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40 Jahre Kreisliga: Das legendäre 1985er-Derby zwischen Lauenstein und Salzhemmendorf

Es flogen Flaschen und Fäuste

Mensch, wie die Zeit vergeht. Die Fußball-Kreisliga feiert 2019 ihren 40. Geburtstag. Die Sportredaktion der Dewezet hat im historischen Archiv gestöbert. Heute lesen Sie im neunten Teil der Serie, wie beim 1985er Ostkreisderby zwischen dem MTV Lauenstein und Blau-Weiß Salzhemmendorf die Flaschen und Fäuste flogen..

veröffentlicht am 16.03.2019 um 00:00 Uhr

Paul Bicknell (2. v. l.) erzielt das 3:0 für Lauenstein, während Salzhemmendorfs Keeper Harald Schäfer verletzt am Boden liegt. Foto: H. Vo./Archiv
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Andreas Rosslan Sportreporter zur Autorenseite
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Kurz vor Schluss flogen sogar Flaschen und Fäuste. Es ist zwar schon eine gefühlte Ewigkeit her, aber an das fast schon legendäre Ostkreisderby zwischen dem MTV Lauenstein und Blau-Weiß Salzhemmendorf am 3. März 1985 erinnern sich viele Fußballer und Fans heute noch. In Scharen strömten vor 34 Jahren die Fußballfans zum Sportplatz in Lauenstein. Der ewig junge Ostkreis-Klassiker war damals vor 650 Zuschauern das absolute Topspiel des 19. Kreisliga-Spieltages: Lauenstein war mit 25:11 Punkten Zweiter, Salzhemmendorf mit 26:8 Punkten Erster.

Vor dem Derby waren die Lauensteiner, die bei der deftigen 1:4-Hinspielpleite im „Saalestadion“ noch chancenlos waren, bis in die Haarspitzen motiviert. Vor dem Rückspiel witterten sie aufgrund des Heimvorteils die Chance zur Revanche. Salzhemmendorfs Coach Hans-Jürgen „Paule“ Klenner reiste mit einer blutjungen Truppe (mit Rüdiger Mell und Wilfried Knopp waren gerade einmal zwei Spieler älter als 23 Jahre) in das nur zwei Kilometer entfernte Lauenstein. Als Schiedsrichter Klaus Guschel die Partie anpfiff, brannte sprichwörtlich die Luft: 90 Minuten Leidenschaft und Emotionen pur. Dieses harte, aber faire Fußballderby hatte es in sich. Tempo, packende Zweikämpfe, Strafraumszenen. Und am Spielfeldrand sorgten die 650 Fans der beiden Ostkreisklubs für eine Gänsehaut-Atmosphäre.

Lauenstein trumpfte groß auf – und gewann mit 4:0. Doch nach einem so klaren Sieg sah es zunächst nicht aus. In den ersten 25 Minuten machten die Salzhemmendorfer mächtig Druck, dann wurde Lauenstein von Minute zu Minute immer stärker. Erst traf Paul Bicknell (39.) für den MTV, dann Christian Utke (42.) zur 2:0-Halbzeitführung. Als Bicknell in der 60. Minute das vorentscheidende 3:0 schoss, lag Salzhemmendorfs Keeper Harald Schäfer am Boden. Er verletzte sich in dieser Situation schwer und kehrte erst 20 Jahre später bei den Altherren zwischen die Pfosten zurück. Für Salzhemmendorf war es ein schwarzer Sonntag, denn 20 Minuten vor Schluss parierte Lauensteins Torwart Paul Hibbert noch einen Strafstoß von Rüdiger Mell. In ihrer Meister-Saison 1984/85 verschossen Mell und Co. übrigens rekordverdächtige 14 Elfmeter! Das dürfte vermutlich in den vergangenen 40 Kreisliga-Jahren einmalig gewesen sein. Besser als Mell machte es der eingewechselte Lauensteiner Bernd Liedtke, der vom Elfmeterpunkt aus mit dem 4:0 „Soltes“ Derbypleite besiegelte. Trotz des klaren Ergebnisses ging es bis zum Abpfiff hoch her.

