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„Mir geht es sehr gut“: Hamelns ehemaliger Handball-Profi Peter Gerfen ist heute ein glücklicher Familienvater

Aus dem Burn-out zurück ins Leben

HILDESHEIM. Peter Gerfen ist angekommen. Nicht nur in Hildesheim, wo er sich eine Wohnung mit seinen zwei Söhnen und seiner Freundin teilt, sondern auch im Leben. Das war in seiner bewegten Karriere als Handball-Profi nicht immer so.

veröffentlicht am 15.06.2016 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 25.10.2016 um 10:29 Uhr

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Autor:

Rouven Theiß

Für Peter Gerfen begann alles als kleiner Steppke im ostwestfälischen Unterlübbe. Die Familie wohnte nur einen Steinwurf von der Sporthalle entfernt, der Vater und der ältere Bruder spielten ebenfalls Handball. „Ich hätte auch Fußballer werden können, bei uns gab es aber auf Vereinsebene eigentlich nur Handball. Dafür war ich als Kind regelmäßig nach der Schule bolzen“, berichtet Gerfen, der seine ersten handballerischen Schritte bei RW Unterlübbe machte. Eines Nachmittags saßen dann die Herren Molthahn, Spannuth und Gieseking von GWD Minden auf dem heimischen Sofa – und überzeugten den damals Zwölfjährigen von einem Wechsel in die Stadt an der Weser. „Eigentlich war und ist das dort in der Region für die talentierten Handballer der klassische Weg“, erläutert der im Jugendbereich noch vorrangig im linken und mittleren Rückraum eingesetzte Peter Gerfen. Bis 1992 hielt Gerfen Minden die Treue, wurde Juniorennationalspieler, spielte mit 17 schon bei GWD II in der Verbandsliga und kam auch zu ersten Einsätzen im Zweitliga-Team. Die schnelle Entwicklung des nun hauptsächlich auf Linksaußen aktiven Gerfen blieb auch anderen Vereinen nicht verborgen. „Ich wollte unbedingt den nächsten Schritt machen und in die Bundesliga“, betont der ehemals pfeilschnelle Spezialist für Tempogegenstöße und berichtet über eine kuriose Begebenheit: „Mit Flensburg war 1992 dann alles schon klar und ausgehandelt, ich hatte bereits eine Wohnung und ein Auto. Damals ist Bad Schwartau aber aus der ersten Liga abgestiegen und die Mannschaft auseinandergebrochen. Flensburg wollte deshalb unbedingt Holger Schneider – und Schwartau hat dem nur im Tausch gegen mich zugestimmt.“ Die Erfolge stellten sich trotz Abstiegs schnell ein: Gerfen, der Torschützenkönig in Liga zwei wurde und sein Team schafften den sofortigen Wiederaufstieg.

1993/1994 kam es sogar noch besser: Der trickreiche und spektakulär spielende Gerfen holte sich mit 224 Treffern die Torschützenkrone der Bundesliga – und absolvierte am 13. Mai 1994 gegen Japan sein erstes von drei Länderspielen. „Dass ich nur dreimal für Deutschland spielen durfte, hat mich schwer getroffen. Es war immer mein Traum, erfolgreicher Nationalspieler zu sein, aber man hat dort einfach nicht auf mich gesetzt. Und sicherlich war das auch ein Knackpunkt für das, was später noch passiert ist“, sagt Gerfen, der damit auf die Zeit nach 1994 anspielt. Wegen einer schweren Erkrankung seines Vaters wollte Peter Gerfen wieder näher in Richtung Heimat und unterschrieb beim VfL Hameln einen Vertrag ab 1995, weshalb das letzte halbe Jahr in Bad Schwartau zum regelrechten Spießrutenlaufen wurde.

In Hameln fiel er dann nahezu das komplette erste Jahr mit Pfeifferschem Drüsenfieber und Lungenentzündung aus – und im zweiten Jahr kam es noch schlimmer. „Ich hatte existenzielle Ängste, habe viele Jahre Schweiß und Blut vergossen und stand nun vor den Scherben meiner Existenz. Die Folgen waren Burn-out und Panikattacken – und mit Atemnot, verschwommener Sicht und Angst habe ich gespielt. Leistungsmäßig konnte ich da vielleicht noch 50 Prozent abrufen“, berichtet Gerfen von der schlimmsten Zeit seines Lebens. Doch der Kämpfertyp resignierte nicht, sondern zog sich selbst aus dem Sumpf heraus. Nach weiteren fünf Jahren in Liga zwei in Bielefeld, Eschwege und Hildesheim und einer wahren Arzt-Odyssee ließ Peter Gerfen sich stationär behandeln und war zwischen 2002 und 2014 als Spieler und Trainer bei verschiedenen Oberliga- und Verbandsliga-Clubs tätig. Seit 2004 betreibt der studierte Sportökonom und lizenzierte Fitnesstrainer nun die Gerfen Sports Group und bietet Trainingscamps, Kids-Olympiaden und Sportreisen an – mit durchschlagendem Erfolg. „Mir geht es heute wirklich sehr gut, ich bin privat und beruflich glücklich und mache das, was mir Spaß macht“, unterstreicht Gerfen, dem vor allem die Arbeit mit Kindern am Herzen liegt. Zudem hat er vor einem Jahr das Projekt „Meine Stadt wird fit“ an verschiedenen Orten in Deutschland ins Leben gerufen. „Das Outdoor-Trainingskonzept stammt von mir. Der Kurs ist als Präventionskurs zertifiziert und wird über die Krankenkassen bezuschusst“, hält der Unternehmer voller Stolz fest.



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