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Der Salat begann einst in Cottbus / Mit jedem Vereinswechsel gab es eine neue Schreibvariante

Grincenko – ein Torhüter mit vielen Namen

Wenn er beim Bezirksligisten TSV Klein Berkel zwischen den Pfosten steht, stört ihn sein falsch ausgestellter Spielerpass kaum. Dann hat Artjom Grincenko vor allem das runde Leder fest im Blick.

veröffentlicht am 22.04.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 20:21 Uhr

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Foto: nls

Fußball (ro/kf). „Name ist Schall und Rauch“ ließ Goethe zwar einst Faust zu Gretchen sagen – dennoch scheint die richtige Schreibweise nicht ganz unwichtig. Das gilt natürlich auch für Torhüter. Wohl kaum ein Schlussmann in Deutschland stand und steht mit derartig unterschiedlichen Namen auf dem Spielberichtsbogen wie der Mann zwischen den Pfosten beim Bezirksligisten TSV Klein Berkel. Gerintschenkow, Gerintschenko, Grintschenkow, Grintschenko – und nun Grincenko. Auch bei seinem Vornamen hatte der geneigte Rätselfreund bislang die große Auswahl: Artjan, Artjam, Artjon oder Artjom. Ja was denn nun? „Ich heiße Artjom Grincenko“, macht der 20-Jährige Aerzener deutlich und erklärt gegenüber der Dewezet, wie es zu dem unsäglichen Namensalat kam.

Die kuriose Geschichte begann bereits 1988 in Cottbus. Im dortigen Einwohnermeldeamt wusste keiner nach seiner Geburt im Mai mit dem Familiennamen etwas anzufangen. So wurde erst einmal Gerintschenkow ins Stammbuch eingetragen. Und auch in der ukrainischen Millionenstadt Donezk, in unmittelbarer Nachbarschaft lebte der Fußballer mit seinen Eltern noch einmal von 1989 bis 1990, wurde auf die richtige Schreibweise kein großer Wert gelegt. Aber bekanntlich mahlen ja auch in deutschen Amtsstuben die Mühlen oft ein wenig langsamer.

Auch im Spielerpass steht der falsche Name

Als Vater Vladimir mit seiner Familie Ende 1990 nach Aerzen zog, blieb es bei der unkorrekten Cottbuser Version. So wurde, als Artjom seine ersten fußballerischen Gehversuche beim MTSV Aerzen unternahm, der falsche Name auch in den Spielerpass übernommen. Der Niedersächsische Fußball-Verband in Barsinghausen hielt sich logischerweise an die Daten aus der Geburtsurkunde. Doch wenn der Torhüter in der Folgezeit nach Punktspielen in der Presse erwähnt wurde, blieb es nicht dabei.

Denn mit den Wechseln von Aerzen nach Klein Berkel, dann im Herrenbereich zur SSG Halvestorf, zu Preußen Hameln 07 und zurück zum TSV Klein Berkel änderten sich auch die Varianten seines Namens. Der Fantasie der Betreuer waren keine Grenzen gesetzt. Doch: Egal ob mit oder ohne „e“ und „t“, mal mit einem „w“ geschrieben, zumindest in Fußballkreisen wusste jeder, wer gemeint war. Eigentlich geklärt wurde die leidige Angelegenheit schon 2007, als Familie Grincenko in Deutschland eingebürgert wurde. „Die falsche Eintragung wurde gelöscht und die übliche Schreibweise aus der Ukraine übernommen. Jetzt warte ich aber immer noch auf einen neuen Spielerpass“, so der angehende Sport- und Fitnesskaufmann.

Seine sportliche Zukunft ist derweil offen. Angebote liegen dem 1,82 m großen Torhüter zwar vor – erste Adresse bleibt aber der TSV Klein Berkel, wo Trainer Siegfried Motzner schon verlängert hat. „Der kennt wenigstens meinen richtigen Namen ...“



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