weather-image
14°
„Traumjob“: 38-Jähriger ist Geschäftsführer beim Kiezklub

Michael Meeske – ein Fischbecker auf St. Pauli

Als Teenager kickte Michael Meeske in den Jugendmannschaften des TSC Fischbeck. Für die ganz große Karriere reichte es aber nicht. Und trotzdem hat es der heute 38-Jährige in den Profifußball geschafft: Meeske leitet die geschäftlichen Geschicke des Hamburger Kultvereins FC St. Pauli.

veröffentlicht am 23.11.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 19:21 Uhr

Meeske mit FC-Präsident Littmann (li.) und Sportchef Schulte (re

Autor:

Jörn Hendrik Bente

Das Büro in der neuen Südtribüne des Millerntor-Stadions ist spärlich eingerichtet. Bilder hängen keine an der Wand. Man möchte fast sagen: es ist etwas karg. Dieser Raum mit Blick auf den Stadionvorplatz, wenige hundert Meter von der sündigen Meile, der Reeperbahn, entfernt, dient weniger repräsentativen Zwecken als vielmehr konzentrierter Arbeit. Michael Meeske sitzt telefonierend an seinem Schreibtisch, der voll ist mit Bilanzen, Stadionzeitschriften, Fan-Magazinen.

Als Geschäftsführer des FC St. Pauli ist der ehemalige Fischbecker seit August 2005 zuständig für das operative Geschäft. Von einem mit drei Millionen Euro verschuldeten Drittligisten ist der Hamburger Kultklub seitdem zu einem Spitzenverein der 2. Bundesliga avanciert. Unter maßgeblicher Beteiligung von Michael Meeske. Nicht nur, dass sich der Verein – vor allem dank erfolgreicher Auftritte im DFB-Pokal – nahezu konsolidiert hat. Auch den Stadionausbau hat der Diplom-Sozialwirt, der seine Reifeprüfung 1991 am Schillergymnasium in Hameln ablegte, vorangetrieben. Bisher steht eine von vier neu geplanten Tribünen des Stadions „Am Millerntor“, dass wegen seiner unvergleichlichen Atmosphäre und der stimmgewaltigen Fans auch das „Freudenhaus der Liga“ genannt wird. Im Bauch der neuen Südtribüne residiert der 38-jährige Experte für Marketing. Hier laufen die Fäden des Profigeschäfts zusammen: Sponsorenakquise, Kundenbetreuung, Vertragsverhandlungen mit den um jeden Euro feilschenden Spielerberatern, Gespräche mit Trainer Holger Stanislawski und Sportchef Helmut Schulte.

Michael Meeske ist verantwortlich für 25 Geschäftsstellenmitarbeiter, mit denen er nach den Heimspielen schon mal einen Abstecher auf den Kiez unternimmt. Kein Zweifel: Der 38-Jährige hat seinen Traumjob gefunden. „Die Arbeit beim FC St. Pauli ist in höchstem Maße spannend. Und dafür, dass wir es hier mit Profisport zu tun haben, ist die Atmosphäre in diesem Klub immer noch familiär.“

270_008_4191051_sp401_2610.jpg

Den Weg in den Profifußball hat Michael Meeske schon früh eingeschlagen. Nach seinem Studium in Göttingen arbeitete er für diverse Vereine im Osten Deutschlands. 2002 folgte der Fischbecker dann dem Ruf eines Freundes, der ihn zu Hannover 96 lockte. An der Leine engagierte sich Meeske nicht nur erfolgreich in der Marketingabteilung, sondern fand auch sein privates Glück. „Meine jetzige Frau war bei 96 beschäftigt. Dort haben wir uns kennengelernt – und 2004 geheiratet.“

Kerstin Meeske zog es schon vor ihrem Ehemann in die Hansestadt. Sie arbeitet für einen der weltweit größten Sportrechte-Konzerne. Und: Kerstin ist glühende Sankt Paulianerin. Wohl auch deshalb zeigt sie großes Verständnis für die 60-Stunden-Wochen ihres Mannes, dessen Arbeitstag spätestens um 9 Uhr beginnt und nicht selten erst nach 21 Uhr endet. „Außerdem bin ich bei allen Heimspielen und einigen Auswärtspartien ebenfalls im Einsatz, kümmere mich um Gäste und Sponsoren. Mehr als zwei Wochen Urlaub am Stück sind nicht drin. Und selbst dann bin ich über das Handy erreichbar.“

Dass der kleine Arthur (2 Jahre) seinen geschäftstüchtigen Vater nur selten sieht, tut diesem merklich leid. Damit Vater und Sohn wenigstens in der freien Zeit zusammen spielen können, hat Michael Meeske sein liebstes Hobby stark eingeschränkt. 5 000 Kilometer legt der ehrgeizige Radrennfahrer heute noch auf seinem Drahtesel pro Jahr zurück. Früher brachte es der ehemalige Niedersachsenmeister, der für den RRV Weser-Zugvogel Hameln startete, mit seinem Zweirad auf Werte, die ein Versicherungsvertreter wohl nicht einmal mit seinem Dienstwagen zurücklegt. Der arbeitsintensive Beruf und die Gründung einer eigenen Familie haben dazu beigetragen, dass Meeske es nur noch selten in die alte Heimat schafft: „So zweimal im Jahr besuche ich meine Mutter in Fischbeck und meinen Vater in Hameln.“

Aber die beiden kommen des öfteren nach Hamburg. Zum Glück ist es ja nicht so weit.“ Läuft alles nach Plan, wird Michael Meeske spätestens im nächsten Frühjahr in die Region, in der er aufgewachsen ist, zurückkehren. Im Mai ist ein Testspiel in Stadthagen geplant.

Er hat seinen Traumjob beim FC St. Pauli in Hamburg gefunden: Der Fischbecker Michael Meeske steht vor der neuen Südtribüne des Millerntor-Stadions.

Fotos/2: jhb



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt