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Der 96-Profi im Dewezet-Interview über die Lage bei den Roten, seine Zukunftspläne und warum Wolfsburg Meister wird

Ismaël: „Ein Comeback wird’s wohl nicht mehr geben“

Fußball. Das Knie schmerzt, an Bundesligafußball ist gegenwärtig überhaupt nicht zu denken, und er spricht inzwischen schon ganz offen vom „Ende der Karriere, das sehr nahe ist“. Der langzeitverletzte Franzose Valérien Ismaël galt bei Hannover 96 als großer Hoffnungsträger, als er in der Winterpause 2007/08 von Bayern München zu den Roten kam. Doch er bestritt nur 18 Spiele. Zuletzt kam er am 19. September 2008 für 96 zum Einsatz. Seitdem wird der Profi von einem Knochenödem am vor zweieinhalb Jahren operierten rechten Knie geplagt. „Egal, was ich mache, die Schmerzen sind da. Besserung ist leider nicht in Sicht“, sagte der Abwehrspieler bei einem Besuch in der Dewezet-Sportredaktion. Mit dem sympathischen Franzosen sprachen Hans-Jürgen Kroggel und Klaus Frye.

veröffentlicht am 26.03.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 01:41 Uhr

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Valérien Ismaël, Sie sollten bei den Roten „Le Chef“ in der Abwehr sein, jetzt sind Sie schon seit Monaten „Le Patient“. Aber Ihren Humor haben Sie noch nicht verloren …

Zum Glück bin ich ein positiv denkender Mensch. Aber es ist schon sehr frustrierend, wenn man dauernd verletzt ist und der Mannschaft nicht helfen kann.

Das sieht sehr nach einem Ende der aktiven Laufbahn aus.

Ich schätze die Situation realistisch ein: Die Karriere ist eher vorbei als dass ich sie fortsetzen kann. Ich mache mir keine großen Hoffnungen mehr auf ein Comeback.

Und dabei könnte Sie Hannover 96 gerade in der gegenwärtigen Situation in der Abwehr sehr gut gebrauchen. Wie sehen Sie die Lage?

Wir wollen uns nichts vormachen: sie ist ausgesprochen kritisch. So wie die Saison bisher gelaufen ist, sind wir mehr zurückgeblieben als dass wir uns weiterentwickelt haben. Wir alle hatten bekanntlich ganz andere Ziele im Kopf.

Warum läuft es so schlecht bei den Roten?

Die Mannschaft ist verunsichert, sie war nicht auf den Abstiegskampf vorbereitet. Sie besitzt ohne Zweifel Qualität, aber die konnte sehr oft nicht abgerufen werden. Die Kluft zwischen den erfahrenen und den jungen Leuten ist groß. Einige Spieler scheinen eine Blockade im Kopf zu haben.

Ausgerechnet jetzt warten die ganz großen Brocken auf Hannover 96. Nächste Woche geht es nach Bremen, dann kommt Hertha BSC in die AWD-Arena.

Wir dürfen uns nicht auf die anderen Mannschaften verlassen. Wir müssen unbedingt in Bremen gewinnen. Das ist für uns ein Schlüsselspiel. Wenn wir dort gut abschneiden, gibt das mit Sicherheit Selbstvertrauen für das Hertha-Spiel. Und was Bremen betrifft: ich habe zwar noch viele Sympathien für meinen ehemaligen Klub Werder, doch jetzt bin ich 96er – mit ganzem Herzen. Die Lage ist brisant, aber die Tendenz ist positiv. Immerhin haben wir ja in Hoffenheim ein 2:2 erreicht.

Trotzdem steht Trainer Dieter Hecking nach wie vor in der Kritik. Ist er in dieser Situation noch der Richtige für 96?

Ich bin nicht qualifiziert, um Ihnen diese Frage zu beantworten. Da müssen Sie sich an unseren Präsidenten, Herrn Kind, wenden. Aber in der jetzigen Situation geht es nicht um Trainer oder Spieler – die kommen und gehen. Es geht um den Verein, es geht um Hannover 96. Gemeinsam müssen wir aus der jetzigen Situation herauskommen.

Blicken wir nach vorne. Der VfL Wolfsburg, Bayern München, Hertha BSC und der HSV kämpfen um den Titel. Wer ist Ihr Meisterschaftsfavorit?

Der VfL Wolfsburg, denn Trainer Felix Magath weiß, wie es geht. Er ist schließlich auch mit dem FC Bayern Meister geworden. Magath ist ein sehr guter Trainer – hart, aber fair. Egal, ob einer 18 oder 40 ist: wenn die Leistung stimmt, dann spielt er auch. Er bleibt auch seiner Linie treu. Die Mannschaft hat sein System verinnerlicht.

Und was machen die Bayern, ihr Ex-Klub?

Die bleiben bis zum Schluss dran. Nicht sicher bin ich, ob Hertha und der HSV an der Spitze so lange durchhalten.

Valérien, Sie studieren an der Fachhochschule für Wirtschaft in Hannover, haben das erste Semester Betriebswirtschaftslehre gerade hinter sich. Wollen Sie Manager werden?

Ja, dieses Ziel habe ich. Ich bin als Profi 15 Jahre im Geschäft und war im Fußball erfolgreich. Den Rest kann man lernen. Ich bleibe auf jeden Fall dem Fußball treu.

Auch Ihr Verein Hannover 96 sucht einen Manager. Hat man Sie eigentlich schon gefragt?

Nein.

Es gibt in der Bundesliga im Management hervorragende Leute. Haben Sie Vorbilder?

Klaus Allofs und Uli Hoeneß. Von ihnen habe ich zu meiner Zeit in Bremen und München viel gelernt. Das sind aber zwei grundverschiedene Charaktere. Eine Mischung aus Beiden könnte den optimalen Manager ergeben.

Sie wohnen mit Ihrer Lebensgefährtin in der idyllischen Wedemark und finden die Stadt Hannover nach eigenem Bekunden „sehr schön“. Diese Meinung teilt nicht jeder Besucher. Entertainer Harald Schmidt findet die Stadt hässlich …

Auch Hannover hat schöne Seiten. Es ist alles eine Frage der Einstellung. Wenn man viel Sonne haben will, muss man woanders leben. Und wer hohe Berge liebt, kann mit Hannover auch nicht viel anfangen. Ich aber bin hier rundum glücklich und zufrieden.

Apropos glücklich: Wann läuten denn die Hochzeitsglocken für Valérien und Karolina Ismaël?

Für dieses Jahr ist nichts geplant. Vielleicht 2010.

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