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40 Jahre Kreisliga: Edlers spätes Tor macht TuS noch zum Champion / Die heißesten Titelrennen

07 wie Schalke: Vier Minuten Meister

Mensch, wie die Zeit vergeht. Die Fußball-Kreisliga feiert in diesem Sommer schon ihren 40. Geburtstag. Die Sportredaktion der Dewezet hat deshalb ganz tief in ihr Archiv gegriffen und die Höhepunkte der Erfolgsstory Kreisliga noch einmal herausgefiltert.
Heute lesen Sie Teil 8: Der Vier-Minuten-Meister.

veröffentlicht am 13.03.2019 um 00:00 Uhr

Danke Marcus: So jubelte der TuS Hessisch Oldendorf 2001 nach dem Last-Minute-Aufstieg durch das Tor von Edler, der hier von Piyanci (8) umarmt wird. Foto: rhs
Roland Giehr

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Roland Giehr Leiter Sportredaktion zur Autorenseite
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Nicht nur in der Bundesliga gab es 2001 mit Schalke 04 einen „Meister der Herzen“ auch in der Kreisliga Hameln-Pyrmont. Und der hieß SpVgg. Preußen Hameln 07. Während die Knappen am 19. Mai genau vier Minuten und 38 Sekunden Deutscher Meister waren, ging auch den Preußen 28 Tage später im Fernduell gegen den TuS Hessisch Oldendorf in der langen Nachspielzeit der Titel noch flöten. Und Duplizität der Ereignisse: Ebenfalls nach vier Minuten und rund 30 Sekunden. Hieß der Traumzerstörer im Fall Schalke Patrik Andersson , der dem FC Bayern München noch ein 1:1 beim HSV bescherte, avancierte hier ein paar Etagen tiefer im Kreis Marcus Edler im TuS-Trikot zum Hamelner Spielverderber. Der Abwehrhüne schoss sein Team erst in der 95. Minute zum 2:1-Sieg beim HSC BW Tündern II und so im letzten Moment auf den Thron zurück. „Der Ball ist mir im Strafraum einfach vor die Füße gefallen und dann hopp oder top. Hat zum Glück gepasst. Und das Bier danach hat auch geschmeckt“, erinnert sich Edler an den wichtigsten Treffer seiner Karriere, der gleichzeitig auch den Abstieg der Schwalben-Reserve in die 1. Kreisklasse besiegelte. 77 Punkte hatte der neue Titelträger um Trainer Günther Buchholz damit auf dem Konto. Preußen 07, das vor dem Knock Out längst die Pflichtaufgabe beim TSC Fischbeck mit einem 4:2-Erfolg gelöst hatte und live per Handy dem spannenden Geschehen auf der Kampfbahn lauschte, dagegen „nur“ 76.

Für den damaligen Kapitän Thomas Stöck eine ganz besondere Achterbahnfahrt der Gefühle. „Erst habe ich mich als Fan des FC Bayern noch wahnsinnig über den Last-Minute-Titel gefreut, dann habe ich am eigenen Leib erfahren, wie es den Schalkern ergangen sein muss. Ich war total geschockt und dann war nur noch eine große Leere in mir“, hat er das bittere Herzschlag-Finale noch immer vor Augen. Gefeiert wurde bei den Preußen aber trotzdem, wenn auch verhalten. „Ein paar Frustbierchen haben wir uns schon gegönnt“, gibt Stöck zu.

Einige Tränen der Enttäuschung sollen aber auch geflossen sein. Und mit etwas Verspätung kam dann doch noch die kleine Genugtuung. Im Pokalfinale wurde der TuS von den Preußen mit 6:1 vom Platz gefegt. „Ich wäre aber lieber Meister geworden“, sagt Stöck. Tja, wer nicht?

