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Frustrierter Fan: Lars Kindermann bietet bei Ebay seine komplette HSV-Sammlung an – für 18 870 Euro

„Ich habe genug gelitten“

Fischbeck. Jahrelang trug Lars Kindermann mit Stolz seine HSV-Trikots, sammelte fleißig Autogrammkarten, Wimpel, Mützen, Schals und vieles mehr. Und pilgerte oft mit seinen Kumpels ins Volksparkstadion, um als treuer Fan seinen Hamburger SV anzufeuern. In guten und in schlechten Zeiten. Doch damit ist jetzt Schluss.

veröffentlicht am 02.04.2015 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 14:37 Uhr

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Andreas Rosslan Sportreporter zur Autorenseite

Selbst für ein Foto wollte sich der Fischbecker Alt-Herren-Torwart das rot-weiße Adidas-Trikot mit der HSV-Raute auf der Brust nicht mehr überziehen. Der Frust über die chronische Erfolglosigkeit des Hamburger Bundesliga-Dinos, der in den vergangenen 20 Jahren so viele Trainer verschlissen hat, dass selbst viele HSV-Fans den Überblick verlieren, sitzt bei ihm so tief, dass er bei einer Ebay-Auktion seine komplette HSV-Fansammlung (u. a. mit einer Nachbildung des Europapokals der Landesmeister, ein Original-Autogramm von Ernst Happel und einem Retro-Trikot aus der Bundesliga-Saison 1963/64) versteigern wollte. Startpreis: 18 870 Euro!

1887 steht für das

Gründungsjahr des HSV – die 0 für null Erfolge

Die Auktion, über die unter anderem das Fußballkulturmagazin 11 Freunde, die Bild, der Stern, ein Hamburger Radiosender sowie Sport1 und Sky berichteten, war nach der 0:8-Pleite gegen Bayern eher ein aus Fan-Frust entstandener Scherz – „gewürzt mit einer Prise Ironie“. Dass es keinen Interessenten gab, der das Mindestgebot von 18 870 Euro abgegeben hat, „war mir schon klar“. Der stolze Preis setzt sich wie folgt zusammen: 1887 ist das Gründungsjahr des HSV. Die Null steht für die Erfolge in den vergangenen zwölf Jahren. Aber auch nur, wenn man den Gewinn des Ligapokals im Jahr 2003 – ein sportlich nahezu bedeutungsloser Wettbewerb, den es inzwischen schon gar nicht mehr gibt – als Erfolg wertet. Der letzte Pokalsieg des HSV (1987) liegt nämlich schon 28 Jahre zurück, der letzte deutsche Meistertitel und der Europapokalsieg (1983) sogar schon 32 Jahre. Damals war Kindermann acht Jahre alt und saß beim Europapokalfinale der Landesmeister, das der HSV damals durch das Tor von Felix Magath mit 1:0 gegen Juventus Turin gewann, mit seinem Vater vor dem Fernseher. Es war der größte Triumph des HSV. Doch die goldenen Zeiten sind lange vorbei. Der Hamburger SV taumelt – wie im Vorjahr – dem ersten Bundesliga-Abstieg der Vereinsgeschichte entgegen. „So schlimm wie jetzt war es noch nie“, sagt Kindermann. Als HSV-Fan habe er genug gelitten, denn die Spiele hätten ihn körperlich und psychisch echt fertiggemacht. „Die Niederlagen gehen mir echt an die Nieren.“ Er habe genug gelitten. Und bevor er krank werde, zieht er lieber einen Schlussstrich. Nachdem sich bei der ersten Auktion kein Käufer gefunden hat, wollte Kindermann seine HSV-Fansammlung eigentlich noch einmal für 18 870 Euro bei Ebay anbieten. Diesmal mit seinem Auto – inklusive 1887-Nummernschild. Aber das will er nun nicht mehr machen. „Die Sachen werde ich in Kartons packen und auf den Dachboden stellen“, sagt Kindermann. Fußball werde er weiter gucken, aber erst einmal keine HSV-Spiele mehr. Wie lange er das durchhält, weiß er nicht: „Es ist vermutlich genauso schwer, wie mit dem Rauchen aufzuhören.“

3 Bilder
Eine Eintrittskarte für das Europa-League-Finale 2010 in Hamburg, das der HSV durch das Halbfinal-Aus gegen Fulham verpasste.


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