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Karate: Jahrelange Auszeit nach Schicksalsschlag: Schabasov-Brüder vor Comeback

Ex-Champions greifen wieder an

HAMELN. Vor einigen Jahren zählten die Schabasov-Brüder zu den hoffnungsvollsten Karate-Talenten: Umar war als Elfjähriger schon Vize-Europameister, Bulat 2006 sogar Weltmeister. Doch ihre Karriere endete abrupt. Der Grund war ein schwerer Schicksalsschlag in der Familie. Jetzt greifen die Ex-Champions wieder an.

veröffentlicht am 27.09.2017 um 00:00 Uhr

Die Ex-Champions Umar (19, links) und Bulat (31) Schabasov vom 1. Karate Dojo Hameln trainieren fürs Comeback. Fotos/3: nls
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Andreas Rosslan Sportreporter zur Autorenseite
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n der proppevollen Glasvitrine sind so viele Pokale, Gold-, Silber- und Bronzemedaillen, dass man schon fast den Überblick verliert. Dazwischen ist das ein oder andere Erinnerungsfoto von drei Karateka aus Bodenwerder, die beim Karate vor einigen Jahren noch zu den hoffnungsvollsten und erfolgreichsten Talenten zählten: Der ehemalige Welt- und Europameister sowie mehrfache Deutsche Meister Bulat Schabasov ist inzwischen 31 Jahre alt. Sein jüngerer Bruder Umar, der mit elf Jahren schon EM-Silber gewann, ist heute 19. Djambulat, der zweitälteste der drei Brüder, starb vor sieben Jahren bei einem Autounfall.

Das ist auch der Grund, warum die sportliche Karriere der Schabasov-Brüder so abrupt endete, erzählt Bulat. „Diesen Schicksalsschlag mussten wir mental erst einmal verkraften. Ich habe lange gebraucht, bis ich wieder zum Karate-Training gegangen bin. 2011 habe ich schon einmal versucht, wieder anzufangen. Aber es ging noch nicht – vom Kopf her. Deshalb habe ich mich erst einmal auf den Beruf konzentriert.“ Mit 31 Jahren fühlt sich Bulat jetzt reif fürs Comeback. Sein nächstes Ziel ist die Deutsche Meisterschaft der Masterklasse am 22. Oktober in Bielefeld: „Da wird sich entscheiden, ob ich noch einmal an meine alten Erfolge anknüpfen kann. Mein Traum ist, noch einmal bei einer Weltmeisterschaft zu starten.“ Wie 2006, als er in New York in seiner Altersklasse Weltmeister wurde. „Das war der Wahnsinn. Ich war stolz für Deutschland antreten zu dürfen, obwohl ich damals noch keinen deutschen Pass hatte“, schmunzelt Bulat. Wie seine Brüder auch wurde er in der Nähe von Grosny geboren, der Hauptstadt Tschetscheniens.

2002 flüchtete seine Familie vorm Krieg nach Deutschland und fand in Bodenwerder (Landkreis Holzminden) eine neue Heimat. Ein Jahr später fing er gemeinsam mit seinem verstorbenen Bruder in der Kampfsportschule AZATO in Bodenwerder mit Karate an und feierte unter seiner Trainerin Danny Beckmann die ersten Erfolge. 2004 gewann Bulat erstmals den Deutschen Meistertitel, den er 2005 erfolgreich verteidigte. Die internationalen Erfolge ließen nicht lange auf sich warten.

Mit fünf Jahren fing auch Umar mit Karate an: „Meine Brüder waren immer meine großen Vorbilder: Bulat im Kata und Djambulat im Kumite.“

Der Unterschied: Während man beim traditionellen Kata quasi gegen imaginäre Gegner kämpft, kämpfen beim Kumite die Karateka direkt gegeneinander. Umar macht beides. Im Gegensatz zu Bulat, der sich auf Kata konzentriert: „Ich bin mit 31 Jahren nicht mehr der Jüngste. Außerdem hatte ich schon drei Knie-OPs, weil ich aufgrund des intensiven Trainings einen Knorpel- und Meniskusschaden im Knie hatte. Jetzt bin ich aber wieder fit“, erzählt Bulat.

Zusammen mit seinem jüngeren Bruder Umar trainiert er beim Verein „1. Karate Dojo Hameln“ drei- bis viermal pro Woche – jeweils zwei bis drei Stunden. Dazu kommt noch Kraftraining im Hamelner Fitnessstudio Easyfitness, „wo wir umsonst trainieren dürfen. Dafür sind wir sehr dankbar“.

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