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16 Hamelner Hauptschüler engagieren sich für Fair Play im Fußball

Gegen Rassismus und Vorurteile: Junge Schiedsrichter sind Vorbilder

Fußball (rhs). „Schiedsrichter haben es schwer. Sie werden für ihre Entscheidungen immer kritisiert – von Spielern, Trainern und Fans“, weiß Kevin Nagarajah. Mit null Fehlern war der 13-Jährige zusammen mit Sinan Karakas (17) bester Prüfling eines nicht alltäglichen Schiedsrichterlehrganges im Naturfreundehaus in Lauenstein, an dem 16 Schüler der Hauptschule der Hamelner Südstadt teilnahmen. Das war nur mit Hilfe einer Finanzspritze und ehrenamtlichen Lehrkräften des Kreisfußball-Verbandes möglich, der das vom DFB propagierte Integrationsprogramm „Gegen Rassismus und Vorurteile“ unterstützt.

veröffentlicht am 06.11.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 23:21 Uhr

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Am Rande des U19-Länderspiels zwischen Deutschland und Schweden kündigte Hameln-Pyrmonts Kreisfußball-Boss Andreas Wittrock an, dass die Zeit der Lippenbekenntnisse vorbei sein soll: „Wir wollen das Integrationsprojekt mit Leben füllen.“ Der Schiedsrichterkursus für Hauptschüler war ein erster Schritt in die richtige Richtung. Um diese Patenschaft auf feste Füße zu stellen, schickte Sportlehrer Carsten Schufft als Leiter der Fußball-AG an der Königsschule kurzerhand seine Schüler zum Schiedsrichterlehrgang. Sie sollten in vier Tagen lernen, dass es Regeln gibt, die unbedingt eingehalten werden müssen, damit es während der 90 Spielminuten diszipliniert und fair zugeht. „Beim Pauken ist mir erst bewusst geworden, dass die Regeln alle ihren Sinn haben, um ein Spiel in geordneten Bahnen ablaufen zu lassen“, erzählt Zerdos Adirbelli. Der 14-jährige, der seine Pfeiflizenz in den nächsten Tagen aus den Händen des Kreisschiedsrichterobmanns Michael Rieke überreicht bekommt, will damit nicht eines Tages das große Geld als Bundesliga-Referee verdienen. Wichtiger ist für ihn, dass es im Leben und im Sport eine Regel für alle gibt: Fair Play.

„Darüber sollte sich jeder junge Spieler im Klaren sein, wenn er diese Regel im Eifer des Gefechts verletzt oder übertritt und damit mich dann zum Handeln und Bestrafen zwingt.“ Erdinc Yalcin, mit türkischen und zugleich auch griechischen Wurzeln, ist als einziger bei der Prüfung durchgefallen. Aber das hält ihn nicht davon ab, die ganze Prozedur noch einmal zu wiederholen. „Wegen eines Fehlers zuviel wirft man nicht gleich die Flinte ins Korn“, so der 17-Jährige. Es sei wichtig, dass Schiedsrichter regelkundig sein müssen, „um keine falschen Entscheidungen zu treffen, die Spieler oder Mannschaften benachteiligen“. Nino Naganeelan (14) hat es ebenfalls geschafft. Der in Deutschland geborene Tamile, der für den ESV Hameln kickt, wollte gegenüber seinen Klassenkameraden nicht zurückstehen und hat sich gleichfalls für das Amt des Schiedsrichters entschieden. Auch wenn er zunächst nur im C-Juniorenbereich zum Einsatz kommt, will er weiter an sich arbeiten und aufsteigen. „Ich werde mich dabei stets bemühen, den Gedanken der Fairness auf dem Sportplatz in den Mittelpunkt zu stellen – allein schon durch mein Auftreten. Sicher kann ich von dieser Haltung auch in der Schule und später im Beruf profitieren.“

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