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Gladbachs Sportdirektor Max Eberl über Trainer Favre, die Champions League und die Fans

„Es fühlt sich wie ein Titelgewinn an“

Max Eberl, Sie spielen mit Borussia Mönchengladbach am Pfingsmontag im Weserberglandstadion gegen die SG Hameln 74. Für einen Bundesliga-Klub vermutlich nur ein Testspiel wie jedes andere, für einen Amateurverein oft das größte Spiel in der Vereinsgeschichte. Was halten Sie eigentlich von der Tingelei durch die Provinz?

veröffentlicht am 23.05.2015 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 26.10.2016 um 08:51 Uhr

Borussia versteht sich als Familienverein, als Klub zum Anfassen. Insofern haben Testspiele bei kleineren Vereinen eine lange Tradition. Ebenso wie Besuche bei unseren Fans in ganz Deutschland. Auch am Sonntag nach dem letzten Spiel sind unsere Spieler zu vielen Fanklubs unterwegs. Zudem haben wir im vergangenen Jahr auch eine „Fohlentour“ gemacht und sind zu Fanklubs und einem Testspielen ins Saarland gefahren. Sie sehen, dass uns der Kontakt zur Fanbasis sehr am Herzen liegt.

Als vielbeschäftigter Sportdirektor sind Sie in ganz Deutschland und Europa unterwegs, waren Sie aber auch schon in Hameln?

Ja, ich war schon in Hameln, mein letzter Besuch ist auch noch gar nicht so lange her und war sehr schön. Borussia ist auch nicht zum ersten Mal in Hameln zu Gast: 2001 haben wir ein Testspiel gegen BW Schwalbe Tündern bestritten. Damals war ich noch Spieler und Hans Meyer unser Trainer.

Vor vier Jahren war Mönchengladbach noch ein Abstiegskandidat, dann kam Trainer Lucien Farve und führte den Klub nun in die Champions League. Wo ordnen Sie seine Verpflichtung in Ihrer persönlichen Erfolgsskala ein?

Lucien Favre war ein absoluter Glücksgriff für unseren Verein. Ich hatte das Glück, ihn schon vor seinem Engagement bei Borussia etwas näher kennenzulernen. Und nach intensiven Gesprächen über Fußball wusste ich, dass ich versuchen würde, ihn zu verpflichten, wenn ich einmal in die Position dazu kommen sollte. Wie er die Mannschaft und einzelne Spieler entwickelt und mit Borussia über vier Jahre ein Team aufgebaut hat, das mit seinem Fußball die Fachwelt begeistert, ist großartig.

Jetzt sind Sie zwar endlich in der Königsklasse angekommen, verlieren mit Weltmeister Christoph Kramer und Torjäger Max Kruse aber erneut zwei Leistungsträger. Zuvor gingen schon Torhüter Marc-André ter Stegen und Marco Reus. Wie sehr frustriert das einen Sportdirektor auf Dauer, wenn die anderen Klubs scheinbar immer die besseren finanziellen Argumente haben?

Das sind nun einmal die Gegebenheiten im Profifußball. Die Vergangenheit hat aber auch gezeigt, dass wir solche Abgänge kompensieren konnten. Wir verlieren in Christoph Kramer einen Spieler, der bei uns in zwei Jahren vom Zweitliga-Profi zum Nationalspieler und sogar zum Weltmeister geworden ist. Dass er als Leihspieler nun zu Bayer Leverkusen zurückkehrt, war absehbar. Aber dennoch waren diese zwei Jahre für alle Seiten ein Gewinn. Ähnlich ist es bei Max Kruse. Er hat sich jetzt für einen anderen Weg entschieden, und wir bekommen dafür eine angemessene finanzielle Entschädigung. Geld, das wir wieder in den Kader stecken können. Dass uns Wolfsburg und Leverkusen finanziell einiges voraus haben, ist auch klar. Aber beispielsweise die Verpflichtung von Thorgan Hazard und die Vertragsverlängerungen von Patrick Herrmann und Granit Xhaka, sind Zeichen, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Was trauen Sie der Mannschaft in der Champions League denn zu? Angeblich drohen schon in der Gruppenphase hochkarätige Gegner?

