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Auf dem glatten Parkett machen Arnold Schiffling und seine Frau Claudia seit Jahren eine gute Figur

Ein Polizist, der gerne das Tanzbein schwingt

Von Rolf Henning Schnell

veröffentlicht am 28.06.2010 um 15:51 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 14:21 Uhr

Tanzen. Als sie sich 1977 in einer Braunschweiger Tanzschule kennen- und lieben lernten, da konnten Arnold und Claudia Schiffling noch nicht ahnen, dass sie 33 Jahre später das Aushängeschild der Tanzsportsparte des TC Hameln sein werden. Denn mittlerweile mischt das in Aerzen wohnende Ehepaar seit vier Jahren erfolgreich bei den Senioren in der höchsten Kategorie des Amateurtanzens mit.

Dabei haben es der 51-jährige Polizeihauptkommissar und seine ein Jahr jüngere Frau, die als Steuerfachwartin ebenfalls für den Unterhalt der sechsköpfigen Familie (vier Töchter) beiträgt, es zeitlich nicht einfach, ihrem Hobby auf dem glatten Parkett nachzugehen. Denn durch seinen Job bei der Polizei ist das Training und vor allem die Turnierbesuche stets ein reines Vabanquespiel. „Nur alle vier Wochen habe ich ein völlig dienstfreies Wochenende, wenn uns nichts in die Quere kommt“, so Arnold Schiffling. Und auch dem Schichtdienst fällt oft die eine oder andere Übungsstunde zum Opfer. Trainiert wird nach Möglichkeit zwei bis dreimal wöchentlich. Dann hat TC-Trainer Rolf Andreas Laubert die beiden in der Mache, korrigiert beim Langsamen Walzer, Tango, Wiener Walzer, Quickstepp und Slowfox („Unser Lieblingstanz“) Auftritt, Fußarbeit, Körperlinien und Gesamteindruck. Alles Kriterien, die bei Turnieren die entscheidenden Punkte und Kreuzchen auf den Zetteln der Jury bringen.

Wenn es die Zeit noch erlaubt, geht es ins Fitnessstudio und ab und zu noch zum Privattraining nach Minden, wo der frühere TC-Übungsleiter Raymund Reimann und seine Frau Antje Schulz eine Tanzschule betreiben. Reimann gibt den Schifflings oft den letzten Schliff. „Da sie in der gleichen Klasse wie wir tanzen, aber ein viel höheres Niveau haben, sind wir natürlich chancenlos, wenn wir aufeinandertreffen“, beschreibt Ehefrau Claudia den großen Leistungsunterschied. „Trotzdem sind wir über jeden Tipp von ihnen dankbar.“

Wie sieht es eigentlich mit den lateinamerikanischen Tänzen bei den Schifflings aus? Sie sind zwar für sie bei Turnieren tabu, weil sie nicht trainiert werden. „Doch wenn es um das alljährliche Tanzsportabzeichen geht, dann zeigen wir auch die Samba, Rumba und den Cha-Cha-Cha – und gar nicht einmal so schlecht.“ Und wenn sie sich einmal privat ins Tanzgetümmel stürzen, dann reichen ihnen hier die Grundschritte allemal, um gleichfalls eine gute Figur zu machen. Dass Tanzen ein teures Hobby ist, dass macht sich nicht nur beim Vereinsbeitrag (besonderer Zuschlag) und den aus eigener Tasche finanzierten Sondertrainingseinheiten bemerkbar, sondern auch bei den weiten Fahrten sowie ihrer Garderobe. „Wenn wir zu Turnieren fahren, dann kommen leicht 500 Kilometer zusammen. Und da wir uns bei den Wertungsrichtern auch im besten Licht präsentieren wollen, ist es notwendig, sich gelegentlich auch einem neuen Frack zuzulegen, der nicht unter 700 Euro zu haben ist“, so Schiffling. Ganz zu schweigen von einem neuen Kleid für seine Frau Claudia, für dessen spezielle Fertigung bis zu 2000 Euro auf den Tisch zu legen sind. „Das ist für uns kein Pappenstil.“



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