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40 Jahre Kreisliga: Schiedsrichter Roman Klodnyckyj erinnert sich / Willi Lysek und „Latten-Heinz“

Auch ein Dackel fliegt vom Platz

Mensch, wie die Zeit vergeht. Die Fußball-Kreisliga feiert 2019 ihren 40. Geburtstag. Die Sportredaktion der Dewezet hat deshalb ganz tief in ihr Archiv gegriffen und die Höhepunkte der Erfolgsstory Kreisliga noch einmal herausgefiltert. Heute lesen Sie Teil 10: Auch ein Dackel fliegt vom Platz.

veröffentlicht am 20.03.2019 um 13:17 Uhr

Geh woanders Gassi: Schiedsrichter Roman Klodnyckyj schickt Dackel-Dame Mimi vom Platz. Foto: haje
Roland Giehr

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Roland Giehr Leiter Sportredaktion zur Autorenseite
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Wo gehobelt wird, fallen auch Späne, behauptet der schlaue Volksmund. Stimmt. Auch in der Fußball-Kreisliga wurde und wird immer noch viel „gehobelt“, und wer die Dinge übertreibt, der fliegt eben. Auf Wiedersehen. 40 Jahre Liga-Historie bedeuten eine astronomische Menge an Fouls, gelben- und eben auch roten Karten. Der absolute Hit: In der Saison 1982/83 griffen die Schiedsrichter gleich 37 Mal in die berühmte Gesäßtasche. Aber auch danach gab es für die schwarze Armada mit Pfiff immer reichlich zu tun. Ein „Platzverweis“ sticht jedoch aus der breiten Masse noch heraus. Und zwar einer aus dem Kuriositäten-Kabinett, denn da wurde tatsächlich einmal nicht „gehobelt“. Was war passiert? Am 15. Mai 2011 lief in der Begegnung Germania Hagen – VfB Eimbeckhausen (1:0) plötzlich ein „Spieler“ zu viel auf dem Platz herum. Und dann auch noch einer im extravaganten „Fell-Trikot“ mit vier Beinen und einer großen Schnauze. Kollektives Staunen beim Kicker-Ensemble, den Zuschauern und Schiedsrichter Roman Klodnyckyj, denn der „Einwechselspieler“ entpuppte sich als Dackel-Dame. Ob die tierische „Flitzerin“ neue Gassi-Pfade ausprobieren, nur ihr Herrchen Hubertus Melcher suchte oder gelangweilt dem etwas zähen Spiel mehr Pep verleihen wollte, konnte aufgrund von leichten Kommunikationsproblemen nicht geklärt werden. Ihr Name schon: Mimi.

„Ich habe die Partie unterbrochen und den ungebetenen Gast natürlich regelkonform gleich des Feldes verwiesen“, schmunzelt Klodnyckyj noch heute über die harmloseste Strafe, die er in seiner 40-jährigen Karriere als Unparteiischer je aussprechen musste. Denn es gab natürlich auch andere. Und manchmal brannte dann eben auch die Heide. Ein Dackel meckert nicht, die Spieler aber fast immer. „Das war kein Foul, erst recht kein Elfmeter und schon gar keine Rote Karte – eben die ganze Litanei an Unschuldsbeteuerungen stürmt dann immer auf einen ein“, gibt Roman Klodnyckyj Einblicke in den Alltag eines Schiedsrichters.

Pfeifen in der Provinz-Liga ist eben kein Zuckerschlecken. Denn manchmal schaukelt sich in der engen Atmosphäre die Stimmung auch schnell ins Negative hoch. Ein Erlebnis dieser Kategorie hat Klodnyckyj aber auch noch präsent. Als junger Referee leitete er die Partie Friesen Bakede gegen Groß Berkel in der Saison 1982/83. „Ich gab Bakedes Torjäger Manfred Malitzki auf Hinweis meines Linienrichters nach einer Tätlichkeit kurz vor Schluss die Rote Karte. Der Fall schien damit erledigt“, dachte er. Doch nach dem Abpfiff wurden er und sein Assistent auf dem schmalen Weg in die Kabine nicht nur übel beschimpft, sondern auch noch kräftig herumgestoßen. „Mein Linienrichter hat auf alle Fälle was abbekommen“, erinnert sich Klodnyckyj. Seine persönliche Bilanz im Kreisoberhaus fällt nach unzähligen Einsätzen aber dennoch positiv aus. „Es hat mir immer Spaß gemacht, denn es waren auch viele tolle Spiele dabei“, sagt er.

