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Olympiasieger Ole Bischof trainiert morgen mit Sportlern von Blau-Weiß Salzhemmendorf, bevor er nach Japan fliegt

Ein Weltklasse-Judoka, der auch Karaoke singen kann

Morgen Vormittag kommt ein waschechter Olympiasieger in die Oldendorfer Saaletal-Sporthalle. Von 9.30 Uhr an wird Ole Bischof, einer der bekanntesten und erfolgreichsten deutschen Judo-Kämpfer, mit den Judokas von Blau-Weiß Salzhemmendorf gemeinsam trainieren. Vorab sprach Dewezet-Mitarbeiter Andreas Rosslan mit dem Sportler über seinen größten Erfolg, Gewichtsprobleme und sein Gesangstalent.

veröffentlicht am 05.03.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 00:41 Uhr

Spektakuläre Flugeinlage: Ole Bischof legt bei den Olympischen S

Herr Bischof, darf man als Olympiasieger die Gegner auf die leichte Schulter nehmen?

Wenn man das macht, dann vermindert man automatisch seine Siegchancen. Das ist wie beim Boxen. Wenn man nicht aufpasst, ist die Gefahr groß, dass man durch einen Lucky Punch des Gegners den Kampf verliert.

Was ist das Geheimnis Ihres Erfolges?

Das ist eine gute Frage. Ich bin sehr trainingsfleißig und ich habe vermutlich auch ein bisschen Talent.

Sie hungern sich zwei Tage vor dem Wettkampf bis zu vier Kilos runter. Wie können Sie dann

eigentlich noch Topleistungen erbringen?

Mich haben schon viele Mädels nach Diättipps gefragt. Das ist aber kein Fett, das man in so kurzer Zeit abnimmt, sondern im Wesentlichen Wasser, das man ausschwitzt. Mir macht das Abnehmen nichts aus. Wenn ich die Waage verlassen habe, trinke ich Wasser, esse einen Power Bar-Energieriegel – und dann geht’s los…

Ist es überhaupt gesund, in so kurzer Zeit so viel Gewicht abzunehmen?

Es gibt eine Toleranzgrenze, an die ich mich halte. Die liegt bei fünf Prozent des Körpergewichtes.

Sie sollen nicht nur ein Weltklasse-Judoka sein, sondern auch ein talentierter Karaoke-Sänger?

Ich übe noch. Ich bin gerne in Japan. Und dort singt man leidenschaftlich gerne Karaoke. Meistens die alten Schlager von früher. Den schwarzen Gürtel in Karaoke singen haben ich aber noch nicht.

Bei welcher Sportart schalten Sie den Fernseher ab?

Ich schalte eigentlich den Fernseher ganz bewusst ein, wenn zum Beispiel Judo oder Boxen übertragen wird. Ich bin allerdings nicht der Typ, der viel Fernsehen guckt.

Vor dem Judo Grand Prix in Düsseldorf haben Sie einen Bild-Reporter „vermöbelt“. Der Fotograf soll sich totgelacht haben. Hatten Sie auch Ihren Spaß, einen Journalisten aufs Kreuz zu legen?

Wir hatten bei dem Termin sehr viel Spaß. Ich habe dem Bild-Reporter gezeigt, wie man einen Armhebel ansetzt, so dass der andere aufgeben muss. Ich glaube, dass er Judo sehr interessant fand. Er hat mir jedenfalls gesagt, dass es sehr schade sei, dass er die Sportart nicht früher für sich entdeckt habe.

Gehören solche PR-Termine dazu, wenn man auf eine Sportart, die eher selten im Rampenlicht steht, aufmerksam machen möchte?

Ja klar.

Sie nutzen Ihren Promi-Status, um Kinder und Jugendliche für Ihre Sportart zu begeistern. Zocken die Kids von heute nicht lieber Playstation?

Wir wollen den Mädchen und Jungen eine Alternative für ihre Freizeitbeschäftigung anbieten. Judo ist mehr als nur Sport. Judo ist eine Schule fürs Leben. Beim Training und Wettkampf lernt man Werte wie Disziplin, Ehrlichkeit, Respekt, Höflichkeit, Hilfsbereitschaft und Selbstbeherrschung. Aber man lernt auch, mutig zu sein.

Judo ist eine Philosophie zur Persönlichkeitsentwicklung.

Ja. Absolut.

Im August 2008 haben Sie Gold geholt, einen Monat später ging Lehman Brothers pleite. Es gab aus finanzieller Sicht sicherlich keinen schlechteren Zeitpunkt, um Olympiasieger zu werden, oder?

Das stimmt zwar. Aber Geld ist nicht alles. Für mich ist mit dem Olympiasieg ein Lebenstraum in Erfüllung gegangen, auf den ich viele Jahre mit Herzblut hingearbeitet habe.

Können Sie vom Judo alleine eigentlich leben?

Als Olympiasieger ja.

Nach Ihrem Olympiasieg in Peking sollen Sie das süße Leben genossen haben.

Wenn man sich so lange auf einen speziellen Tag vorbereitet hat, dann braucht man erst einmal eine Pause, um sich neu orientieren zu können.

Haben Sie in der Zeit schon einmal an Ihr Karriereende gedacht?

Klar habe ich schon einmal an das Karriereende gedacht. Gerade nach dem Gewinn der Goldmedaille in Peking habe ich mich gefragt, wie es weitergehen soll. Das Thema ist für mich aber nicht mehr aktuell. Ich habe für mich die Entscheidung getroffen, dass ich weitermache. Ich bin momentan bis in die Haarspitzen motiviert und habe richtig große Lust auf die im September in Japan stattfindende Weltmeisterschaft. Ich freue mich schon jetzt auf die vielen Zuschauer und Super-Stimmung – das wird richtig geil!

Haben Sie sich schon entschieden, ob Sie bis London 2012 weitermachen?

Nein. Jetzt konzentriere ich mich erst einmal auf die WM. Am Montag fliege ich zusammen mit der deutschen Judo-Nationalmannschaft ins dreiwöchige Trainingslager nach Japan.

Vorher steht noch eine Trainings- und Autogrammstunde für jüngere Judokas in Salzhemmendorf an.

Ich freue mich sehr auf die Veranstaltung in Salzhemmendorf. Wir werden gemeinsam trainieren und einen tollen Tag haben.

Bringen Sie Ihre Goldmedaille mit? Selbstverständlich!

Welche Bedeutung hat die Medaille eigentlich für Sie?

Ich bin sehr stolz, dass ich sie habe. Aber die Medaille an sich hat für mich nicht so einen hohen Stellenwert wie das, was ich in den harten Jahren vor Peking dafür tun musste. Dabei habe ich mir die Medaille verdient, nicht bei den Spielen in Peking. Diese persönlichen Erfahrungen sind für mich viel wertvoller.



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