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Fußballtrainer Thomas Fenske hat die Krankheit Morbus Sudeck und keiner kann ihm helfen

Ein Leben mit Schmerzen

HAMELN. Und plötzlich ist rein gar nichts im Leben mehr so, wie es war. Auf einmal regiert nur noch der Schmerz den Tagesablauf. Der kam im Fall von Thomas Fenske aus heiterem Himmel und ist seitdem sein ständiger Begleiter.

veröffentlicht am 19.12.2017 um 16:14 Uhr
aktualisiert am 19.12.2017 um 16:50 Uhr

Der Schmerz ist sein ständiger Begleiter: Fußball-Trainer Thomas Fenske. Foto: nls
Roland Giehr

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Roland Giehr Leiter Sportredaktion zur Autorenseite
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Aber was war passiert? „Es war der 7. Juli 2004. Als ich einen Grill mit Spiritus anzünden wollte, gab es plötzlich eine Verpuffung und eine Stichflamme. Meine ganze rechte Seite vom Arm aufwärts bis ins Gesicht war verbrannt“, schildert der 50-Jährige den Schicksalsschlag, der alles veränderte. Es folgte ein Martyrium, dass den Fußball-Trainer zeitweise sogar bis in die Depression trieb, doch nun hat er sich nach einer endlosen Odyssee durch die Arztpraxen und Krankenhäuser der Republik wieder einigermaßen psychisch gefangen. „Ich bin wieder auf einem guten Weg“, sagt er. Obwohl ihm aus rein medizinischer Sicht bis heute keiner wirklich helfen konnte, abgesehen von den fälligen Hautoperationen. Doch damit war es nun einmal nicht getan, denn die Schmerzen blieben. Alleine bis die Diagnose feststand, dauerte es eine Ewigkeit. Selbst als vermeintlicher Simulant wurde er zwischenzeitlich abgekanzelt. Eigentlich kaum vorstellbar in der mittlerweile doch recht fortgeschrittenen Medizin.

Aber erst der Hamelner Arzt Dr. Kurbjuhn erkannte das Übel: Morbus Sudeck. Und das ist ausgerechnet eine Krankheit, deren genaue Ursache bis heute nicht wirklich erforscht ist. Wenn sie bei einem verhältnismäßig geringen Risiko von bis zu 5 Prozent überhaupt auftritt, dann meistens nach einer Verletzung oder einer Operation. Auslöser kann aber auch ein Schlaganfall sein. Der Entdecker Paul Sudeck, ein ehemaliger Chirurg aus Hamburg, hatte sie bereits um 1900 als „entgleiste Heilentzündung“ beschrieben.

Und so sind bei Thomas Fenske zwar die Brandwunden längst verheilt, doch sein rechter Arm und vor allem die Hand nur sehr eingeschränkt funktionstüchtig. Was dafür aber immer da ist, das sind die Schmerzen. Quasi eine Dauerentzündung. „Ich kann meine Hand kaum bewegen. Zupacken geht aber überhaupt nicht“, schildert der langjährige Trainer des TSV Klein Berkel sein Leiden ohne Ende. Und als hätte ihn das Schicksal mit Morbus Sudeck nicht schon genug benachteiligt, setzte die Krankenkasse für den mittlerweile Erwerbslosen nun noch einen drauf.

„Meine ganzen Anwendungen zur Linderung werden nicht mehr finanziert. Das ist ein Unding. Ich kann doch nicht hingehen und hoffen, dass man mich überall umsonst behandelt“, versteht er die Welt nicht mehr.

Doch Thomas Fenske ist ein großer Kämpfer, der schon viele Klippen erfolgreich umkurvt hat. Selbst eine Diabetes-Erkrankung, mit der er seit seinem 16. Lebensjahr lebt, warf ihn nicht aus der Bahn. Und so hat er für sich auch außerhalb der Medizin eine Lösung gefunden, um sein größtes Übel möglicherweise irgendwann einmal selbst in den Griff zu bekommen. Aber natürlich auch, um seine Erfahrungen an die Sportvereine weiterzugeben. Seit einiger Zeit beschäftigt er sich intensiv mit Life Kinetik, absolvierte dafür einige Lehrgänge in München und fungiert auch als Mentaltrainer. Zudem erwarb er sich fundierte Kenntnisse im visuellen kognitiven Fußball-Training.

„Das ist meine neue Leidenschaft, aus der ich auch viel Nutzen und Selbstbewusstsein für mich selber ziehen kann“, sagt der Dauerpatient. Fenske erklärt auch, was er damit meint: „Life Kinetik regt neuronale Lernvorgänge an, bindet neue Gehirnzellen ein und verbessert die Konzentrationsfähigkeit.“ Glaubt man den bisherigen Studien, werden durch diese spielerische Trainingsform unter anderem Kinder kreativer, Berufstätige stressfreier und Sportler leistungsfähiger. Aber an Morbus Sudeck Erkrankte auch wieder gesund? „Ich hatte auch schon die Option, mir in einer Operation die Schädeldecke öffnen zu lassen, um dem Gehirn Impulse gegen die Dauerschmerzen zu vermitteln. Die Chancen lagen aber nur bei 50 Prozent. Das war mir zu gefährlich“, gesteht der 50-Jährige. Deshalb versucht er es lieber auf der mentalen Ebene. Immerhin eine Chance.

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