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Leichtathletin Deborah Brodersen kehrt bei Heimatbesuch an alte Wirkungsstätte zurück

„Meine Wurzeln sind in Deutschland“

Hameln. So ganz unbekannt kam Uwe Beerberg die Stimme am Telefon nicht vor. „Kann ich beim Training helfen?“, fragte jene und der Coach der LG Weserbergland wusste schnell, wer da sprach: Deborah Brodersen. Die Rintelnerin, mittlerweile Studentin an der Tiffin University Ohio, weilt derzeit wieder in der Heimat. Aber nicht zum Urlaub, sondern wegen einer Kreuzband-Operation. Und für die ersten Laufversuche danach kam sie ins Weserbergland-Stadion und half in ihrer alten Wirkungsstätte gleich beim Nachwuchstraining. Mit elf Jahren war sie zur LG Weserbergland gekommen, mit 14 Jahren deutsche Meisterin im Siebenkampf der Schülerinnen geworden. Unter Landestrainerin Beatrice Mau-Repnack kamen die größten Erfolge, aber immer noch im Trikot der LGW: Sechste 2009 im Siebenkampf bei der U-18-WM in Brixen, ein Jahr später die U-20-WM-Teilnahme im Hochsprung in Kanada.

veröffentlicht am 28.07.2015 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 26.10.2016 um 08:51 Uhr

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Doch es kamen Verletzungen und auch das Leben außerhalb des Sportes. Vom Sportinternat Hannover, ging es in eine WG in Hannover-Linden. Das Abitur beendete sie, ihren letzten Siebenkampf 2012 in Bernhausen verletzungsbedingt nicht mehr. „Da war erst einmal Schluss mit Leichtathletik und auch das Sportstipendium in den USA hatte sich damit zerschlagen.“ Brodersen zog es danach zum Jura-Studium nach Leipzig. „Leipzig war schön, eine tolle Studentenstadt. Aber dass Jura überhaupt nicht mein Ding war, habe ich schnell herausgefunden.“

Trotz des neuen sportlichen Bestätigungsfelds als Fußball-Torfrau in der Reserve von Leipzig Süd („Ich hatte gute Chancen, auch in die jetzt in der Regionalliga spielenden ersten Mannschaft aufzusteigen.“) suchte Brodersen nach Veränderungen. Das Sportmanagement-Studium sollte es sein. Leipzig und Köln hatten sich als Alternativen herauskristallisiert, als per Facebook im August 2013 wie aus dem Nichts die Anfrage aus Ohio kam. „Eine kleinere Uni, aber ein Sportstipendium. Lange überlegt habe ich nicht.“ Allerdings begann zunächst ein Behörden-Marathon. „Im Fragebogen zum Visum-Antrag stehen echt solche Fragen, ob ich plane, in den USA Drogen zu verkaufen oder Attentate zu verüben. Anfangs war das noch witzig, aber irgendwann nerven solche Fragen, die wohl niemand mit ja beantworten würde.“ Doch auch diese Hürden nahm Brodersen und machte sich mit zwei Koffern auf den Weg über den Großen Teich. Es war ein Sprung ins kalte Wasser. Denn weder hatte sie die Uni und die Stadt vorher kennengelernt, noch wusste sie wer und was sie am Flughafen erwarten würde.

Doch es lief gut an. Dank der Englisch-Kenntnisse („Mein Vater ist Engländer, beklagt sich aber jetzt, dass ich mittlerweile amerikanisches Englisch spreche.“) hatte sie in der Uni und beim Sport kaum Probleme. Besonders bei Würfen verbesserte sie sich. Erst eine erneute Meniskusverletzung bremste 2014 den Elan. „In den USA ist vieles oberflächlicher. Wenn alles läuft, hat man viele Freunde. Die echten Freunde erkennt man erst in schlechten Zeiten.“ Nach der Meniskus-OP im August in den USA war es vor allem Physiotherapeut Nate, der ihr half. „Ein Supertyp.“ Und der stand auch ihr zur Seite, als nach dem Neuaufbau und der vielversprechenden Wintersaison am 4. April 2015 im ersten Freiluftwettkampf der nächste Tiefschlag kam: Kreuzbandriss beim Speerwurf. „Ich wusste, dass da was richtig kaputt ist.“ Wieder half der Physio über die seelischen Schmerzen. Als die Schwellungen abgeklungen waren, war organisatorisches Geschick gefragt. „An einer kleinen Uni wie der meinen kann man Klausuren auch vorziehen, Flüge natürlich auch.“

Deborah Brodersen trifft ihren ehemaligen Trainer Uwe Beerberg. mha

Weil zum normalen Leben ein Kreuzband nicht zwingend notwendig ist, zum Sport aber doch, flog Brodersen nun zur neuerlichen Operation nun nach Deutschland. Hier halfen die guten Freunde. Im Mai lag sie in Gehrden auf dem OP-Tisch, und der Wille, wieder Sport zu machen, kam schnell. „Ja, ich fange wieder an. Auch weil mein Stipendium daran hängt. Zwei Jahre studiere ich noch. Dann könnte ich mir auch vorstellen, als Trainer zu arbeiten. Aber da sind in den USA die Möglichkeiten besser“, schließt sie auch einen Verbleib in den USA nicht aus. „Aber meine Wurzeln sind in Deutschland.“ Und das hat sie auch in den USA erkannt. „Ich war in Cleveland bei einem Baseball-Spiel und fand das todlangweilig. Das darf man da aber niemals laut sagen.“



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