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In Hameln-Pyrmont fehlt der männliche Nachwuchs / TC-Trainer Miroslaw Warchol im Interview

Wird Volleyball zum Mädchensport?

Herr Warchol, die deutschen Volleyballer haben bei der Weltmeisterschaft nach 44 Jahren endlich mal wieder eine (Bronze-) Medaille gewonnen. Glauben Sie, dass durch den Erfolg wieder mehr Jungs Volleyball spielen wollen?

veröffentlicht am 01.10.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 25.10.2016 um 10:26 Uhr

Das wäre schön, aber ich glaube das nicht. Viele haben von der Volleyball-WM der Männer kaum etwas mitbekommen. Ich verstehe nicht, warum die Spiele live nicht im Fernsehen übertragen wurden, sondern nur im Internet, obwohl die deutsche Nationalmannschaft gute Medaillenchancen hatte. Die Berichterstattung war keine Werbung für unsere Sportart. Auch in der Zeitung waren oft nur trockene Berichte zu lesen.

In Hameln-Pyrmont hat sich Volleyball fast zu einer Mädchensportart entwickelt. Der TC ist der einzige Hamelner Verein, der bei den männlichen Jugendmeisterschaften noch vertreten ist. Befürchten Sie, dass der männliche Volleyballsport in unserer Region langsam ausstirbt, weil viele Vereine die Jugendarbeit vernachlässigen?

So schwarz sehe ich das nicht, aber die Fakten sind so, wie Sie das geschildert haben. Vor ungefähr zehn, 15 Jahren waren aus unserem Landkreis noch mehrere Vereine mit männlichen Jugendteams bei den Kreismeisterschaften dabei. Jetzt sind es mit dem TSV Giesen und uns nur noch zwei, obwohl Hameln-Pyrmont, Hildesheim und Holzminden inzwischen die Kreismeisterschaften als Süd-Bezirksmeisterschaft gemeinsam ausrichten.

Was sind die Gründe für diese negative Entwicklung?

Ein Grund ist, dass Volleyball gerade für Anfänger eine sehr schwierige Sportart ist, die man mühsam erlernen muss. Viele Jungs, die mit Volleyball anfangen, entscheiden sich später für eine andere Sportart. Im Gegensatz zu Mädchen fehlt den Jungs oft die Geduld. Deshalb spielen sie lieber Fußball oder Handball. Es gibt aber auch immer mehr Kinder und Jugendliche, die mit Sport gar nichts am Hut haben und nach der Schule lieber Computer- und Handyspiele spielen oder Fernsehen gucken. Es gibt aber auch welche, die in ihrer Freizeit so viel um die Ohren haben, dass ich mich frage, wann sie überhaupt Zeit haben zu schlafen.

Auch bei den Mädchen gibt es im Vergleich zu früher immer weniger Mannschaften, die an Jugendmeisterschaften teilnehmen.

Das ist leider so, obwohl es in unserer Region neben dem Trainerteam des TC mit Martina Nöltker in Bad Pyrmont, Gudrun Gebbert in Afferde, Matthias Schwigon in Hastenbeck und noch einigen anderen Personen noch einige andere – im positiven Sinne – „Volleyballverrückte“ gibt, die sich enorm für die Jugendarbeit engagieren. An deren Engagement liegt es nicht, aber insgesamt gibt es zu wenig Volleyballtrainer, um neue Jugendmannschaften aufbauen zu können. Wir beim TC sind aber insgesamt gut aufgestellt. Wir haben vor fünf Jahren versucht, eine neue Struktur aufzubauen und die Arbeit auf mehrere Schultern zu verteilen. Das ist uns auch ganz gut gelungen. Wir haben mit Katrin Gans und Rainer Schams zwei Jugendtrainer, die sich sehr engagiert, und viele Personen, die auch ehrenamtlich mithelfen.

Bald geht für die TC-Herren die neue Landesliga-Saison schon wieder los. Was ist von Ihrem Team zu erwarten?

Das wird auf jeden Fall keine einfache Saison für uns, denn in der Liga gibt es keinen Außenseiter. Hinzu kommt, dass wir mit Yann Wildt, Simon Schams, Luca Elmers, Arne Bodenstaab und Fabian Wolf fünf Abgänge verkraften müssen. Fabian war unser bester Spieler und ist schwer zu ersetzen. Ich habe ihn 13 Jahre lang trainiert. Fabian war als Kapitän meine rechte Hand. Ich hätte ihn gerne behalten, aber aufgrund seines Studiums ist das leider nicht möglich. Trotz unserer drei Neuzugänge, Jarek Przybylski, Benny Wittmann und Vladimir Polozun, ist unser Kader von 13 auf zehn Spieler geschrumpft. Przybylski hat in Polen schon in der zweiten Liga gespielt und ist eine echte Verstärkung für uns. Außerdem wird er unsere Bezirksliga-Damen trainieren.

Anderes Thema: Die Hamelner Beachvolleyballprofis Philipp Arne Bergmann und Malte Stiel spielen auf nationaler und internationaler Ebene für den TC – und das sehr erfolgreich.

Das ist auf jeden Fall eine tolle Werbung für unsere Sportart und unseren Verein. Wir sind stolz, dass die beiden die Farben des TC auf nationaler und internationaler Bühne hochhalten und sich auch hier vor Ort engagieren: wie zum Beispiel bei der Schul-AG mit dem Vikilu oder dem Beachvolleyball-Camp für Kinder.

Interview: Andreas Rosslan



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