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„Wir wurden vom Vorstand verarscht“ / Preußen 07 steigt nach 0:2 ab / Auch Kowalski und Meyer weg

Oswald kocht: Wutrede, Rücktritt, Ultimatum

Von Roland Giehr

veröffentlicht am 30.05.2010 um 20:15 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 16:21 Uhr

Fußball. Die einen badeten im Sekt – die anderen in ihren Tränen. Nur Preußen-Trainer Kai Oswald kochte nach dem 0:2 gegen den SV Ramlingen und dem damit verbundenen Abstieg aus der Oberliga innerlich vor Wut. Auf dem Weg zur obligatorischen Pressekonferenz muss seine Körpertemperatur dann noch in astronomische Höhen geschossen sein, denn dort explodierte er förmlich. „Die Mannschaft wurde vom Vorstand und Präsident Dammeier nicht unterstützt und ein halbes Jahr lang verarscht“, zog der 38-Jährige wie einst der legendäre Giovanni Trappatoni kräftig vom Leder. Doch während dem sichtlich überraschten Vereinschef Roman von Alvensleben („Den Schuh ziehe ich mir nicht an“) schon fast die Kinnlade runterfiel, kam Oswald erst richtig in Fahrt: „Weil es sich nicht lohnt, meine Zeit für diese Leute zu opfern, wird es keinen Preußen-Trainer mit Namen Oswald mehr geben“, verkündete er auch noch seinen sofortigen Rücktritt, hatte aber sein Pulver damit noch lange nicht verschossen.

„Was im Umfeld bei uns passiert, ist eine einzige Katastrophe. Ich erwarte, dass am Dienstag alle Gehälter und Fahrtkosten bezahlt werden. Ansonsten wird hier eine Bombe platzen. Die Zeit der Schönrederei ist endgültig vorbei“, stellte er der schwer gescholtenen 07-Spitze ein knallhartes Ultimatum.

Immerhin fünf Monate haben seine Spieler keinen Cent gesehen, er selbst schon fast ein Jahr nicht. „Dass die Jungs unter diesen Umständen den Kopf nicht freihatten, ist doch wohl allen klar“, so Oswald. Gleichzeitig wollte der Preußen-Trainer die mangelhafte Zahlungsmoral des Vereins aber nicht als einzigen Grund für den Abstieg gelten lassen. „Wir haben in der starken Hinserie über unsere Verhältnisse gespielt und gedacht, es geht so weiter. Doch viel ist nicht mehr passiert. Letztlich fehlte aber auch die Qualität im Kader, um die Oberliga zu halten“, bilanzierte der scheidende Trainer.

Nun hat aber nicht nur Oswald bei 07 „fertig“, auch ein Großteil der Mannschaft wird den Klub verlassen. Selbst Kapitän Bastian Stellmacher („Das macht einfach keinen Spaß mehr“) denkt an Abschied. Das Preußen-Urgestein will aber noch ein paar Nächte darüber schlafen, ehe seine Entscheidung fällt. Nicht mehr überlegen müssen dagegen Fabian Kowalski und Dominic Meyer, die sich Bezirksliga-Aufsteiger Klein Berkel anschließen. Die Zelte bei 07 abgebrochen hat auch Ferit Tarak. Er verteidigt künftig für Union Stadthagen. Angreifer Michael Jermakowicz (Ziel unbekannt) kehrt dem Absteiger ebenso den Rücken wie die Zwillingsbrüder Bengt und Nick Pyka, die es zurück nach Westfalen zieht. Während Tobias Lopez-Peralta schon einem Verein in seinem Studienort Bremen sucht, ist auch der Verbleib von Ruwen Klimke und Daniel Boateng sehr fraglich.

„Wir werden uns jetzt neu aufstellen müssen, aber auf alle Fälle in der Landesliga antreten“, hat Roman von Alvensleben indessen seinen Mut nicht verloren. Neben der Klärung der finanziellen Ebene ist seine dringlichste Aufgabe nun die Trainersuche. Aber auch die wird schwer genug.

Der vorläufig letzte Punktspielauftritt der Preußen in der Oberliga beim 0:2 gegen Ramlingen verdiente allerdings nur das Prädikat „teilgenommen“. Bis auf Lopez-Peralta, Klimke, Torhüter und Bengt Pyka und mit Abstrichen Jannik Hilker konnte sich kein Hamelner für höhere Aufgaben empfehlen.

Und hätte nicht Ramlingens Torjäger Manuel Brunne, der später (76.) zwar doch noch zum 2:0 traf, drei glasklare Chancen versemmelt, die Niederlage wäre noch deutlicher ausgefallen. Klimke (37.) hatte zuvor einen Kopfball von Smiatek unglücklich zum 0:1 ins Netz abgefälscht.

07: B.Pyka – Lopez-Peralta, Klimke, Eickenscheidt (56.Sillah), N. Pyka (67. Deck), Tarak, Hilker, Hasani, Boateng – Belka, Jermakowicz.

Stinksauer auf den Vorstand: Preußen-Trainer Kai Oswald ließ mächtig Dampf und verkündete dann seinenRücktritt.

Foto: nls



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