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Tünderns Tischtennis-Star Dimitrij Ovtcharov ist der erste Gewinner bei der Premiere der Europaspiele

Diese Goldmedaille ist sein Olympia-Ticket

Baku. Er ist der erste Goldmedaillen-Gewinner bei der Premiere der Europaspiele und hat das Olympia-Ticket für Rio gelöst: Besser hätte es für Tünderns Tischtennis-Idol Dimitrij Ovtcharov bei den European Games in Baku nicht laufen können.

veröffentlicht am 21.06.2015 um 13:22 Uhr
aktualisiert am 26.10.2016 um 08:51 Uhr

Und das, obwohl er auf dem Hinflug in die aserbaidschanische Hauptstadt noch so heftige Rückenschmerzen hatte, dass er kaum noch liegen konnte. Doch durch die Behandlungen des deutschen Ärzte- und Physiotherapeuthen-Teams bekam „Dima“ seine Rückenprobleme in den Griff. Der amtierender Einzel-Europameister und Sieger beim Europe Top 16 machte in Baku mit seinem Endspiel-Triumph gegen seinen Kumpel und Klubkollegen Vladimir Samsonov aus Weißrussland das Titel-Triple auf kontinentaler Ebene perfekt. Nach einem bis zum Schluss super-spannenden Finale, das Ovtcharov nach 0:2-Satzrückstand mit 4:3 gewann. Mit 11:8 im siebten Satz.

Für Schlaf blieb anschließend wenig Zeit. Erst feierte Ovtcharov nach der Siegerehrung seine Goldmedaille im Deutschen Haus über den Dächern von Baku, dann ließ die Zeit bei den Europaspielen im Athletendorf mit der deutschen Tischtennis-WG ausklingen. Nach dem knapp fünfstündigen Rückflug nach Franfurt am frühen Samstagmorgen ging es mit Ehefrau Jenny direkt weiter in den Kurz-Urlaub. Auf der Baleareninsel Mallorca will sich Ovtcharov nach den kräftezehrenden Europaspielen ein paar Tage erholen, bevor es für ihn in der chinesischen Superliga weitergeht. „Aber nur so lange die Gesundheit mitspielt, weil momentan bin ich echt am Zahnfleisch“, wie Ovtcharov im Interview sagt.

Haben Sie sich Ihre Medaille schon ganz genau angeschaut, steht da auch irgendwo schon „Ticket nach Rio“ für die perfekte Olympia-Qualifikation drauf?

Ich habe mir die Goldmedaille unserer Girls schon ganz genau angeschaut, als sie damit ins deutsche Haus eingelaufen sind. Es ist ärgerlich, dass es für uns nicht gut gelaufen ist im Team. Jetzt bin ich sehr stolz, dass ich es geschafft habe. Es war wirklich ein sehr schweres Spiel gegen meinen guten Freund Vladi, er hätte den Sieg heute genauso verdient gehabt wie ich. Es fühlt sich super an, dieses Event als Erster gewonnen und jetzt alle Titel auf unserem Kontinent errungen zu haben. Vor allem ist es ein unglaubliches Gefühl, jetzt schon sicher in Rio dabei zu sein.

Hat es eine Rolle gespielt, dass Sie Ihren Vereinskollegen Vladimir Samsonov so gut kennen?

Das ist athletischer Schach, den wir da teilweise spielen. Am Anfang überrascht er mich mit Rückhandaufschlägen, dann habe ich mich drauf eingestellt, dann ändert er etwas, dann ändere ich wieder etwas.

Gehört der Titel nach Ihren Rückenproblemen auch ein bisschen den Ärzten?

Selbstverständlich war es ohne die Hilfe der Ärzte, Physios, Coaches nicht möglich. Es waren interessante Tagesabläufe in den letzten Tagen: Spiel zu Ende spielen, ein, zwei Stunden Behandlung, essen und Videoanalyse. Da war gar keine Zeit mit meiner Frau oder den Eltern zu telefonieren. Aber es hat sich gelohnt.

Wie lange dürfen Sie jetzt den Urlaub genießen?

Ich hatte zunächst eigentlich sechs, sieben Tage geplant, jetzt probiere ich ihn auf zehn Tage zu verlängern. Aber auch nur insofern der Rücken hundert Prozent gesund wird. Dann haben wir eine kurze Trainingswoche und dann geht es wieder sechs Wochen China für mich, aber nur so lange die Gesundheit mitspielt, weil momentan bin ich echt am Zahnfleisch.

Wie wichtig ist es mental, das Ticket für Olympia in der Tasche zu haben?

Ich freue mich zunächst mal, dass ich die Europaspiele gewonnen habe und nicht, dass ich das Ticket nach Rio gelöst habe. Das ist ein zusätzlicher Bonus, den du dazu kriegst. Aber als Weltranglisten-Sechster und Europameister mache ich mir genau wie Timo (Boll), der knapp dahinter steht, keine Sorgen, dass ich das Ticket in der Quali gelöst hätte. Aber es ist ein schweres Turnier mit vielen Matches kurz vor Olympia, das kann man nicht unbedingt gebrauchen, sondern ein bisschen Training schadet nicht.

Wie viel ist dieser Titel wert? Die mediale Präsenz ist weitaus höher als bei Tischtennis-Europameisterschaften, die wir fast jährlich haben. Es macht mich stolz, dass ich der erste Spieler bin, der alle kontinentalen Wettbewerbe gewonnen hat. Das ist ein Zeichen der harten Arbeit, die ich seit Jahren mit meinen Trainern gemacht habe.

Was würden Sie ändern an diesen Europaspielen?

Bei 20 Sportarten ist es relativ schwierig, einen Termin zu finden, der allen passt. Und in Zukunft sind es vielleicht noch mehr Sportarten. Das Turnier gibt es das erste Mal. Alles muss erst einmal seinen Gang gehen und in eine gewisse Routine finden. Ich freue mich wirklich, dass wir diesen Weg eingeschlagen haben, diese Spiele auszutragen, weil es sie auf allen anderen Kontinenten schon lange gibt und sie teilweise einen höheren Stellenwert als die Weltmeisterschaften haben.

Interview: Florian Lütticke/dpa



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