Nicht nur angeblich. Borussia ist als Champions-League-Neuling bei der Verlosung in Topf vier. Aber Vereine wie der FC Barcelona, Real Madrid, Juventus Turin oder der FC Chelsea „drohen“ uns ja nicht. Wir sind vielmehr froh und stolz, gegen solche Mannschaften spielen zu dürfen. Wir freuen uns auf garantierte sechs Begegnungen in der Champions League und wollen sportlich natürlich das bestmögliche Ergebnis erzielen.

Der letzte Titel von Borussia Mönchengladbach war der DFB-Pokalsieg 1995. Wie realistisch beurteilen Sie die Chancen, dass Ihr Klub bald mal wieder dran ist?

Jetzt zu spekulieren, wann Borussia wieder einen Titel gewinnt, ist müßig. Wir haben eine sensationell gute Saison gespielt. Die Ziele, die wir uns gesteckt hatten, haben wir weit übertroffen. Der Einzug in die Champions League fühlt sich für den Verein an wie ein Titelgewinn. Auch wenn wir keinen Pokal oder einen Wimpel dafür bekommen.

Mit Lars Stindl haben Sie bereits den wichtigsten Spieler von Hannover 96 verpflichtet. Welche Rolle trauen Sie ihm zu?

Er passt von seiner Spielanlage sehr gut in unser Anforderungsprofil. Er kann die Rolle im defensiven Mittelfeld ebenso spielen wie den offensiven Part. Zudem ist er sehr torgefährlich. Lars Stindl erweitert unsere Möglichkeiten. Deswegen haben wir ihn verpflichtet.

Im Angriff soll zudem der Hoffenheimer Kevin Volland quasi als Kruse-Ersatz den Vorstellungen von Trainer Favre am ehesten entsprechen. Können Sie den vielen Gladbach-Fans in dieser Region schon mehr dazu sagen?

Nein, dazu kann ich natürlich nichts sagen. Wir machen unsere Arbeit, und wenn wir etwas verkünden können, dann tun wir das. Alle Gladbach-Fans können aber sicher sein, dass wir alles versuchen, um die bestmöglichen Lösungen zu finden, was den Kader für die kommende Saison angeht.

Apropos Torjäger, Sie spielten in Ihrer langen Profikarriere für den FC Bayern, Greuther Fürth, VfL Bochum und Gladbach, konnten aber nie einen Treffer erzielen. Nervt Sie das im Nachhinein ein wenig oder haken Sie das einfach unter der Rubrik „Schicksal eines Abwehrspielers ab“?

(lacht) Das nervt mich gar nicht – im Gegenteil: Hätte ich ein Tor geschossen, wie Hunderte andere, wäre ich nur einer unter vielen. Ohne Bundesliga-Treffer ist der Kultfaktor höher.

Ein Niederbayer am Niederrhein. Das scheint ja in Ihrem Fall zu passen oder vermissen Sie ihre Heimat manchmal?

Ich fühle mich sehr wohl. Mein Sohn ist hier geboren, und wir haben, auch außerhalb des Fußballs, viele Freunde gefunden. Das Einzige, was mir manchmal fehlt, sind die Berge. Interview: Roland Giehr

 

Die wichtigsten Infos zum Gladbach-Spiel:

Wann und wo wird gespielt? Anpfiff ist am Pfingstmontag um 15 Uhr im Weserberglandstadion.

Gibt es noch Karten? Ja, es gibt noch Stehplatzkarten für 10 Euro (Kinder: 8 Euro) an den Vorverkaufsstellen (Dewezet-

Ticketshop, Geschäftsstelle Pyrmonter Nachrichten, Vereinsheim der SG 74, Reisebüro am Multimarkt) und für 12 Euro (Kinder: 10 Euro) an der Tageskasse. Die Tribünenkarten sind bereits ausverkauft.

Wo gibt’s Parkplätze?

Bei Vorwerk (Am Frettholz), auf dem Tönebön-Platz und am Stadion (Kuhlmannstraße) und bei Hagebau (Werftstraße).



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