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Kleine Bevölkerungsexplosion: Von 13 Spielerinnen werden acht Mutter / „Die restlichen fünf sind auch noch dran“

SC Bad Münder zwischen Volleyball und Babyboom

Samstagmorgen, 11 Uhr. Das Wohnzimmer im schmucken Haus von Markus und Marion Söfje im Münderaner Ortsteil Eimbeckhausen scheint sich in einen Kindergarten verwandelt zu haben. Schon auf der Straße ist das fröhliche Gekrähe der Babys und Kleinkinder zu hören, die zwischen Sofaecke und Frühstückstisch hin und her toben. Beim gemeinsamen Frühstück der Volleyballmütter des SC Bad Münder geht es hauptsächlich um zwei Themen: Volleyball und Kinderbetreuung. In den letzten drei Jahren ist es bei der Damenmannschaft zu einer richtigen kleinen Bevölkerungsexplosion gekommen. „Von den 13 Spielerinnen unseres Teams sind acht Mutter geworden, die restlichen fünf sind aber auch noch dran“, lacht Karola Hildebrandt, die an diesem Samstag als einziges ihrer drei Kinder die dreijährige Anike mitgebracht hat.

veröffentlicht am 15.11.2010 um 15:55 Uhr
aktualisiert am 26.10.2016 um 08:52 Uhr

Die „Volleyball-Mütter“, von links: Katrin Masur mit Flora (1 Jahr, 3 Monate), Marion Söfje mit Tom (2 Jahre, 3 Mona

Autor:

Ernst August Wolf

„Ich habe noch bis zur 17. Woche gespielt“, berichtet Hildebrandt. „Unsere Hardlinerin aber ist Nicole, die schon acht Wochen nach der Geburt wieder gespielt hat.“ Bis auf Marion Söfje, die noch den drei Monate alten Klein Ben stillt, sind alle Frauen wieder im Team aktiv.

„Gerade in der Zeit der Schwangerschaft wächst der Bewegungsdrang, man feuert die anderen bei den Punktspielen an und es juckt ziemlich, wieder mitzumachen. Außerdem ist Volleyball für uns der Ausgleich schlechthin“, erklärt Stefanie Brüggemann. Auch die durchs Kinderkriegen beeinträchtigte körperliche Form wollen die Frauen möglichst schnell wieder herstellen.

„Kondition ist uns ganz wichtig, aber auch der Teamgeist, die gegenseitige Beratung und Hilfe während der Schwangerschaft“, stellt Nicole Hartstang fest und stellt eine Kaffeetasse mit Mannschaftsbild auf den Frühstückstisch. „Ein Team nicht nur beim Volleyball“ ist darauf zu lesen.

Mit ihrer Sportart habe der Babyboom wohl nichts zu tun, mutmaßen die Volleyball-Mütter. „Eher schon mit unserem Durchschnittsalter.“ Das liegt bei etwa 35. Und da sei man eben im besten Alter, um Kinder zu bekommen. „Zweimal drei, dreimal zwei und zwei Erstgebärdende“, rechnet jemand vor. Immerhin, soviel stünde fest, sei das mit dem Kinderkriegen ansteckend. „Wenn man sich trifft, und die anderen sehen dann die Kleinen so rumkrabbeln, dann kriegen die auch noch mal im Unterbewusstsein Lust auf ein Baby“, weiß eine der Mütter. „Stimmt“, ergänzt eine andere, „eine fängt an und dann geht’s rum. Alle drei Monate war irgendjemand schwanger.“ „Für uns war dabei aber sehr wichtig, dass das Team nie gefährdet war“, stellt Karola Hildebrandt klar. Was freilich ohne die tatkräftige Unterstützung der Ehemänner kaum möglich gewesen wäre. „Wir haben alle sehr familienfreundliche Männer“, lobt Stefanie Brüggemann, „sonst könnten wir nicht zweimal pro Woche trainieren und alle 14 Tage die Punktspiele absolvieren.“ „Aber selbstverständlich“, antwortet Markus Söfjer auf die Frage, ob die Herren denn auch Windeln wechseln könnten, und räumt den Frühstückstisch auf. Auch die Männer der Volleyball-Frauen sind sportbegeistert: Laufen, Tischtennis, Basketball und Fußball. Auf sie können ihre Frauen rechnen, beim Spiel und bei der Kinderbetreuung. Und so sind, egal, ob für die 42-jährige Karola oder die zehn Jahre jüngere Steffi, Volleyball und Kleinkinder ihre derzeit wohl wichtigsten Lebensinhalte. Vielleicht sollte in Deutschland einfach mehr Volleyball gespielt werden, dann bliebe der Begriff „demografischer Wandel“ bestimmt ein Fremdwort.



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