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Dauerbrenner: Dieter Schröder

Noch mehr zur Sache ging es dann Ostern 1999. Im Mittelpunkt Schiedsrichter Werner Döhlinger, ebenfalls ein Urgestein der Kreisliga. Werner „Beinhart“ hatte im Duell von Bad Münder gegen die TSG Emmerthal mit Kautscher (Gelb-Rot) sowie Dedeic und Pepic (beide Rot) gleich drei Akteure des Gastgebers vom Platz gestellt, als die Gemüter überkochten und es Prügel für ihn gab. Döhlinger brach das Spiel dann beim Stand von 2:0 für die TSG in der 70. Minute ab. Den Rest erledigte wie immer das Sportgericht.

Da hatte Willi Lysek in seiner langen Dienstzeit schon mehr zu lachen. Am meisten wohl am 9. Spieltag der Saison 1982/83 in der Partie SC Börry gegen Lauenstein. Unglaublich, was dort passierte. Als er in der 44. Minute einen Foulelfmeter für den MTV pfiff, mutierte Börrys Torhüter Heinz Berger plötzlich zum Zirkusartisten. Aus Protest über den seiner Meinung nach ungerechtfertigten Strafstoß schwang er sich wie Tarzan auf die Latte und blieb dort sitzen. Was tun? Lysek zeigte ihm zunächst die Gelbe Karte und drohte mit Platzverweis. Ob er dabei ein wenig grinsen musste, ist nicht überliefert. Berger wurde aber einsichtig und kehrte in sein Tor zurück. Gebracht hat ihm die Slapsticknummer nichts, denn Klaus Schumacher verwandelte den Elfmeter sicher zum 1:0 und damit auch schon zum Endstand. Ein Schiedsrichter der ersten Stunde und immer noch am Ball, ist auch Dieter Schröder. „Wie viele Spiele ich geleitet habe, weiß ich aber nicht genau. Weit über 1000 waren es aber auf alle Fälle,“ sagt er. Eines seiner interessantesten dürfte das legendäre Schneespiel im Februar 1986 zwischen Hagen und Lauenstein (3:2) gewesen sein. Auch für Paul Bicknell vom MTV, denn der Name Schröder hat sich fest in seiner Erinnerung verankert. „Der hat mir zwei Minuten vor Schluss meine erste Rote Karte gezeigt, weil ich die Linienrichterin beleidigt haben soll“, sagt er. Tja, dumm gelaufen: Die hieß damals übrigens Susanne Dombeck und ist nun längst Schröders Ehefrau.
Am Samstag lesen Sie, welcher Kreisligatrainer 1954 der Kapitän der Meistermannschaft von Hannover 96 war.

Information

Erst Kreisliga – dann FIFA-Schiedsrichter

Hans-Jürgen Baldes machte von allen Schiedsrichtern, die jemals in der Kreisliga Hameln-Pyrmont gepfiffen haben, zweifellos die größte Karriere. Allerdings in der fernen Südsee. Dort in Papua-Neuguinea avancierte der damals bereits 41-jährige Hilligsfelder 1999 tatsächlich noch zum FIFA- Schiedsrichter. Baldes war ein Jahr zuvor als Entwicklungshelfer auf die Inselgruppe im Pazifik gereist und hatte seine Pfeife zuvor eigentlich schon an den Nagel gehängt. Doch dann nahm das Märchen unter Palmen plötzlich seinen Lauf. Weil dort gut ausgebildete Schiedsrichter rar waren, kam Baldes über einige Umwege schnell wieder zurück auf die Fußball-Bühne. Schon bald leitete er in Papua-Neuguinea sogar Punktspiele der 1. Liga und wurde für seine guten Leistungen vom Verbandspräsidenten befördert. Seine Feuerprobe als FIFA-Schiedsrichter bestand Hans-Jürgen Baldes dann im U 18-Länderspiel zwischen Australien und Neuseeland. Außerdem leitete er unter anderem auch noch die Begegnung der U 18 Tonga gegen Taiwan. ro



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