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Lauensteins Joachim Kruppki und Peter Ulbrich sowie Salzhemmendorfs Torjäger Peter Eschrich kassierten Zeitstrafen. Damit nicht genug. Kurz vor Schluss kam es dann zum Eklat, weil einigen Fans die Sicherungen durchbrannten. In der Montagausgabe der Dewezet vom 4. März 1985 stand damals, dass das hitzige Duell der beiden Ostkreisrivalen „an Dramatik auf dem Rasen und unschönen Szenen am Spielfeldrand kaum zu überbieten war“. Damals berichtete noch Norbert Jäkel als freier Mitarbeiter der Dewezet über die Hameln-Pyrmonter Kreisliga: „Auf dem Platz boten alle Akteure Einsatz bis zum Letzten, ohne die Grenzen des Erlaubten bewusst zu überschreiten.“ Doch am Rande des Derbys ging es auch anders zu, schrieb Jäkel: „Es flogen Flaschen und Fäuste.“ Von den Tumulten am Spielfeldrand hat Lauensteins Matchwinner Paul Bicknell auf dem Platz damals übrigens nichts mitbekommen: „Die Euphorie war unglaublich. Es waren unheimlich viele Zuschauer da, es hat richtig Spaß gemacht.“ Im Gegensatz zu den anderen Spielern war für Bicknell das Derby nur „ein Spiel wie jedes andere“, weil er als Engländer die Rivalität zwischen den beiden Klubs nicht kannte. „Die Jungs von damals reden heute noch davon.“ Fast hätte es damals für die von Werner Brachmann gecoachten Lauensteiner, die durch den 4:0-Sieg Salzhemmendorf vorübergehend als Tabellenführer ablösten, sogar zum Titel gereicht. Aber am Ende wurde die junge Salzhemmendorfer Elf, die mit Peter Eschrich den Top-Torjäger der Liga in ihren Reihen hatte, dann doch Meister – trotz der Elfmeterseuche. In der Abschlusstabelle war ein einziger Punkt das Zünglein an der Waage. Salzhemmendorfs Meistertrainer „Paule“ Klenner konnte sein Glück kaum fassen, denn im Jahr zuvor wäre Blau-Weiß mit fast demselben Kader fast abgestiegen.
Am Mittwoch lesen Sie, wie ein Schiedsrichter einem Dackel einen „Platzverweis“ gab.

Information

Er war als fairer Sportsmann für viele Spielergenerationen ein Vorbild und ist im Ostkreis eine Fußball-Legende: Klaus Schumacher, der 2012 im Alter von 68 Jahren starb, hat während seiner über 30-jährigen Fußball-Karriere beim MTV Lauenstein, BW Salzhemmendorf, WTW Wallensen und MTV Coppenbrügge seine Spuren hinterlassen. Nicht nur als Klasse-Fußballer, sondern auch als Mensch abseits des grünen Rasens. Als 1979 die Kreisliga aus der Taufe gehoben wurde, war „Schuster“, wie er von allen genannt wurde, bereits 36 Jahre alt. Ans Aufhören dachte er damals aber noch nicht. Sein letztes Kreisliga-Tor schoss er erst zehn Jahre später – am 16. April 1989 für Salzhemmendorfs Reserve beim 4:10 in Afferde. Mit 47 Jahren. „Die Fußstapfen, die mein Vater hinterlassen hat, sind sehr groß. Ich wurde als Fußballer immer mit ihm verglichen und werde heute noch oft auf ihn angesprochen“, sagt Dirk Schumacher, der sich noch gut an die Vater-Sohn-Duelle in der Salzhemmendorfer Meistersaison 1984/85 erinnern kann. „Mein Vater hat damals für Lauen-stein gespielt und ich für Salzhemmendorf. Ich glaube, das waren die einzigen Punktspiele, in denen wir gegeneinander gespielt haben.“ Sohn Dirk holte mit Blau-Weiß den Titel. Vater Klaus, der mehrfach den Aufstieg in den Bezirk knapp verpasste, wurde mit dem MTV „nur“ Vizemeister. Selbst Lauensteins Kreispokalsiege sollen für ihn nur ein schwacher Trost gewesen sein. Besonders stolz war Klaus Schumacher, dass sowohl sein Sohn Dirk, der zwei Jahre für Preußen Hameln in der Verbandsliga spielte, als auch sein Enkel Kevin, der zum Kader von Werder Bremens Bundesliga-Reserve gehört, sein Fußballtalent geerbt haben. aro



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