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Handball bis 47 – heute spielt der Ex-Hamelner André Tempelmeier nur noch Altherren-Fußball

Das Phänomen

HAMELN/LEMGO. Was macht eigentlich André Tempelmeier? Der ehemalige Bundesliga-Spieler der SG VfL/BHW Hameln beendete 2015 beim Oberligisten HSG Augustdorf/Hövelhof mit 47 Jahren seine Handball-Karriere. Heute spielt der „Chef“, wie er überall genannt wird, nur noch just for fun Altherren-Fußball.

veröffentlicht am 25.05.2016 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 25.10.2016 um 10:31 Uhr

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LEMGO. Der Mann ist ein Phänomen: Während andere Handballer ihre Laufbahn mit Mitte 30 beenden, hat André Tempelmeier noch mit 47 Lenzen für Augustdorf/Hövelhof in der Oberliga gespielt. Tempelmeier, der erst im vergangenen Jahr endgültig aufgehört hat, war aber kein Torwart, bei denen es schon mal vorkommt, so lange zwischen den Pfosten zu stehen, sondern als Linkshänder auf Rechtsaußen und im rechten Rückraum aktiv.

„Es hat mir einfach noch zu viel Spaß gemacht, um einen Schlussstrich zu ziehen“, begründet André Tempelmeier, der das Licht der Welt am 25. Mai 1967 in Minden erblickte und in Hille aufwuchs. Mit sechs Jahren griff er beim dort beheimateten TV Sachsenroß erstmals zum Handball. „Mein Vater hat ebenfalls gespielt – und in Hille gab es damals eigentlich nur Handball“, berichtet Tempelmeier von einer handballverrückten Gegend – was allerdings aufgrund der geografischen Lage direkt zwischen Minden und Nettelstedt logisch erscheint.

Beim TV Sachsenroß durchlief er alle Jugend-Teams und rückte anschließend in die erste Herren-Mannschaft auf. „In der Jugend haben wir eigentlich nie in der höchsten Liga gespielt und einmal pro Woche trainiert. Bei den Herren waren es damals in der Verbandsliga zwei Einheiten. Da aber einige starke Spieler aus Minden und Nettelstedt zurückgekommen sind, konnten wir bis in die Regionalliga aufsteigen“, erinnert sich der zu dieser Zeit vorrangig auf Halbrechts Eingesetzte.

André Tempelmeier (Nr. 3) mit den ehemaligen Bundesliga-Handballern des VfL Hameln. Foto: Archiv

1989 kam dann das Angebot vom VfL Hameln, der in Liga zwei ganz oben mitmischte. Der Chef, wie er überall genannt wird, sagte nach einiger Bedenkzeit zu. „In der ersten Saison habe ich mit Rainer Niemeyer eine Fahrgemeinschaft gebildet, 1990 bin ich umgezogen“, sagt Tempelmeier, der an der Weser schnell heimisch wurde. Die Stadt gefiel ihm, beim BHW machte er eine zweite Ausbildung zum Bankkaufmann und auch die sportliche Situation passte. 1989/1990 verpasste der VfL in der Relegation gegen Stuttgart-Scharnhausen zwar noch den Bundesliga-Aufstieg, eine Spielzeit später klappte es dann aber. Ihren Teil trugen dazu auch einige Ex-Internationale aus der DDR bei. „Der erste, der zu uns kam, war Wieland Schmidt. Ihm gefolgt sind dann Frank Wahl, Stephan Hauck und Matthias Hahn. Die Truppe war sehr stark und die Rattenfängerhalle oft richtig voll“, blickt der bald 49-Jährige gerne auf seine Zeit in Niedersachsen zurück, in der er viel spielte und meistens auf der rechten Außenposition zum Einsatz kam. 1994 wurde Hameln Deutscher Vize-Meister, in der Saison darauf erreichte das Team sogar das Halbfinale im EHF-Cup.

„Für mich war es dann aber an der Zeit, mit Ende 20 noch mal eine neue Herausforderung anzunehmen – und deshalb habe ich mich für das Angebot aus Lemgo entschieden“, erklärt Tempelmeier seinen damaligen Wechsel zum TBV, wo er sich sehr schnell akklimatisierte und auch seine größten sportlichen Erfolge feierte. 1997 und 2003 wurde der TBV Deutscher Meister, 1997 und 2002 DHB-Pokalsieger, 1996 und 2006 sogar Europapokal-Gewinner. Besonders im Gedächtnis geblieben sind Tempelmeier neben den Titeln auch die vielen Reisen: „Wir waren in Europa oft und viel unterwegs – und das hat, auch wenn wir nicht so viel von den Städten gesehen haben, genauso viel Spaß gemacht wie die Meisterschafts-Feiern mit tollen Mitspielern.“ 2006 beendete der „Mister Europapokal“ des TBV nach 415 Partien und 770 Toren seine Laufbahn in der Bundesliga mit knapp 40 und schloss sich der Lemgoer Zweitvertretung in der dritten Liga an. „Ich hatte einfach noch Lust“, so Tempelmeier, der dem Team bis 2010 treu blieb, sich dann bei einem Fahrradunfall eine Schultereckgelenksprengung zuzog und ein Jahr pausierte. „Das hat aber ganz gut gepasst, weil ich ohnehin gebaut habe. Und ein Jahr später kam dann die Anfrage aus Augustdorf“, spricht Tempelmeier von seiner letzten Station. Seit Mitte 2015 ist handballerisch aber nun endgültig Schluss. „Dafür“, sagt der Verheiratete, „spiele ich im Lemgoer Stadtteil Lüerdissen mit einigen anderen Ex-Handballern in der Altherren-Mannschaft Fußball.“



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