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Dewezet-Umfrage: Das sagen Hameln-Pyrmonts Experten zu den Korruptionsvorwürfen im Handball

„Es gibt einige schwarze Schafe, das weiß ich“

Handball im Zwielicht: Nicht nur der THW Kiel muss sich massiver Manipulationsvorwürfe erwehren, auch deutsche Schiedsrichter stehen jetzt im Mittelpunkt eines Bestechungsvorwurfs. Sie sollen Geld kassiert und Spiele verpfiffen haben.

veröffentlicht am 16.03.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 05:21 Uhr

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Foto: nls

Handball (hjk/kf). Zwei Jahre nach dem Wintermärchen mit dem WM-Triumph im eigenen Land bricht die heile deutsche Handball-Welt wie ein Kartenhaus zusammen. So soll der Serienmeister und Vorzeigeklub THW Kiel jahrelang ausländische Schiedsrichter bestochen und sich den Erfolg gekauft haben – die Staatsanwaltschaft ermittelt. Und jetzt sind auch noch die besten deutschen Unparteiischen Bernd Ullrich und Frank Lemme in Verruf geraten. Nach einem Europapokalspiel in Russland fand der Zoll auf dem Moskauer Flughafen in ihrem Gepäck 50 000 Dollar. Ganz offensichtlich wurden die Schiedsrichter bestochen. Der Handball hat ein Korruptionsproblem. Die Dewezet-Sportredaktion befragte gestern Experten in der Region zur aktuellen Situation.

Hajo Wulff (Trainer des VfL Hameln und Ex-Bundesligaspieler): „Ich weiß zwar nicht, wo die Kohle herkam. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass sich die beiden Schiedsrichter, die ich sehr gut kenne und für die ich meine Hand ins Feuer legen würde, haben bestechen lassen. Auch der THW Kiel hat so etwas nicht nötig. Andererseits: der Erfolgs- und Leistungsdruck wird immer größer…

Manfred Herzog (Spielwart des HVN und aktiver Schiedsrichter): „Diese Sache, die sich ja bereits 2006 abgespielt hat, kommt mir sehr mysteriös vor. Doch wenn es tatsächlich so war, dann befürchte ich, dass noch mehr ans Tageslicht kommt. Für den Handball ist es nach dem Fall THW Kiel auf jeden Fall eine weitere traurige Geschichte.“

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Schiedsrichter Manfred Herzog

Peter Eddelbüttel (Trainer des Verbandsligisten SV Alfeld): „Für den Handball ist das eine katastrophale Angelegenheit. Doch so richtig glauben kann ich die 50 000-Dollar-Geschichte nicht. Aber vielleicht sollte man sich, wie von Bundestrainer Brand angeregt, einmal über die Einführung von Profi-Schiedsrichtern Gedanken machen.“

Walter Frye (ehemaliger Oberliga-Schiedsrichter und TK-Chef im Bezirk Hannover): „Die Geschichte kann ich mir gar nicht vorstellen. Doch man sollte die Sache nicht einfach abhaken. Versuche, die Schiedsrichter zu beeinflussen, hat es in europäischen Wettbewerben schon oft gegeben. Es wäre besser gewesen, wenn sie die Angelegenheit gleich an die Öffentlichkeit gebracht hätten.“

Doreen Männich (Spielerin der HSG Fuhlen/Hessisch Oldendorf): „Zunächst hört sich die Geschichte ein wenig kurios an. Doch wenn sich tatsächlich die Vorwürfe der Bestechung als wahr herausstellen sollten, würde das auf unseren Sport ein sehr, sehr schlechtes Bild werfen.“

Wolfgang Schmidt (Ehrenvorsitzender der Handballregion Weserbergland): „Die Schiedsrichter hätten den Fall 2006 sofort melden müssen – und nicht erst jetzt, zwei Jahre später. Deshalb stinkt die Sache.“

Danilo Loncovic (Trainer der HF Springe und Ex-Profi): „Auf europäischer Ebene muss der Verband aufräumen. Da gibt es unter den Schiris, das weiß ich, einige schwarze Schafe, die müssen schnellstens weg. Denn denen ist alles zuzutrauen. Als ich mit dem VfL Hameln in den 90er Jahre im Europapokal in Spanien und in der Ukraine unterwegs war, wurden wir auch mit Schiedsrichtern konfrontiert, die nicht ganz koscher waren …“



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