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Jörg Latzel ist heute Oberstudienrat und hält noch immer den Bundesliga-Rekord

Der Weltmeister mit dem goldenen Rad

Hameln. Jörg Latzel vom RV Wanderlust war vor 17 Jahren zusammen mit Karsten Hormann Radball-Weltmeister. Für den heute 54-jährigen Hamelner Oberstudienrat der größte Triumph in seiner langen und glanzvollen Karriere. Im Jahr 2002 stellte der Bundesligaspieler das Sportrad in die Ecke. Aber was macht Jörg Latzel heute?

veröffentlicht am 13.10.2015 um 16:20 Uhr
aktualisiert am 26.10.2016 um 08:49 Uhr

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Hameln. Wer hat schon ein goldenes Fahrrad an der Decke hängen? Wohl kaum einer – Jörg Latzel aber schon. Das Prunkstück erinnert ihn immer wieder an seine „goldene Karriere“, die der 54-jährige Radballer vor 17 Jahren in Prerov (Tschechien) an der Seite von Karsten Hormann mit dem WM-Triumph krönte „Das war damals eine Sensation“, blickt der heutige Oberstudienrat an der Hamelner Handelslehranstalt mit Stolz zurück. Englisch und Sport unterrichtet er dort. Und als er dann 2005 seine nicht minder glanzvolle Bundesligakarriere beendete, hatte sein Klub RV Wanderlust mit dem einzigartigen Rad noch ein ganz besonderes Präsent parat.

Jörg Latzel stammt aus einer total radbesessenen Familie. Schon sein Opa Hermann sammelte in seiner Heimat Breslau erste Meriten als Kunstfahrer. Nach dem Krieg kam er dann nach Hameln und gründete hier den RV Wanderlust Solidarität Hameln. Zwei seiner drei Söhne, Manfred (Jörgs Vater) und Horst hatten mit dem Kunstradfahren aber nichts am Hut und entschieden sich für den Radball. Das Duo schaffte auch den Aufstieg in die Bundesliga, stand aber immer im Schatten der Gebrüder Pensel aus Kulmbach, die damals die nationale Szenerie beherrschten. Was Vater und Onkel nie gelang, schaffte dann später Jörg Latzel. Schon als Sechsjähriger saß er auf dem Rad und wollte einmal ganz groß herauskommen. Mit Jürgen Gerstmann wurde er zunächst Landesmeister und startete dann später im Herrenbereich an der Seite von Andreas Knaack bis in die 1. Bundesliga durch. „Fast 21 Jahre habe ich in der Eliteliga gespielt, damit einen Rekord für die Ewigkeit aufgestellt“, ist sich Latzel sicher. Als Knaack dann „spielmüde“ wurde, kam Karsten Hormann aus Halle. Ein Glücksgriff, denn nun begann die erfolgreichste Zeit im Hamelner Radball. Latzel/Hormann feierten Meisterschaften und Pokalsiege, fuhren dreimal zur WM – zweimal nur als Ersatzcrew –, bevor dann 1998 der große WM-Coup gelang. Den erlebte übrigens Latzels Frau Jette live mit. Obwohl sie damals hochschwanger war. „Wegen dieses Umstandes tauchte sie in den tschechischen Medien fast mehr auf als ich“, schmunzelt Latzel. Heute ist das alles nur noch Vergangenheit. Seine Spezialräder stehen zwar immer noch in der Sporthalle Süd, aber zum Einsatz kommen sie längst nicht mehr. Sein Sport ist einfach nicht mehr so gefragt. Eingerostet ist der Weltmeister aber noch längst nicht. Zweimal in der Woche ist Fitnessstudio angesagt. Gelegentlich schaut sich Jörg Latzel neben Handballpartien auch Volleyballspiele an. Seine zweite Passion, denn hier feierte er einst als Trainer mit den Volleyball-Frauen des TC Hameln den Oberligaaufstieg.

Weltmeister 1998: Karsten Hormann und Jörg Latzel. pr


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