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1982 fuhr Christian Mende sein erstes Motorradrennen – mit 56 Jahren meldet er sich zurück

„Alter schützt vor Vollgas nicht“

Osterwald. Was macht eigentlich Christian Mende? Der Osterwalder fuhr 1982 sein erstes Motorradrennen und war mehrfach deutscher Meister. In den vergangenen Jahren wurde es still um ihn. Aus gesundheitlichen Gründen musste Mende eine Pause einlegen. Jetzt meldet er sich mit 56 Jahren zurück.

veröffentlicht am 19.10.2015 um 14:45 Uhr
aktualisiert am 26.10.2016 um 08:49 Uhr

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Osterwald. Schon in seiner Kindheit hat Christian Mende gern geschraubt und getüftelt. Erst an Fahrrädern und später an Motorrädern. Als er dann stolzer Besitzer eines eigenen Motorrads war, wurde die Leidenschaft für die Technik immer größer. Ebenso der „heiße Draht“ zur Geschwindigkeit. Vollgas geben – das war von nun an sein Ding. Und wo ließ sich das am besten verwirklichen? Na klar, beim Motorradrennen.

Bei seinem ersten Rennen 1982 auf einer Königswellen-Ducati 900 SS belegte der damals 21-Jährige und spätere Deutsche Meister auf dem Nürburgring Platz 21. Nur ein Jahr später holte er sich mit derselben Maschine den Titel des Deutschen Juniormeisters. 1988 wurde Mende auf einer Honda CBR 600 Deutscher Seriensportmeister. 1990 auf einer Yamaha FZR 600, die der leidenschaftliche Biker für das Rennen eigenhändig präpariert hatte. Weitere Sieger als Deutscher Meister, als Vize-Supersportmeister oder als Vize-Seriensportmeister folgten. Letztmalig für Schlagzeilen sorgte Christian Mende vor neun Jahren, als er auf einer Honda CBR 900 SC 44 bei den „Sportbike Open“ zum Sieger gekürt worden war. 2012 belegte er den 2. Platz bei den „Classic Superbikes“ in Oschersleben. Auch 2013 nahm er an diesem Rennen teil, musste aber wegen eines Getriebeschadens an seiner Maschine ausscheiden. Dann wurde es still um den leidenschaftlichen Motorradsportler. Hat der mittlerweile 56-Jährige sein rasantes Hobby inzwischen aufgegeben? „Nein, aber leider musste ich aus gesundheitlichen Gründen meinen Gang etwas zurückschalten“, bedauert der gebürtige Osterwalder, der in dem Salzhemmendorfer Bergort die Firma „Powered by Mende“ betreibt. Sein Spezialgebiet ist das Tuning für den Motorrad-Rennsport. Viele der Maschinen, die er in seiner Werkstatt einer „Fitness-Kur“ unterzieht, werden erfolgreich eingesetzt bei internationalen Rennen. Als bei ihm vor zwei Jahren eine schwere Gefäßerkrankung diagnostiziert worden war, konnte er auch seinen Beruf als Maschinenbautechniker nicht mehr in vollem Umfang ausüben. Nach mehreren Operationen hat sich sein Alltag mittlerweile einigermaßen normalisiert. Auch aufs Motorrad setzt er sich wieder: „Ich muss einfach Geschwindigkeit spüren, Gummi riechen und Kurven spüren, sonst lebe ich nicht wirklich.“ Da das auf einer Rennstrecke am besten geht, hat er kürzlich mit seiner „alten Lady“ am Rennen der „Classic Super Bikes“ in Oschersleben teilgenommen. „Ich wollte mal wissen, inwieweit meine alte Dame und ich noch konkurrenzfähig sind.“ Seiner „alten Dame“, einer Suzuki GSX 1100 AMA Legend, Baujahr 1985, hatte er vorher mit ausgetüftelter Technik eine „Frischzellenkur“ verpasst und ihr zu 190 PS verholfen. Vor diesem Tuning hatte die ursprünglich 98 PS starke Maschine 170 PS, was ihr und ihrem Fahrer vor einigen Jahren beim Rennen in Oschersleben einen zweiten Platz verschafft hatte. Das erneute Tuning hat alle Erwartungen übertroffen, denn Mende und die alte Lady haben nun in Oschersleben zweimal den ersten Platz belegt. „Alter schützt eben nicht vor Vollgas“, scherzt der Biker. Sich selbst meint er damit aber auch, denn mit 56 Jahren gehörte er zu den ältesten Rennteilnehmern.

Der doppelte Sieg habe ihm Auftrieb gegeben. Sein Ziel sei nun, „auf den Titel loszufahren“ und Meister zu werden. So schnell wie möglich will er nun ordentlich trainieren, um wieder fitter zu werden, denn durch seine Gefäßerkrankung ist er derzeit in seiner Mobilität eingeschränkt. Auch seiner alten Lady will er „Dampf machen“, und zwar mit einem erneuten Tuning auf über 200 PS. „Ich sehe eine Chance, dass wir es gemeinsam schaffen werden“, betont Mende. Sobald wie möglich, denn: „Wenn nicht jetzt, wann dann?“



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