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Hamelner Friedrich Meinberg und drei Begleiter schinden sich als Tour de France-Touristen in den Alpen

Die Qual auf der Königsetappe

ALPE D’HUEZ. Den legendären Aufstieg nach Alpe d‘Huez gönnte sich der Hamelner Tour de France-Tourist Friedrich Meinberg gemeinsam mit seinem Sohn Matthias, Alexander Bold und Florian Wessel. Doch mit der Königsetappe war die „Tour der Leiden“ nicht beendet. Der Col de Galibier und der Col de la Croix de Fer folgten.

veröffentlicht am 02.08.2018 um 17:58 Uhr

Ziel erreicht! Friedrich Meinberg (Mi.), Alexander Bold und Florian Wessel auf dem Col de la Croix de Fer. Foto: pr
Klaus Frye

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Klaus Frye Sportreporter zur Autorenseite
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„Quäl dich, du Sau!“ Dieser legendäre Satz von Udo Bölts, mit dem er seinen Kapitän Jan Ullrich 1997 bei der Tour de France auf einer der zahlreichen Bergetappe antrieb, klingelte dem Hamelner Friedrich Meinberg immer wieder in den Ohren, als er zum ersten Mal in seinem langen Sportlerleben die berühmten 21 Kehren der Königsetappe hoch nach Alpe d‘Huez im Sattel seines Rennrades in Angriff nahm.

Ausgerechnet am 14. Juli, dem französischen Nationalfeiertag, wagte der 60-jährige Kontaktbeamte der Hamelner Polizeiinspektion den Sturm auf den 1850 Meter hoch gelegenen Wintersportort – ein Mythos der Tour der France. Gemeinsam mit seinem Sohn Matthias, Alexander Bold und Florian Wessel sowie fast 2000 weiteren Radsport-Enthusiasten aus halb Europa blies der Oldie des Weserbergland-Quartetts auf der Strecke, wo 1952 Fausto Coppi die erste Bergankunft in der Tour de France-Geschichte gewann, zur Attacke. „Von Bourg d‘Oisans ging es in den Berg“, erzählte der ehemalige Handballer und Leichtathlet der TuS Bad Pyrmont. „Und dann herrschte nur noch Party pur. Der Tross der Tour kam zwar erst fünf Tage später, doch die besten Plätze waren schon mit Wohnmobilen und Zelten besetzt. Und spätestens nach der ersten Serpentine mit einem steilen Anstieg weiß man, was einen tatsächlich erwartet.“

Erholung gab es bis zur Zielankunft nicht mehr. Seine drei jungen Begleiter, die ihn zu dieser Schinderei überredet hatten, sind schon bald aus den Blickfeld des Seniors verschwunden. „Ich musste ohne Domestiken auskommen, aber immerhin haben mich wieder die Zuschauer angefeuert“, erinnert sich Meinberg gerne. „Ich hatte schon früh den kleinsten Gang gewählt, und versucht immer gleichmäßig zu treten.“ Als der gebürtige Pyrmonter etwa auf der Hälfte der Strecke den kleinen Ort Huez erreich hatte, wurde die Nummerierung der Serpentinen zwar einstellig, aber es schwanden auch die Kräfte. „Jetzt gewinnt der Wille an Bedeutung und man mobilisiert die letzten Körner“, sagt der Hobbyfahrer, der die spektakuläre Tour-Etappe so schnell nicht vergessen wird. Die Quälerei ging weiter, aber als dann die Hotels des Zielortes und endlich auch die Kurve 1 vor ihm lagen, wurden noch einmal die letzten Kräfte freigesetzt. „Total kaputt über die Ziellinie, in der internen Wertung nur Letzter, aber trotzdem fühlte ich mich als Sieger.“ Ganz anders als einst Dietrich Thurau, der verlor 1977 auf dem Weg nach Alpe d‘Huez elf Minuten auf Bernhard Thevenet und musste damit alle Hoffnungen auf den Toursieg begraben.

Mit Alpe d‘Huez war das Unternehmen Tour de France für die vier Hamelner aber keinesfalls beendet. Nach einem wohlverdienten Ruhetag, an dem gemeinsam mit den Franzosen der WM-Sieg der Equipe Tricolore bejubelt wurde, ging es über den Col de Lautarent hoch auf dem 2646 m hohen Col de Galibier. Nach der dritten Klettertour zum Col de la Croix de Fer (2064 m) gönnten sich die heimlichen Bergkönige von der Weser noch einmal „Tour de France live“. Wo? Natürlich bei der Königsetappe nach Alpe d’Huez ...



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