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07-Chef Roman von Alvensleben spricht im Dewezet-Interview über rote Zahlen und die Zukunft des Traditionsklubs

Kann sich Preußen die Oberliga überhaupt noch leisten?

Fußball. Preußen-Chef Roman von Alvensleben hat immer noch Sorgenfalten auf der Stirn, weil der chronisch klamme Hamelner Traditons- klub hoch verschuldet ist. Wie geht es bei Preußen weiter? Muss der Oberligist um die Lizenz für die nächste Saison bangen? Im Dewezet-Interview mit unserem Mitarbeiter Andreas Rosslan spricht der Vereinsvorsitzende über Schulden, die drohende Relegation, die Gründung eines Sportfonds, seinen Gewichtsverlust und vieles mehr.

veröffentlicht am 20.04.2010 um 17:13 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 20:21 Uhr

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Herr von Alvensleben,

Sie haben in den vergangenen Monaten mehrere Kilos abgenommen. Ist der Job als Preußen-Chef so stressig?

Als Vereinsvorsitzender wollte ich nicht so herumlaufen wie Reiner Calmund, deshalb habe ich etwas abgespeckt. Ich ernähre mich etwas bewusster und bewege mich mehr. Außerdem gucke ich beim Sport regelmäßig zu. Ich habe von einer Studie gehört, dass das auch zu Gewichtsverlust führen soll.

In der Oberliga muss 07 noch um den Klassenerhalt zittern. Wenn es dumm läuft, droht die Relegation.

Ich befürchte, dass es für uns sehr eng wird. Zurzeit sind wir Siebter. Wenn wir den direkten Klassenerhalt schaffen wollen, müssen wir unsere restlichen drei Heimspiele unbedingt gewinnen. Ich hoffe, dass möglichst viele Zuschauer ins Stadion kommen, um unsere Mannschaft zu unterstützen.

Muss Preußen eigentlich um die Lizenz für die eingleisige Oberliga bangen? Schließlich ist der Verein ja chronisch klamm …

Wir haben die Unterlagen beim Niedersächsischen Fußball-Verband fristgerecht eingereicht. Wir müssen zwar noch ein paar Sachen nachbessern. Das sind aber nur Formalitäten. Was die wirtschaftliche Situation angeht, sieht es eigentlich gar nicht so schlecht aus, weil wir mit den Banken faire Vereinbarungen getroffen haben. Deshalb gehe ich davon aus, dass wir die Lizenz für die Oberliga auch bekommen.

Vor der Gläubigerversammlung im Oktober vergangenen Jahres stand der Verein mit über 178500 Euro in der Kreide. Damals lag der „Patient“ Preußen auf der Intensivstation.

Inzwischen sind wir zwar auf dem Wege der Besserung. Aber wir leben immer noch von der Hand in den Mund. Der Verein ist zwar aktuell nicht von der Insolvenz bedroht, weil wir mit unseren Gläubigern Vereinbarungen wie beispielsweise Ratenzahlungen getroffen haben. Aber bis der Klub wieder schuldenfrei ist, ist es aber noch ein langer Weg. Die Lage ist immer noch ernst – aber nicht hoffnungslos.

Um den Verein vor der drohenden Pleite zu retten, sind Sie aber auf die Freundschaftsspiele gegen Hannover 96 und Fortuna Düsseldorf angewiesen, oder?

Ja klar. Wir sind ja quasi zum Erfolg verdammt, weil wir die Einnahmen dringend brauchen, um einen Neustart bei 07 überhaupt möglich zu machen. Unser Ziel sind 50 000 Euro plus X.

50 000 Euro sind eine Hausnummer. Was passiert, wenn dieses ehrgeizige Ziel nicht erreicht wird?

Dann fangen wir auch nicht an zu weinen. Das Leben geht ja schließlich ganz normal weiter.

Nichtsdestotrotz ist 07 immer noch ein Sanierungsfall. Macht es überhaupt Sinn, auch nächste Saison in der fünften Liga zu spielen, wenn man sich die Spielklasse eigentlich nicht leisten kann?

Wir wollen es auf jeden Fall versuchen. Dass wir dabei auf die Unterstützung der heimischen Wirtschaft angewiesen sind, ist klar.

Was machen denn die Planungen für die nächste Saison?

Namen von möglichen Neuzugängen kann ich noch nicht nennen. Das liegt alles in den Händen von unserem Trainer Kai Oswald, der ja auch unser Manager ist. Ich bin, was Neuzugänge und Vertragsverlängerungen angeht, der falsche Ansprechpartner. Darum kümmert sich unser Coach selbst. Ich gehe davon aus, dass unser Kader im Großen und Ganzen zusammenbleibt. Es ist aber ein offenes Geheimnis, dass einige unserer Spieler das Interesse anderer Klubs wie Hannover 96 oder Arminia Bielefeld geweckt haben. Da bin ich als Vereinschef auch stolz drauf. Wenn Benjamin Belka ein Angebot von einem Klub bekommt, wo er vielleicht in der Regionalliga spielen könnte, kann ich es nachvollziehen, wenn er den Verein verlässt. Aber wenn ein so talentierter Spieler wie Soner Aslan angeblich „aus sportlichen Gründen“ in die Kreisliga zum SV Lachem wechselt, kann ich nur den Kopf schütteln. Bis ein Klub wie Lachem in der Oberliga spielt, ist Aslan Rentner, der mit grauen Haaren am Spielfeldrand steht. Wenn er zu Preußen gekommen wäre, wäre vielleicht ein höherklassiger Klub auf ihn aufmerksam geworden.

Wie geht es denn mit Preußen weiter? Ist eine Fusion mit Tündern, Halvestorf oder Bad Pyrmont vorstellbar?

FC Weserbergland hört sich zwar nicht schlecht an. Aber Preußen ist eine Marke, die wir erhalten und stärken wollen. Man muss nicht zwingend fusionieren, um neue Wege zu gehen

Was heißt das konkret?

Eine Idee wäre die Gründung eines Sportfonds oder Sportstiftung, um in verschiedenen Vereinen und Sportarten den leistungsorientierten Wettkampfsport finanziell besser fördern zu können. Das wäre bestimmt auch für mögliche Sponsoren, die Gelder in den Topf einzahlen sollen, interessant. Dafür müssten sich aber die Fußballer, Handballer, Basketballer und andere an einen Tisch setzen und ein gemeinsames Vermarktungskonzept entwickeln. Die Einnahmen könnten nach einem fairen Schlüssel aufgeteilt werden, den man noch entwickeln muss. Dieser sollte sich unter anderem an den Mitgliederzahlen und der Spielklasse orientieren.

Der Job macht ihm zwar immer noch Spaß, aber

Preußen-Chef Roman von Alvensleben hat Sorgenfalten auf der Stirn, weil der chronisch klamme Hamelner Traditons- klub hoch verschuldet ist.

Foto: nls

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