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Boxlegende Torsten May spricht über das Profigeschäft, seinen Olympiasieg und die Nachwuchsarbeit

„Heute zählt nur noch das Geld“

Mit dem Spartakiade-Sieg begann seine Box-Karriere. Heute zählt Olympiasieger, Welt- und Europameister Torsten May zu den ganz Großen der deutschen Sporthistorie. Als Botschafter der Initiative „Deutschland bewegt sich“ kam der Goldmedaillen-Gewinner von 1992 nach Hameln und stand der Sportredaktion Rede und Antwort.

veröffentlicht am 18.04.2018 um 20:25 Uhr
aktualisiert am 19.04.2018 um 11:30 Uhr

Faust auf Faust – Torsten May (re.), Box-Olympiasieger und Botschafter der Initiative „Deutschland bewegt sich“, mit Barmer-Geschäftsstellenleiter Christian Müller. Foto: nls
Klaus Frye

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Klaus Frye Sportreporter zur Autorenseite
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Was bedeutet der Olympia-Sieg eigentlich heute noch für Sie?
Torsten May: Das ist ein wunderschönes Gefühl und der Sieg bereitet mir immer noch sehr viel Freude. Aber damals nach dem Gewinn der Goldmedaille habe ich schon einige Zeit gebraucht, um den Erfolg überhaupt erst einmal zu realisieren.

Hat die Medaille nach den Spielen für Sie auch andere Türen geöffnet?
Erst einmal habe ich in Barcelona gespürt, dass die Boxer von den anderen Sportlern ein bisschen schief von der Seite angeguckt wurden. Erst nach den Spielen standen wir plötzlich im Fokus. Natürlich weil wir zwei Goldmedaillen gewonnen hatten. Das war wie eine Initialzündung, denn danach begann der große Boom, und Boxen war auch in den Medien präsent.

Wie schätzen Sie den deutschen Boxsport heute ein? Wächst mal wieder ein kommender Oympiasieger heran?
Ich sehe es in Köln, die Boxvereine sind voll und die Jugend auch interessiert. Das Problem ist aber, dass oben zu wenig ankommt. Viel Breite, wenig Spitze kann man sagen. Und derzeit vermisse ich einfach das nötige Konzept, um etwas zu verändern.

Zu DDR-Zeiten wurden gute Boxer schon bei der Spartakiade entdeckt. Eine Sichtung, die mit vielen Medaillen und internationalen Titeln belohnt wurde. Fehlt heute eine solche Boxförderung?
Genau diese gezielte Nachwuchsarbeit vermisse ich. So wird einfach das durchaus vorhandene Potenzial nicht abgerufen. Die Spartakiade war zu DDR-Zeiten eine gute Sache, auch wenn der Sport von ganz oben gelenkt wurde. Und wenn man Erfolg haben wollte, musste man auch viele Entbehrungen auf sich nehmen.

Sie wechselten erst 1993 ins Profilager. Warum nicht früher?
Ich war einige Zeit Sparringspartner von Henry Maske. Der hatte 1988 Gold in Seoul gewonnen. Und das war auch mein Ziel in Barcelona.

Wie schätzen Sie die aktuelle Entwicklung im Profiboxen ein? Viele Titel, viele Verbände – hat das Sinn?
Ich finde das eher schädlich. Denn die vielen Verbände verwässern einfach das Profiboxen. Da blickt man kaum noch durch und damit wird der Sport auch mehr und mehr kaputtgemacht. Das Boxen spielt nicht mehr unbedingt die Hauptrolle. Da zählt heute nur noch das Geld.

Wenn Sie als Sportbotschafter unterwegs sind, arbeiten Sie oft mit jungen Menschen zusammen. Wissen die eigentlich, wer da vor ihnen steht?
Die junge Generation nicht mehr. Wenn die zu Hause mal über meinen Besuch in der Schule erzählen, können sich nur noch die Väter erinnern.

Interview: Klaus Frye



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