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2001 tief enttäuscht: Hamelns Angreifer Dursun Yilmaz. ko

So richtig hart getroffen hat es auch den VfB Eimbeckhausen. Der war 1981 sogar sieben Tage lang Titelträger auf dem Rasen, wurde dann aber am grünen Tisch noch vom HSC Hameln ausgebremst. Was war passiert? Die Hamelner hatten gegen die Wertung der 0:3-Niederlage bei der SpVgg. Bad Pyrmont II aus der Hinrunde Protest eingelegt, das Sportgericht des Kreises hat aber erst nach der offiziellen Saison eine Entscheidung getroffen. Grund des Einspruchs: Die damalige Verbandsliga-Reserve hatte mit Recep „Toni“ Türksen einen nicht spielberechtigten Akteur eingesetzt. Aus der Niederlage wurde so ein Sieg und der HSC hatte plötzlich zwei Zähler mehr auf dem Konto. Das reichte, um mit nun 48:16 Punkten vor dem VfB (46:18) der späteste Kreisliga-Meister aller Zeiten zu werden.

Noch mehr Dramatik hatte der letzte Spieltag in der Saison 1982/83 zu bieten. Im wohl heißesten Titelrennen der Provinz-Historie durften noch vier Mannschaften vom Aufstieg träumen. Das damalige Szenario wäre zweifellos ein Freudenfest für die heute allgegenwärtige Blitztabelle geworden, denn der Champion wechselte minütlich. Am Ende der Nerven aufreibenden letzten 90 Saisonminuten war der SC Börry mit Trainer Werner Brachmann nach einem 2:1-Sieg in Halvestorf mit 42:18 Punkten und einem Torverhältnis von 89:43 Meister vor dem punktgleichen TB Hilligsfeld (69:38 Tore), der seine Chancen mit einem 3:3 beim VfB Hemeringen verspielte. Platz drei blieb Friesen Bakede (41:19 Punkte) nach einem 4:1-Sieg gegen Fischbeck. Der ebenfalls punktgleiche MTV Lauenstein (6:0 gegen den ESV) wurde Vierter.

Zwei Jahre später, 1984/85, stand dann nur der Ostkreis im Blickpunkt. Hier ließen es die ewigen Rivalen BW Salzhemmendorf und erneut Lauenstein im nächsten Meister-Krimi so richtig krachen. Das knallharte Kopf-an-Kopf-Rennen hielt damals bis zum Saison-Abpfiff die ganze Region in Atem. Am Ende triumphierte die Mannschaft von Trainer Hans-Jürgen Klenner mit einem Punkt (44:16) vor dem MTV (43:17). Obwohl sich Blau Weiß noch den wohl einmaligen Luxus leistete und gleich 14 Elfmeter verballerte. Der MTV verstand damals die Welt nicht mehr, schließlich war dies nun schon der dritte ungeliebte Vizetitel in vier Jahren. Hätte es damals bereits den Begriff „Vizekusen“ gegeben, er hätte wohl auch genau zu Lauenstein gepasst. Zuvor musste sich der Klub auch schon 1982 mit 44:16 Punkten dem VfB Eimbeckhausen (46:14) ebenso knapp beugen, wie 1984 dem TuS Hessisch Oldendorf II (44:16). Wieder waren es hier 43:17 Zähler, die nicht reichten.

Ein echtes Finale lieferten sich dann noch Eintracht Afferde und der TSV Bisperode in der Saison 2015/16. Trainer Dietmar Harland konnte dabei mit seiner Elf am letzten Spieltag den Heimvorteil als Noch-Tabellenführer (60 Punkte) aber nicht nutzen und unterlag dem von Markus Schwarz betreuten TSV (59) mit 0:2. Daniel Krikunenko und Robert Voss schossen Blau-Gelb damals in den siebten Himmel und erhöhten die Ausbeute im Endspurt noch auf 62 Punkte. Damit war auch das Double perfekt, denn zuvor hatteBisperode Afferde auch schon im Pokalfinale 3:0 bezwungen.
Am Samstag lesen Sie, wo die Fäuste flogen.



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