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Torwart-Legende Achim Deilke machte einst Handstand auf der Latte

Ein Flieger und Spaßvogel

veröffentlicht am 04.10.2016 um 17:37 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:08 Uhr

Roland Giehr

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Leiter Sportredaktion zur Autorenseite

Und alle Achtung: Mit fast 70 Jahren hat der Aerzener noch immer sein Kampfgewicht von 88 Kilo gehalten. Dabei liegt die Zeit seiner Karriere als Klasse-Keeper ohne Nerven und ohne Angst fast schon 35 Jahre zurück. Deilke galt als Tausendsassa und flog nur so durch den Strafraum. Ein Kraftpaket mit enormer Sprungkraft, guten Reflexen und ganz viel Ehrgeiz – aber auch einem Hang zum Spaßvogel. So machte er einst nach einem Preußen-Sieg in der damaligen Verbandsliga einen Handstand auf der Torlatte. Wer kann das schon?

„Wir haben gewonnen, ich hatte gute Laune und wollte das eben mal ausprobieren“, erinnert er sich noch haargenau an die von allen mit großen Augen bestaunte Zirkusnummer. Doch nicht nur seine ehemalige Waghalsigkeit ist noch immer ein Klassiker an den Stammtischen der reiferen Fußball-Generation, auch sein legendärer Pflasterverschleiß. „Fast sieben Meter im Jahr habe ich verbraucht“, witzelt Achim Deilke. Die Erklärung dafür folgt auf dem Fuß: „Wir haben vorrangig auf Aschenplätzen gespielt und ich immer in kurzen Hosen ohne Knieschoner. Mit konnte ich nicht, da waren die aufgerissenen Knie fast schon vorprogrammiert. Mir machte das aber nichts aus“, steckte der Mann aus Stahl alle Malessen locker weg. Der Spitzname „Mister Pflaster“ ließ so aber nicht lange auf sich warten. Seine konstant guten Leistungen bei 07 hatten sich auch schnell bis zum Bundesligisten Hannover 96 herumgesprochen.

Und kein Geringerer als der vom FC Bayern nach Hannover gewechselte Trainer Zlatko „Tschik“ Cajkovski nahm Deilke 1968 persönlich unter die Lupe. „Dieses Mann wirft Ball weiter mit Hand, als Sepp Maier mit Fuß schießt“, soll er Deilke bei seiner Visite auf die ihm eigene Art und Weise gelobt haben. Das Probetraining bei den „Roten“ folgte zwar, aber „irgendwie hat es nicht so richtig gepasst“, meint der gebürtige Rheinländer aus Hennef, der es dort schon in der Jugend bis zur Landesauswahl brachte. Deilke blieb so noch zwei Jahre bei 07, schlug dann ein Angebot des Itzehoer SV aus – und wechselte stattdessen lieber zur Spvgg. Bad Pyrmont. „Da war das Wetter besser“, schmunzelt er.

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Achim Deilke ist auch heute noch mit 69 Jahren immer gut gelaunt. Foto: nls

Eine kleine Kreis-Tingeltour über die Dörfer folgte. TSG Emmerthal, SV Lachem und Eintracht Afferde, wo er sogar als torgefährlicher Mittelstürmer glänzte, waren seine weiteren Stationen. Mit 34 Jahren feierte er später noch ein überraschendes Oberliga-Comeback im Preußen-Tor.

Dafür hatte er sich extra mit einem doch eher ungewöhnlichen Crash-Kurs fit gemacht. „Ich bin damals sogar mit Baumstämmen auf dem Rücken durch den Klüt gelaufen“, verrät er sein Geheimrezept. Aber auch nach seiner erfolgreichen Laufbahn blieb der gelernte Maschinenschlosser und Schweißer nicht untätig – und entdeckte seine Liebe zum Frauenfußball. So hob er unter anderem als Trainer den SV Hastenbeck Anfang der 80er Jahr mit aus der Taufe. Und jeder weiß: Dort ging es in der Folgezeit stetig aufwärts. Mit Coach Achim Deilke ist aber auch der größte Triumph von Gücü Hameln verbunden. 1992 gewann der inzwischen längst aufgelöste türkische Klub sensationell unter seiner Regie den Kreispokal mit einem 4:1-Sieg gegen den TB Hilligsfeld. „Damit hatte nun wirklich keiner gerechnet. Um so toller war dann auch die Feier“, läuft der Film von damals noch einmal vor seinen Augen ab.

Heute ist Achim Deilke nur noch sporadisch Zaungast auf den Fußball-Plätzen. Untätig bleibt er aber trotzdem nicht, denn er hat noch große Ziele. So will er einen Tag nach seinem 70. Geburtstag am 14. November seine Lebensgefährtin Grazia heiraten.



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