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Hamelner Sven Brostedt in Russland bei allen Spielen der DFB-Elf live dabei

Ich bin ein WM-Glückspilz

HAMELN. Ein echter WM-Glückspilz: Der Hamelner Sven Brostedt in Russland bei allen Spielen der DFB-Elf live dabei!

veröffentlicht am 13.06.2018 um 15:45 Uhr

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Roland Giehr

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Roland Giehr Leiter Sportredaktion zur Autorenseite
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Ob es wieder einen deutschen WM-Glückspilz wie zuletzt Mario Götze gibt, steht noch in den Fußball-Sternen – Sven Brostedt aus Hameln ist aber auf alle Fälle schon jetzt einer. Quasi von Fortuna mit Küssen nur so überhäuft. Sein großes Privileg: Der 46-jährige ehemalige Torhüter und Trainer des ESV Eintracht Hameln ist live als Fan vor Ort in Russland dabei. Allerdings nicht nur bei der Eröffnungspartie im Luschniki-Stadion gegen Mexiko, sondern gleich bei allen Spielen des amtierenden Weltmeisters. Die drei Vorrunden-Tickets hat er schon in der Tasche. Und sollte der Weg „Jogis Jungs“ tatsächlich wieder bis ins Finale führen, wird er natürlich ebenfalls auf der Tribüne sitzen und ihnen kräftig die Daumen drücken. Möglich macht dies das sogenannte Follower Team Ticket der FIFA im Wert von 1500 Dollar.

„Die erste Verlosung habe ich verpasst, bei der zweiten ging ich dann leer aus, erst bei der dritten hat es endlich geklappt“, freut sich Brostedt auf das spannende Abenteuer im größten Land der Erde, auf das er nun auch „richtig Bock hat“. Hilfreich war ihm dabei zweifellos auch sein Entschluss, bereits vor zwei Jahren in den DFB-Fanklub einzutreten. „Damit stiegen natürlich auch die Chancen auf Karten aus dem deutschen Kontingent“, blickt er zufrieden zurück.

Während die Nationalmannschaft bereits ihr WM-Quartier im beschaulichen Watutinki bezogen hat, startet Brostedt seine Russland-Mission erst am Donnerstag ab Hannover. Um 14 Uhr hebt die Aeroflot-Maschine in Richtung Moskau ab und wird dort rund zweieinhalb Stunden später landen. Über das Thema Unterkunft und Verpflegung muss sich der Hamelner allerdings keine großen Sorgen machen, denn seine Ehefrau Elena stammt aus der russischen Metropole. Ihre Eltern und die restliche Verwandtschaft freuen sich natürlich auch ganz besonders auf die erste Begegnung mit der kleinen Marie, der sieben Monate jungen Tochter der Brostedts.

„Das Schöne an der Sache ist, dass wir das Familiäre und auch andere geplante Dinge mit dem Fußball verbinden konnten“, blickt der „Glückspilz“ dem vierwöchigen Trip voller Freude entgegen. Auf dem Programm steht so auch noch ein mehrtägiger Urlaub am Schwarzen Meer im sonnigen Sotschi, wo die DFB-Elf ihr zweites Vorrundenspiel gegen Schweden austrägt. Erheblich strapaziöser wird für Sven Brostedt dann allerdings die halbe „Weltreise“ nach Kasan zur dritten deutschen Gruppen-Partie gegen Südkorea. „Dass wird von Moskau aus eine 15-stündige Zugfahrt. Ich hoffe, dass ich hin und zurück einen Platz im Schlafwagen bekomme“, orakelt der 46-Jährige, wird es aber letztlich nehmen, wie es kommt. Wenn auch der Besuch der deutschen Spiele klar im Vordergrund steht, will er sich aber trotzdem in seiner verbleibenden Freizeit nicht das Public Viewing auf dem geschichtsträchtigen Roten Platz in Moskau entgehen lassen. „Egal, wer dann spielt, das wird bestimmt ein ganz außergewöhnliches Erlebnis“, rechnet der Hamelner WM-Tourist mit einer großen Party im Schatten des Kreml.

So richtig abgehen und krachen soll es dann aber auch am 13. Juli. Dann gibt die US-amerikanische Kultband Guns 'n' Roses ein Konzert im ausverkauften Spartak-Stadion. Mit Hardrockfan Brostedt im Publikum. „Vielleicht genau die richtige Einstimmung für das WM-Finale einen Tag später“, mutmaßt er und hofft, dass die deutsche Elf dann auch dabei ist. Zwar gibt es mit Frankreich, Spanien, Argentinien und Brasilien wieder einmal die üblichen Verdächtigen auf den Titel, aber dem amtierenden Weltmeister traut er am ehesten noch eine erfolgreiche Mission zu. „Joachim Löw hat einen sehr starken Kader. Außerdem sind wir ja eine exzellente Turniermannschaft und müssen uns nun wirklich vor keinem Gegner in der Welt fürchten“, blickt er den sportlichen Dingen bei seiner Tour überaus positiv entgegen. Und als ehemaliger Torhüter hat Brostedt natürlich auch ganz besonders die Diskussionen um die Nominierung von Manuel Neuer als Nummer eins verfolgt, kann die Entscheidung des Bundestrainers aber nachvollziehen: „Es gibt im Moment keinen besseren Torhüter als ihn, auch wenn es für Marc-André ter Stegen sicherlich sehr bitter ist.“ Eine weitere umstrittene Personalie hätte er aber anders gelöst. „Leroy Sane hat in England eine Topsaison bei Manchester City gespielt, ist jung und dynamisch. Den hätte ich auf alle Fälle mitgenommen“, bezieht er klar Position. Aber er ist eben nicht Joachim Löw. Der muss dafür aber auch noch auf die Erfüllung seines ganz großen Traumes warten, Sven Brostedt dagegen nicht. „Die Russland-Reise zur WM war ein Herzenswunsch von mir. So etwas macht man vielleicht nur einmal im Leben. Da spielen die Kosten dann auch keine Rolle.“

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