wembley-Tor von Geoff Hurst zum 3:2 im WM-Finale von 1966. Die Frage, ob der Ball vor, auf oder hinter der Linie war, wird zwar bis heute leidenschaftlich diskutiert – aber wohl nie geklärt. Egal. Am Ende wurden die Engländer mit 4:2 nach Verlängerung Weltmeister. Das ist aber mittlerweile schon 44 Jahre her. Dass ausgerechnet bei dieser Weltmeisterschaft in Südafrika der Knoten platzt, glaubt selbst Paul Bicknell nicht. Sein Favorit ist Brasilien. Aber der englische Coach der SG Hameln 74 ist sich vor dem WM-Achtelfinale gegen Deutschland siegessicher: „Yes we can – wir schlagen Deutschland!“ Sein Tipp: 2:1 für England, „obwohl wir bisher keine überzeugende WM gespielt haben“. Die Chancen vor dem mit Spannung erwarteten Achtelfinale stünden fifty-fifty. Bicknell: „Schade, dass wir jetzt schon auf Deutschland treffen – und nicht erst im Finale.“

Für die Leser unserer Zeitung hat der Trainer des Kreisliga-Aufsteigers die voraussichtliche Startelf beider Teams unter die Lupe genommen und die jeweiligen Spieler miteinander verglichen. „Deutschland hat den besseren Torwart“, ist Bicknell überzeugt. Manuel Neuer sei bei der WM bisher ein sicherer Rückhalt gewesen. Im Gegensatz dazu sei David James immer für einen Patzer gut. „Weltklasse“ ist für Bicknell auch Philipp Lahm als rechter Außenverteidiger. „Glen Johnson ist zwar auch schnell und stark in der Offensive, aber nicht so gut wie Lahm. Dafür haben wir mit John Terry einen der besten Innenverteidiger der Welt. Er ist zwar nicht mehr Kapitän, aber das Herz unserer Mannschaft.“ Terry sei klar besser als Per Mertesacker, der zuletzt beim 1:0-Sieg gegen Ghana nicht überzeugen konnte. Matthew Upson, der beim 1:0-Zittersieg gegen Slowenien den gelbgesperrten Jamie Carragher vertrat, und Arne Friedrich sieht Bicknell in etwa auf Augenhöhe. Einen klaren Vorteil habe England auf der linken Außenverteidigerposition. „Jerome Boateng ist zwar sehr talentiert. Aber mit Ashley Cole haben wir auf dieser Position einen überragenden Spieler mit Champions-League-Erfahrung.“ Gleiches gilt für Mittelfeld-Motor Frank Lampard. Sami Khedira habe zwar als Ballack-Ersatz seine Sache bisher „sehr gut“ gemacht. „Aber Lampard, der eine Super-Saison bei Chelsea gespielt hat, ist torgefährlich und ein absoluter Führungsspieler.“ Von Bastian Schweinsteiger hatte sich Bicknell mehr versprochen: „Er ist fleißig, hat viele Ballkontakte und hilft nach hinten aus. Aber ihm ist es noch nicht gelungen, dem deutschen Spiel seinen Stempel aufzudrücken. Außerdem schießt er zu selten aufs Tor.“ Gareth Barry habe deshalb im Duell mit Schweinsteiger „einen leichten Vorteil“.

Eine überragende WM spielt laut Bicknell auch Thomas Müller, „der nahtlos an seine starke Saison beim FC Bayern angeknüpft hat“. Aber auch James Milner, der gegen Slowenien den Siegtreffer von Jermain Defoe vorbereitete, habe zuletzt einen starken Eindruck hinterlassen.

Eine Bestnote bekommt Mesut Özil von Bicknell. Im Gegensatz zu Steven Gerrard, der zurzeit etwas müde wirkt, sei Özil in Topform. Gegen Ghana habe Özil zwar getroffen, „aber er vergibt trotzdem noch zu viele Chancen“. Gerrard wirke im Vergleich zu Özil zwar etwas müde. „Aber auf Gerrard kann man sich immer verlassen.“ Von Lukas Podolski ist der Coach bisher enttäuscht. „Nach der miserablen Saison beim 1. FC Köln war das auch nicht anders zu erwarten.“ Jermain Defoe, der für die Tottenham Hotspur Tor um Tor schoss, zählt für Bicknell zu Englands gefährlichsten Stürmern: „Ich habe nicht verstanden, warum Defoe bei der WM zunächst nur auf der Ersatzbank saß.“ Maßlos enttäuscht ist der Coach des Hamelner Nordstadtklubs von Stürmer Wayne Rooney, der gegen Slowenien angeschlagen ausgewechselt wurde. Rooney, der in der Premier League immerhin 26-mal für Manchester United traf, wirkt zurzeit erschreckend harmlos. „Rooney spielt bisher eine ganz schwache WM. Ich habe das Gefühl, dass er nicht fit genug ist.“

Aber auch Miroslav habe seinen Zenit längst überschritten. „Wenn ich Bundestrainer Joachim Löw wäre, würde ich Stefan Kießling im Sturm bringen. Der hat in der Bundesliga gezeigt, was er kann.“ Kießling sei torgefährlich, kopfballstark und arbeite viel nach hinten.



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