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Handball: Vertrag nicht verlängert – Hessisch Oldendorfs Meistertrainer Mike Bezdicek zieht Notbremse

Darum hört „Bezze“ auf

HESSISCH OLDENDORF. Damit hat nun wirklich niemand gerechnet: Hessisch Oldendorfs Meistertrainer Mike Bezdicek macht Schluss! Sein Nachfolger steht bereits fest.

veröffentlicht am 30.05.2018 um 21:30 Uhr

Der Nachfolger von Hessisch Oldendorfs Meistertrainer Mike Bezdicek steht schon fest. Foto: nls
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Andreas Rosslan Sportreporter zur Autorenseite
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Erst war es nur ein Gerücht, dass in der heimischen Handball-Szene kursierte. Doch dass „Bezze“ Hessisch Oldendorfs Handballfrauen nach nur einer Saison schon wieder verlässt, konnte man eigentlich nicht glauben. Erst vor Saisonbeginn wurde der ehemalige Handball-Nationalspieler und Bundesliga-Profi, der zuvor mit dem MTV Rohrsen und SG Handball Bad Salzuflen zwei Frauen-Drittligisten coachte, als Nachfolger von Thomas Völkel vorgestellt. Ein echter Transfercoup, den Völkel vor fast genau einem Jahr zusammen mit Teammanager Jürgen Huch eingefädelt hatte.

Die Verpflichtung von Mike Bezdicek als Trainer entpuppte sich als Glücksgriff: Mit 40:4 Punkten wurde HO Handball prompt Landesliga-Meister – mit einer wirklich beeindruckenden Bilanz: 20 Siege, zwei Niederlagen. Der von Bezdicek angepeilte Oberliga-Aufstieg wurde gleich im ersten Jahr geschafft – schneller als von der Vereinsführung erwartet. Mit dem Titelgewinn hatte außer „Bezze“ wohl niemand gerechnet. Eigentlich war der Oberliga-Aufstieg mittelfristig das Ziel. Umso überraschender ist, dass der ehrgeizige Coach den Verein jetzt schon wieder verlässt.

Als Trainer bin ich auch für die Gesundheit der Spielerinnen verantwortlich.

Mike Bezdicek, Ex-Trainer HO Handball

Erstes Indiz war, dass sich Bezdiceks Vertragsverlängerung, die nach dem Oberliga-Aufstieg eigentlich nur Formsache zu sein schien, hinzog wie Kaugummi. Vor einigen Tagen kamen dann die ersten Trennungsgerüchte auf. Jetzt herrscht Gewissheit: HO-Teammanager Jürgen Huch, der zurzeit im Urlaub auf Fuerteventura ist, bestätigte gegenüber der Dewezet das Bezdicek-Aus. Die Trennung sei in beiderseitigem Einvernehmen erfolgt – „ohne böses Blut“. Wer neuer Trainer wird, steht laut Huch schon fest. Den Namen wollte der Teammanager aber noch nicht preisgeben. Nach Informationen der Dewezet wird es mit Ulf Severin eine vereinsinterne Lösung geben.

Aber warum macht Bezdicek eigentlich Schluss? Angeblich soll der 49-Jährige, der mit seiner Frau Katja in Hameln eine Gesundheitswerkstatt für Physio- und Sporttherapie betreibt, dem Verein mitgeteilt haben, dass er seinen Trainerjob aus beruflichen Gründen nicht mehr ausführen kann, weil der Zeitaufwand zu groß ist. Doch das dementierte Bezdicek gegenüber der Dewezet prompt. Der Knackpunkt sei die Kaderplanung gewesen: „Wenn wir in der Oberliga den Klassenerhalt schaffen wollen, müssen wir uns mindestens mit zwei Rückraumspielerinnen und einer Torhüterin verstärken. Sonst steigen wir gleich wieder ab“, so Bezdicek. Der aktuelle Kader sei für die Oberliga viel zu klein: „Weil Anna Völkel und Christin Heinemann zum Saisonstart mehrere Wochen auszufallen drohen und Maren Wiebusch aufhört, bleiben nur neun oder zehn Spielerinnen übrig, von denen über die Hälfte noch keine Oberligaerfahrung hat“, schlägt „Bezze“ Alarm. „Für die Oberliga brauchst du mindestens einen 12er-Kader plus zwei Juniorenspielerinnen, um mögliche Ausfälle kompensieren zu können. Sonst läufst du als Aufsteiger bei dem schweren Auftaktprogramm Gefahr, mit 0:14 Punkten in die Saison zu starten.“ Man dürfe sich durch den Gewinn der Meisterschaft in der Landesliga nicht blenden lassen: „Die Mannschaft hat sich im Laufe der Saison enorm weiterentwickelt, keine Frage. Das war eine nahezu perfekte Saison, weil wir vom Verletzungspech verschont geblieben sind. Aber in der Oberliga weht ein ganz anderer Wind. Wenn sich Lisa Huch, Kathrin Hill oder Viola Pallas verletzten und länger ausfallen sollten, haben wir ein Problem.“

Die drei ehemaligen Drittliga-Spielerinnen sind das Gerüst der Mannschaft – und dazu noch sehr torgefährlich. Huch war in der Meister-Saison mit 193 Toren die Top-Torschützin der Landesliga. Und auch Pallas (121) und Hill (117) warfen im Schnitt über fünf Tore pro Spiel. Weil für das Trio im aktuellen Kader durch den Ausfall von Heinemann, die nach der geplanten Fuß-OP laut Bezdicek zehn bis zwölf Wochen pausieren muss, ein Back-up im Rückraum fehlt, müssten Huch, Pallas und Hill in der neuen Oberliga-Saison quasi immer 60 Minuten durchspielen. Durch die hohe Belastung steige auch das Verletzungsrisiko, warnt Bezdicek. „So was mache ich nicht mit. Schließlich bin ich als Trainer auch für die Gesundheit der Spielerinnen verantwortlich.“

Mit so einem Mini-Kader in die Saison zu starten, wäre laut Bezdicek ein Ritt auf der Rasierklinge gewesen. Deshalb forderte der ehrgeizige Coach Verstärkungen, aber Neuzugänge – im Gespräch waren unter anderem Celina Männich und Annika Schaper vom MTV Rohrsen, Dovile Mizutyte vom MTV Auhagen sowie Bad Salzuflens ehemaliga Drittliga-Torhüterin Stephanie Sauer – wird es nicht geben. Daraufhin zog Bezdicek die Notbremse – und hört als Trainer schweren Herzens auf: „Es ist schade, ich hätte gerne weitergemacht, weil ich davon überzeugt bin, dass in der Mannschaft jede Menge Potenzial steckt, wenn sie gezielt verstärkt worden wäre.“



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