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Schockierende Diagnose vor zwei Jahren / Stammzellen der Mutter helfen

Adrian Suslik – wie ein Torjäger dem Krebs die Stirn bietet

Er schoss Tore am Fließband für die SG Hameln 74 und hatte eigentlich noch soviel vor im Fußball – doch dann der Schock: Krebs. Heimtückisch und erbarmungslos wurde Adrian Suslik über Nacht aus seinem normalen Leben gerissen. Fortan war nichts mehr, wie es einmal war. Es begann ein Martyrium, dass den 27-jährigen Hamelner bis an seine seelischen und körperlichen Grenzen stoßen ließ. „Für mich brach eine Welt zusammen, als ich im Oktober 2007 die niederschmetternde Diagnose Lymphknotenkrebs erhielt. Ich konnte das alles gar nicht glauben“, erinnert sich Suslik. Aber auch daran, dass sein Knoten in der Leiste von den Ärzten irrtümlich zunächst für einen Leistenbruch gehalten wurde. Sogar eine Harnleiterentzündung wurde zwischenzeitlich noch in Betracht gezogen. Hohes Fieber, große Atemnot und schließlich eine Herzmuskelentzündung ließen dann aber doch die Alarmglocken im Krankenhaus schrillen.

veröffentlicht am 07.12.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 17:58 Uhr

Ein paar Torschüsse sind für Adrian Suslik schon wieder drin.  n
Roland Giehr

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Roland Giehr Leiter Sportredaktion zur Autorenseite

„Ich hatte so große Schmerzen, dass mir nur Morphium helfen konnte. Alles lief deshalb fast wie im Nebel ab“, beschreibt Suslik die Anfänge seiner langen Leidenszeit. Doch trotz Chemotherapie und Bestrahlung – der Krebs ließ sich so schnell nicht besiegen. „Dass mir die Haare und Augenbrauen ausfielen und ich mich nicht mehr selber im Spiegel erkannt habe, war nicht das Schlimmste. Nach einem halben Jahr begann plötzlich alles wieder von vorne“, musste der Torjäger den zweiten Keulenschlag verkraften.

Wieder Chemo, wieder Bestrahlung, wieder aufgedunsen durch das Kortison – und wieder blieb der Krebs hartnäckig. Selbst eine Verpflanzung seiner zuvor herausgefilterten eigenen Stammzellen brachte nicht die erhoffte Hilfe. Adrian Susliks Immunsystem war quasi auf Null, er wurde immer schwächer und verzweifelter.

Doch das Schicksal meinte es noch einmal gut mit ihm und schickte in höchster Not einen Rettungsengel aus der eigenen Familie. „In Dresden wurden mir vor einem Jahr die Stammzellen meiner Mutter Karina eingepflanzt. Seitdem geht es mir immer besser“, strahlt der gebürtige Kattowitzer große Zuversicht aus, den Kampf gegen die heimtückische Krankheit endlich gewonnen zu haben.

Kraftvoll und dynamisch: Adrian Suslik (links), damals noch im Trikot der SG Hameln 74. Foto: mst

„Ich habe wohl in der Verlängerung kurz vor Schluss den entscheidenden Elfmeter verwandelt“, bedient er sich dabei der blumigen Fußballersprache. Aber auch so dürfte jeder wissen, was Adrian Suslik damit meint. Vorbei sind für ihn die quälenden und erniedrigenden Momente, wo er vor Schwäche ohne fremde Hilfe noch nicht einmal den Weg vom Bett zur Toilette schaffte. Auch die anfangs mühsamen kleinen Spaziergänge mit seinem Eltern, wo spätestens nach 50 Metern nichts mehr ging, sind Geschichte. „Für einen Kämpfer wie mich, der 20 Jahre körperlich topfit über alle Fußballplätze gerannt ist, waren dies einschneidende Erlebnisse“, bekennt er freimütig.

Aber nicht nur die eigene Familie unterstützte ihn in der schweren Zeit, sondern auch sein Fußballkumpel Dirk Gelhaar. „Er hat mich fast jeden Tag besucht und mich immer wieder aufgebaut“, fand Suslik in ihm einen wahren Freund.

Nachgedacht über den Sinn des Lebens hat er so fast zwangsläufig. „Ich sehe heute vieles anders und nehme alles wesentlich intensiver wahr“, gibt der 27-Jährige Einblicke in sein momentanes Seelenleben. Aber auch wenn sich Suslik nun wieder gut fühlt, der alte Haudegen ist er noch lange nicht – und wird es vielleicht auch nie wieder sein. Seine Kraft fährt immer noch auf Sparflamme und so kann „Adi“, wie er liebevoll genannt wird, auch seinen Beruf als Garten- und Landschaftsbauer nicht mehr ausüben. Eine Erwerbsminderungsrente hilft ihm dabei über mögliche finanzielle Engpässe hinweg.

Auf ein bisschen Fußball will der einst im Kreis gefürchtete Stürmer aber nicht verzichten. Deshalb hat sich Suslik mittlerweile dem TuS Hessisch Oldendorf angeschlossen und hofft beim augenblicklichen Spitzenreiter der 1. Kreisklasse irgendwann einmal wieder ein paar Minuten spielen zu können. „Diesen Traum möchte ich mir auf alle Fälle erfüllen. Am liebsten mit einem Tor.“

Bei seinem Stammverein SG Hameln 74 sah er dagegen keine Möglichkeit mehr, noch einmal zum Einsatz zu kommen. „Die erste Mannschaft ist einfach zu stark. Das reicht nicht mehr für mich.“



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