weather-image
26°
×

Unser Handball-Experte Jürgen Kohlenberg ist beim Pokalfinale live dabei – und outet sich als Werder-Fan

Ein Hauch vom Wembley im Berliner Olympiastadion

Von Jürgen Kohlenberg

veröffentlicht am 17.05.2010 um 16:19 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 17:21 Uhr

Es war Jubiläum angesagt, zum 25. Mal fand das DFB-Pokalfinale in diesem Jahr in Berlin statt. Und mit dem FC Bayern München und Werder Bremen standen sich der neue deutsche Meister und Rekord-Pokalsieger sowie der Bundesliga-Dritte und Pokalverteidiger gegenüber. Besser geht’s eigentlich nicht. Dass das Ganze aber mit einem deutlichen 4:0 für die Bayern endete und – je nach Sichtweise – als Gala oder Demontage bewertet wurde – war so nicht zu erwarten.

Für die Dewezet bin ich – und oute mich hier lieber gleich als Werder-Fan – exklusiv eingetaucht in die aufregende Metropole, habe die grandiose Stimmung auf mich wirken lassen. Das geschichtsträchtige Berliner Olympiastadion ist längst zum „deutschen Wembley“ geworden, das Pokalfinale wird regelrecht zelebriert, gleicht einer großen, bunten Unterhaltungsshow vor einer Traumkulisse von 75.420 Zuschauern. Es ist einfach dieser Reiz und dieser einzigartige Rahmen des Finales, der diesen krönenden Abschluss einer jeden Saison zu einem Fußballfest macht. Vor allem – eigentlich schade, dass man es überhaupt erwähnen muss – zu einem friedlichen.

Die große sportliche Rivalität wird ausschließlich positiv ausgetragen, in dem sich die Fan-Gruppen gegenseitig mit der Unterstützung ihrer Elf zu übertreffen versuchen. Lederhosen und Stadtmusikanten pflegen inzwischen sogar ein von gegenseitigem Respekt geprägtes nahezu freundschaftliches Verhältnis zueinander. Vorbei die Zeiten, als sich ein Willi Lemke oder Uli Hoeneß im permanenten Nahkampf befanden. Schon einen Tag vorher ist die Hauptstadt fest in der Hand von Fußball-Fans. Abends und nachts steigen in Diskotheken, Clubs und Kneipen die „Aufwärmpartys“. Und man merkt, ohne Trikot, egal ob in Rot-Weiß oder Grün-Weiß, zählt man nix am Tag X.

Diese besondere Atmosphäre ist Nährboden für unvergessene Erinnerungen und kuriose Geschichten. Es lag aber auch wenig Tragik über der Stadt, was irgendwie zum strömenden Regen passte. Die Berliner lassen die auswärtigen Fans feiern, nehmen Teil an dem Treiben. So richtig mitfreuen können sie sich aber nicht. Im Gegenteil, es wird sogar manche Träne verdrückt, Hertha BSC ist abgestiegen und der große Fußball macht vorerst einen großen Bogen um Berlin. Wir spenden Trost: „Ihr kommt wieder, irgendwann!“ Als Gegenleistung gibt es ein „o.k., dafür drücken wir Euch die Daumen!“ Geholfen hat’s wenig. Das Ende ist bekannt. Ein gewisser Mark van Bommel in einem rot-weißen Jersey reckte die Trophäe in den von einem Feuerwerk erleuchteten Berliner Abendhimmel. Als der letzte Böller abgebrannt, das letzte Konfetti-Stückchen sich zu Boden gesenkt hat, geht’s zurück in die Stadt, die ein Paradies ist für alle, die den Anfang mehr lieben als das Ende. Aus Bremer Sicht ist dem nichts hinzuzufügen, denn das Ende war grausam. Und mit den Berlinern finden wir Bremer Fans Verbündete. Auch wir kommen wieder. Irgendwann.

Grün und Weiß sind ihre Farbe: Dewezet-Mitarbeiter Jürgen Kohlenberg (links) und Werder-Präsident Klaus-Dieter Fischer am Rande des Pokalfinales.

Fotos: jko/4



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2021
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige