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Leichtathlet Ulrich Hundertmark saß einst bei Deutschlands Legende Horst Floth im Bob

Der Anschieber

BAD PYRMONT. Der ehemalige Bad Pyrmonter Leichtathlet Ulrich Hundertmark saß einst bei Deutschlands Legende Horst Floth im Bob.

veröffentlicht am 23.02.2018 um 00:00 Uhr

Der Zweierbob mit dem Duo Horst Floth und seinem Anschieber Ulrich Hundertmark im Winter 1980 auf der Kunsteisbahn am Königssee. Foto: pr
Klaus Frye

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Klaus Frye Sportreporter zur Autorenseite
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Er war mit dem Auto auf dem Weg nach Heidelberg, als Ulrich Hundertmark, der einst beim TuS Bad Pyrmont als Leichtathlet seine ersten sportlichen Meriten sammelte, im Autoradio vom Olympia-Doppelgold im Zweierbob hörte. Das deutsche Duo Friedrich/Margis und die Kanadier Kripps/Kopacz standen bei der Siegerehrung in Pyeongchang gemeinsam ganz oben auf dem Siegertreppchen. Und da wurden bei dem inzwischen 63-jährigen Pyrmonter Erinnerungen wach.

Es ist lange her, da saß der Ex-Zehnkämpfer selbst im Bob – als Anschieber hinter einer deutschen Legende. Gemeinsam mit Horst Floth, der 1968 in Grenoble nach vier Läufen ebenfalls zeitgleich mit seinem italienischen Kontrahenten Eugenio Monti ins Ziel gekommen war. Nur für Floth blieb wegen des damaligen Regelwerks damals nur Silber.

Elf Jahre später hatte Floth, inzwischen 45 Jahre alt, noch einmal Spaß am Bobfahren gefunden. Nur da fehlte dem Mann vom SC Riessersee ein Anschieber, sein Ex-Kollege Pepi Bader hatte längst aufgehört. So führte sein Weg erst einmal zu den Zehnkämpfern des Post-SV München. Ulrich Hundertmark war gerade Bayerischer Meister geworden, und der „Holzhäuser Junge“, der vor seinem beruflichen Wechsel in die bayerische Landeshauptstadt zahlreiche Leichtathletik-Titel auf Kreis-, Bezirks- und Landesebene im TuS-Trikot gewonnen hatte, konnte sich mit dem Thema Bobfahren schnell anfreunden.

Der Bobsport begeistert Hundertmark heute noch. Foto: kf
  • Der Bobsport begeistert Hundertmark heute noch. Foto: kf
Ulrich Hundertmark 1980 auf der Bahn am Königssee. Foto: pr
  • Ulrich Hundertmark 1980 auf der Bahn am Königssee. Foto: pr

„Floth packt’s noch mal“, berichtete die Bild-Zeitung in München über das Comeback. Bereits wenige Wochen später ging das Duo Floth/Hundertmark bei der Deutschen Meisterschaft an den Start. Und diese tolle Zeit im Bob hinter dem Ex-Weltmeister und zweifachen Olympia-Silbermedaillengewinner möchte Hundertmark nicht missen. „Horst Floth war ein verrückter Hund“, erinnert sich der heute noch topfitte Ex-Zehnkämpfer, der auch zweimal beim internationalen Mehrkampf-Meeting in Götzis startete, gern zurück. Und mit dem neuen Anschub-Spezialisten lief es richtig rund. „Aber das war schon eine Quälerei“, weiß Hundertmark noch genau. „Die Bobs waren technisch längst nicht so gut ausgerüstet wie heute.“ Im inneren Metallgerippe des Schlittens, an das sich heute nur noch die alten Haudegen der Bob-Szene erinnern können, waren Blutergüsse und blaue Flecken an Armen und Beinen in den frühen 80er Jahren die Regel. „Da hat so mancher Leichtathlet, der sich im Bobfahren versuchen wollte, ganz schnell wieder aufgegeben. Heute ist das Innenleben der Schlitten deutlich besser geworden“, sagt Hundertmark, der vor fast vier Jahrzehnten alle Bahnen Europas kennengelernt hat. Er kennt sie heute noch aus dem Effeff: „Wir starteten nicht nur in Königssee, Igls und Winterberg.“ Am liebsten fuhr der bereits 2005 verstorbene Horst Floth auf den Naturbahnen in Cervinia und Sankt Moritz. Die waren für Hundertmark aber eher eine Qual: „Da hat es immer mächtig geruckelt.“ Dennoch blickt er gerade auf Sankt Moritz gern zurück: „Da sind wir Dritter geworden und haben 1500 Franken Preisgeld gewonnen.“ Für damalige Verhältnisse viel Geld im Bobgeschäft. Wenn Hundertmark heute auf die Startzeiten der Topfahrer in Pyeongchang schaut, wird er nicht neidisch: „Die schieben mit Zeiten von 4,95 bis 5,10 Sekunden an. Da muss ich mich mit unseren Zeiten von 5,35 oder 5,40 mit einem weitaus schwereren Schlitten nicht verstecken.“

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