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Basketball: VfL-Urgestein Moritz Loth muss schweren Herzens seine Karriere beenden

„Es geht nicht mehr“

HAMELN. Eine gefühlte Ewigkeit trug Moritz Loth das Trikot des VfL Hameln - jetzt verkündet der 37-Jährige das sofortige Ende seiner Basketball-Karriere.

veröffentlicht am 15.11.2017 um 16:36 Uhr

Sagt Tschüss: Moritz Loth (VfL Hameln) hat das Ende seiner Basketball-Karriere verkündet. Foto: nls

Autor:

Matthias Abromeit
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Dass seine Basketball-Karriere so zu Ende geht, hatte Moritz Loth nicht geplant. Eine gefühlte Ewigkeit trug der 37-Jährige das Trikot des VfL Hameln – am 21. Oktober dieses Jahres zum letzten Mal. Dass die 75:85-Heimniederlage gegen CVJM Hannover sein Abschiedsspiel war, wusste Loth damals noch nicht. Bei der Oberliga-Partie wurde Loth verletzt ausgewechselt, weil er wieder Probleme mit der Achillessehne hatte. Jetzt steht für ihn fest: Ein Comeback wird es für ihn nicht mehr geben.

„Ich habe es nach dreiwöchiger Pause beim Training noch einmal versucht, aber es geht nicht mehr. Die Achillessehne schmerzt immer noch.“ Loth, der mit 20 Einsatz-Jahren der dienstälteste Spieler des VfL ist, hört auf. Schweren Herzens.

„Ich hätte der Mannschaft noch gerne geholfen. Aber ich habe im Sommer eine Ärzte-Odyssee hinter mich gebracht, um die Achillessehnenprobleme in den Griff zu bekommen.“ Fast jeden dritten Tag war Loth beim Arzt oder bei Therapien. Der erhoffte Erfolg blieb aus. „Darauf habe ich echt keine Lust mehr. Das ist wohl schon eine chronische Entzündung. Danach kommt nur noch ein Riss der Sehne. Und dann hätten ich und auch meine Schule ein wirklich großes Problem.“ Denn Loth ist an der Pestalozzi-Oberschule in Hannover einer von nur zwei Sportlehrern. „Ausfallen will und kann ich nicht.“ Der Beruf geht vor.

Loths Karriere begann mit sechs Jahren bei der Mikro-Mannschaft von Heinrich Lassel. „Ich habe parallel auch andere Sportarten ausprobiert, bin aber beim Basketball hängengeblieben.“ Einmal konzentrierte er sich auch komplett auf das Handballspielen – für ganze zwei Monate. Dann zog es Loth wieder zum Basketball. „Basketball war damals mehr angesagt. Ich fand es auch nicht so brutal wie Handball. Und ich glaube, ich hatte auch mehr Talent dafür.“

Fortan wurde die Halle am Einsiedlerbach zu seinem Wohnzimmer, die Lassels mit Vater Heinrich, Sohn Nicu und Mutter Margret zur zweiten Familie. „Aber nicht nur für mich. Eigentlich für alle aus der Mannschaft, von der bis heute noch viele zusammen sind.“ Loth war sogar so mit Leib und Seele dabei, dass „Heinrich mich förmlich aus der Halle schmeißen musste, damit ich endlich die fünf Minuten Weg nach Hause gehe“, schmunzelte Loth. Es begann für ihn eine wundervolle Zeit. Die Fahrten zu den großen Kinder-Turnieren nach Göttingen oder Ahrensburg sind ebenso in Erinnerung geblieben wie ein besonderer Dreier bei den Männern. „Damals hatte ich unser Team mit diesem Dreier in letzter Sekunde in die Verlängerung geworfen. Die haben wir dann gewonnen – und das gegen unseren Hass-Gegner Wolfsburg.“ Ein Sieg gegen die SG Braunschweig, bei der damals der spätere NBA-Profi Dennis Schröder spielte, und das nationale Pfingstturnier mit 120 Teams in Berlin, wo die Hamelner erst im Finale gegen eine Mannschaft aus Ex-Nationalspielern verloren, waren die weitere emotionalen Höhepunkte.
Seinem VfL, dessen Vereinslogo er auf seinen Arm tätowieren ließ, blieb Loth fast immer treu. Bis auf ein halbes Jahr bei der BG Göttingen. Aber von da kam er schnell zurück und wurde wie alle Rückkehrer herzlich wieder aufgenommen. „Heinrich und Nicu Lassel, beide auch Lehrer, waren auch immer für mich da, wenn es in meinem Studium Probleme gab. Eine wundervolle Familie.“ Doch das ist nun vorbei, zumindest die aktive Zeit auf dem Basketball-Feld. Loth muss sich neu orientieren. „Ich reise, fahre zu Freunden. Der Plan ist, dass ich mal keinen Plan habe“, sagt Loth, der als Single in Hannover-Linden wohnt. Aber etwas Sport soll es doch sein. „Vielleicht Tischtennis oder Fitness. Denn wenn ich so weiteresse wie bisher und kein Training mehr habe, kann ich die 100 Kilogramm sicher nicht halten“, meint der ehemalige 1,89-Meter-Flügelspieler.

Und Basketball als Zukunftsperspektive? „Erst mal nicht, erst muss ich die Probleme mit der Sehne in den Griff bekommen. Aber vielleicht eine Ü40-Mannschaft oder Kinder-Trainer.“ Da ist das Angebot an seinem Wohnort in Hannover groß. TKH, CVJM, Linden Dudes – nur eine Auswahl an Vereinen. Doch Loth bekennt sich zu seinen Wurzeln. „Wenn ich das mache, dann in Hameln. Meinen Spielerpass hat Heinrich noch. Da bleibt er – und wenn der Pass nicht verlängert wird, will ich den haben. Dann hänge ich ihn neben die Basketball-Schuhe an die Wand.“

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