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Sportschießen: Lennart Rostmann fährt als Niedersachsenmeister der Junioren zur DM

Der Pistolero aus Pyrmont

BAD PYRMONT. Er schießt wie John Wayne in seinen besten Westernzeiten. Zwar nicht mit dem Colt und auch nicht aus der Hüfte, sondern mit langem Arm aus seiner Sportpistole. „Zittern verboten“, heißt es für Lennart Rostmann, wenn er damit ins Schwarze treffen will.

veröffentlicht am 25.07.2017 um 18:07 Uhr

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Klaus Frye

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Klaus Frye Sportreporter zur Autorenseite
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Und dafür braucht der Pistolero aus Pyrmont nicht nur ein sicheres Auge, sondern vor allem eine ruhige Hand. Genau diese beiden Kriterien passten bei ihm wie die Faust aufs Auge, als er bei den Landesmeisterschaften der niedersächsischen Sportschützen in Hannover die Scheiben ins Visier nahm.

Der 20-jährige Holzhäuser, der im Leistungszentrum Wülferode mit der Luftpistole für den SV Ohr in der Juniorenklasse auf den Schießstand trat, präsentierte sich in Topform. In allen vier Serien lief es wie am Schnürchen: 94 – 94 – 96 – 93 standen nach dem letzten Schuss auf seiner Schießkarte. Die 377 Ringe – das Resultat hätte in der Herrenklasse sogar zum zweiten Platz gereicht – bescherten ihm nicht nur den Landestitel. Mit dem Topergebnis war auch klar, dass er die Qualifikation zur Deutschen Meisterschaft, die Ende August im Olympiazentrum München-Hochbrück stattfindet, geschafft hatte. Mit der freien Pistole, der olympischen Königsdisziplin, legte Rostmann mit 481 Ringen gleich noch Bronze nach. Nur mit der Sportpistole verpasste er auf der 25 Meter langen Distanz als Vierter (525) den Sprung aufs Treppchen knapp.

Da strahlte auch sein Trainer Dieter Rosenbaum, der seinen Schützling bereits seit sechs Jahren unter den Fittichen hat und ihm alle wichtigen Techniken und Feinheiten des Sportschießens beibrachte. „Lennart kann auch mit dem Wettkampfdruck bestens umgehen. Und er beherrscht den Tunnelblick, der im entscheidenden Moment beim Schießen dazugehört.“

Seinen ersten großen Coup auf Niedersachsenebene landete der angehende Student für Immobilienwirtschaft und -management ohne großen Aufwand. Eine Trainingseinheit in der Woche reicht ihm. Und auch intensive Armübungen mit Hanteln, die bei den Sportschützen auf internationaler und nationaler Ebene eigentlich zum Standardprogramm gehören, steht bei dem neuen Landesmeister nicht ganz vorn, sondern eher hintendran auf dem Trainingsplan. „Ich betrachte meine Sportart recht entspannt“, verriet er nach seinem Erfolg in Hannover, wo er sich in den letzten beiden Jahren als Dritter und Zweiter auf Landesebene ebenfalls auf die Medaillenränge schoss.

„Für mich ist das Schießen einfach nur ein Hobby, und das muss vor allem Spaß machen.“ Deshalb träumt der künftige Student auch nicht von Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen.

Selbst wenn Ende August die Deutsche Meisterschaft ruft, Lennart Rostmann bleibt im Vorfeld cool. Mit seiner Freundin macht er sich im Vorfeld der Titelkämpfe erst einmal auf nach Österreich. Da reicht ihm eine Wandertour durch die Berge als Vorbereitung für den sportlichen Höhepunkt des Jahres. Auch wenn in München sportlich mehr verlangt wird, als bei der Landesmeisterschaft. „In Hannover wurden vier Durchgänge geschossen, in München werden es sechs sein“, verriet der Youngster mit den starken Nerven.

Seine Pistolen nimmt er auf die Bergtour nicht mit. Die könnten bei den Grenzern der Alpenrepublik wohl auch für Unruhe sorgen. „Das muss ja nicht sein“, sagte der Holzhäuser und überlässt seine beiden Sportgeräte deshalb seinem Trainer. Rosenbaum wird auf der Tour nach München sowohl auf die Luftpistole als auch auf die Freie Pistole wohl noch mehr achten als auf sein eigenes Portemonnaie. Der Coach, den kaum etwas aus der Ruhe bringt, kümmert sich in der bayerischen Landeshauptstadt akribisch um alles, was rund um die Wettbewerbe läuft. „Da ist nichts mit unnötiger Belastung“, weiß Lennart Rostmann schon von seinen Auftritten im Olympiagelände. Er kann also völlig entspannt auf die Schießstände gehen. Dort träumt der Mann mit dem ruhigen Händchen keinesfalls von einer Medaille, wenn die Titel vergeben werden. Aber eine gute Platzierung im oberen Drittel strebt er schon an. Die ist mit einer Wiederholung der Topleistung von Hannover keinesfalls utopisch.

Eine Medaille brachte auch Aline Hahlbrock vom SV Grohnde von der Landesmeisterschaft mit. Sie startete ebenfalls mit der Luftpistole und überzeugte in der Damenklasse. Mit 372 Ringen landete sie auf dem Silberrang und schaffte ebenfalls die Qualifikation für die nationalen Meisterschaften.

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