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LG Weserbergland hat Defizite bei Männern und Frauen / Nachwuchs als Hoffnungsschimmer

Die Leichtathletik geht am Stock

HAMELN-PYRMONT. Die Leichtathletik im Kreis Hameln-Pyrmont geht am Stock. Zumindest bei den Männern und Frauen kränkelt es. Die glorreichen Zeiten, als die Sprinterinnen der LG Weserbergland erste Adresse waren, sind längst vorbei. Deborah Brodersen und Mara Zielonka mit ihren Siebenkampf-Triumphen ebenso Geschichte.

veröffentlicht am 23.08.2017 um 16:19 Uhr

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Autor:

Matthias Henning
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Mit dem Karriereende von Zehnkämpfer Patrick Scherfose tritt auch eines der letzten Aushängeschilder der LGW von der großen Sportbühne ab. „Wir haben im Männer- und Frauen-Bereich nur noch Restbestände. Auch ein NLV-Stützpunkt sind wir seit diesem Jahr nicht mehr. Dafür haben wir nicht genug Platzierungen in der NLV-Jahresrangliste“, sagt LGW-Trainer Werner Scharf. Mit dem baldigen Ableben des „Patienten Leichtathletik“ rechnet dennoch keiner. Nicht bei den fünf Stammvereinen der LGW und auch nicht beim VfL Hameln, der sieben Jahre nach dem Austritt noch immer das kleinere Gegengewicht zu der Leichtathletik-Gemeinschaft ist. Denn in allen sechs Vereinen sollen die Kinder einen Neuanfang bringen. Nur ein langer Atem ist dafür bis zur Gesundung nötig.

„Ich kann mich nicht beklagen. In meinen beiden Kindergruppen habe ich zusammen regelmäßig 30 Kinder, manchmal auch zehn mehr“, sagt Michael Suhr vom TSC Fischbeck. Nicht nur die Verlässlichkeit, dass das Training auch immer angeboten wird, zählt er zu den Gründen des großen Interesses. „Es muss den Kindern auch Spaß machen. Allerdings gibt es neben den Freiräumen und Zeit zum Rumkaspern auch klare Regeln bei uns“, sagt Suhr. Mit seinen Schützlingen führt er in Fischbeck ein Inselleben.

Erst die 15-jährigen müssen dann zum LGW-Training nach Hameln. „Dort haben sie mit Uwe Beerberg einen kompetenten Trainer und auch mehr Möglichkeiten als auf unserem Ascheplatz. Wenn dann einer von uns groß rauskommt, wie zuletzt Jodocus Kalmbach als Landesvizemeister, freut mich das natürlich“, sagt Suhr. Er hatte einst als DM-Teilnehmer im Hürdensprint auch schon die Höhen seiner Sportart erlebt. Wie Suhr in Fischbeck, haben auch Barbara Böhm beim MTV Coppenbrügge und Marion Müller beim ESV Eintracht Hameln ihre Kindergruppen.

Nils Benze beim Training mit seiner Kindergruppe. Foto: mha
  • Nils Benze beim Training mit seiner Kindergruppe. Foto: mha
Anton Ruscheinsky nls
  • Anton Ruscheinsky nls

Bei der TSG Emmerthal hat ebenfalls ein früherer deutscher Spitzensprinter das Sagen und eine Gruppe aufgebaut. Nils Benze hat in nur einem Jahr über 20 Kinder begeistern können. Doch er ist über seinen Inselstatus in Emmerthal nicht glücklich. „Mir fehlt die Kommunikation mit den anderen LG-Vereinen. Und auch mehr gemeinsames Training und Wettkämpfe. Ich bin ein Verfechter der LG, aber derzeit fehlt einer, der den Hut aufhat und sagt, wo wir damit hinwollen“, sagt Benze. Seine neun- und zehnjährigen Jungen sind starke Sprinter. Werner Scharf, einziger A-Trainer der LGW und beim TV Stadtoldendorf zu Hause, kann und will allerdings nicht ganz so wie Benze. „Ich kann doch nicht mit Zehnjährigen zum Training von Stadtoldendorf nach Hameln fahren. Da geht die ganze Zeit im Auto verloren. Und LG-Sitzungen haben wir einmal im Monat“, sagt Scharf. Beim Nachwuchs sieht er einen Hoffnungsschimmer beim Mehrkampf. Nicht nur Kalmbach, auch Gerrit Amelsberg oder Tyl Rozok sollen schon in naher Zukunft die LGW zumindest auf die niedersächsische Karte zurückbringen. „Jedenfalls muss ich Kinder und auch Jugendliche allgemein ausbilden und kann sie schon früh spezialisieren“, meint Scharf. Als Einzelkämpfer außerhalb der LGW sieht sich Anton „Toni“ Ruscheinsky vom VfL Hameln. „Ich wollte damals bei unserem Austritt das Konzept der LG nicht mittragen, Leute von außerhalb zu holen und teuer zu bezahlen“, sagt er. Ruscheinsky setzt lieber auf die Kinder der Stadt. „30 haben wir. Das ist ein guter Stamm. Und es kommen immer wieder Neue. Freunde und Freundinnen von unseren Athleten. Manche bleiben, manche nicht“, sagt der 75-Jährige, der von seiner früheren Athletin Karin Matuschke unterstützt wird. Aktiv an Schulen um den Nachwuchs werben will er aber nicht mehr. „Das haben wir versucht. Ist gescheitert.“

Für Uwe Beerberg wäre das aber eine Möglichkeit. „Wir müssten an die Schulen gehen. Nur haben wir das Problem, dass wir zu wenig Trainer und Funktionäre haben, die während der Schulzeit auch Zeit haben“, beschreibt er sein Dilemma. So sind Athleten wie Benze und Suhr mit ihrem Engagement, ihrer Liebe zur Leichtathletik und ihrer Begeisterungsfähigkeit gefragt. Dann kann die Leichtathletik in Hameln auch wieder gesunden. Hoffnung und auch Hoffnungsschimmer gibt es.

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