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1983 Deutsche Meisterin mit dem VfL Hameln – heute sitzt Eva-Maria Federhenn beim FSV im Aufsichtsrat

Mainz 05 ist ihre Leidenschaft

MAINZ. Die „Meenzer Fassenacht“ mit Helau und Humba, Humba, Täterä zieht selbstverständlich auch am Weserbergland nicht spurlos vorbei. Aber dass bei der außerordentlichen Hauptversammlung des 1. FSV Mainz 05 mit Eva-Maria Federhenn unlängst eine ehemalige Meisterhandballerin des VfL Hameln für das Amt des Vereins- und Vorstandsvorsitzenden kandidierte, und damit als erste Frau in der Geschichte der Fußball-Bundesliga einer stets von Männern beherrschten Domäne Konkurrenz machte, dürften in der Rattenfängerstadt wohl nur Insider mitbekommen haben.

veröffentlicht am 13.03.2018 um 16:46 Uhr

Eva-Maria Federhenn sitzt heute im Aufsichtsrat von Mainz 05. pr
Klaus Frye

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Klaus Frye Sportreporter zur Autorenseite
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„Eine Frau, und dann auch noch eine Handballerin an der Spitze“, das sahen die Vereinsmitglieder dann doch nicht so gerne und wählten Stefan Hofmann zum neuen Vereinschef.

Federhenn, in der Hamelner Handball-Szene unter ihrem Mädchennamen Detmer immer noch bestens bekannt, zählte im Mai 1983 zum erfolgreichen VfL-Team der weiblichen A-Jugend. Die Mannschaft um Trainerin Karla Opitz schrieb Sportgeschichte, als sie sich im Finale gegen Vorwärts Wettringen sensationell die deutsche Meisterschaft sicherte. Ein unvergessenes Erlebnis! „Ich war die Jüngste im Team. Karla Opitz hatte mich schon früh in ihre Mannschaft geholt“, weiß die inzwischen 50-jährige Juristin noch genau. Als sie mit ihrer Familie, in der ihr das Handballspielen quasi mit in die Wiege gelegt wurde, aus Vechta nach Hameln umzog, war der Weg zum VfL vorprogrammiert. Da werden schnell Erinnerungen wach: „Wolfgang Achilles war mein erster Trainer.“ Und „Archi“ kennt durchaus noch die Vorzüge, die sein Neuzugang in die alte Halle Nord mitbrachte: „Sie war schnell auf den Beinen, quirlig am Kreis und torgefährlich.“ Die Kontakte zum Meisterteam, zu dem auch Petra Nowak, Sabine Thimm, Nicole Kanz und Torhüterin Claudia Pandel zählten, sind bis heute nie abgerissen. Das nächste Treffen ist bereits geplant. Schon im Juni gibt es mal wieder etwas zu feiern, denn dann jährt sich der Triumph der VfL-Girls zum 35. Mal.

Seit 2017 gehört Eva-Maria Federhenn zum Aufsichtsrat des 1. FSV Mainz 05, zu dem sie während ihrer Studienzeit den Weg fand. „Im Uniteam habe ich mit einigen Mainzer Mädchen zusammengespielt. Und die haben mich dann von Eintracht Wiesbaden nach Mainz gelockt“, nannte sie als Grund. „Und dort ist der FSV dann auch absolut zu meinem Verein geworden.“ Der Traditionsklub der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt hatte damals wie heute neben Fußball nur Handball und Tischtennis anzubieten. Und mit den Handballerinnen setzte die Ex-Hamelnerin schnell zu einem sportlichen Höhenflug an. Erst als Spielerin, danach als erfolgreiche Trainerin. Als sie die Mannschaft in die heutige 3. Liga führte, erlebte Mainz zum ersten Mal so etwas wie einen Handball-Boom: „Da war die Halle ausverkauft.“ Der Erfolg riss nicht ab, und so führte der Weg in der Saison 2012/13 in die 2. Bundesliga. Da hielt Eva-Maria Federhenn bereits als „Handball-Chefin“ die Fäden fest in der Hand. Den Posten gab sie nach ihrer Wahl in den Aufsichtsrat des Hauptvereins zwar ab, doch in der Familie – ihr Ehemann Peter kümmert sich um die Finanzen der Abteilung – lautet das Motto natürlich weiterhin „Ohne Handball läuft nichts“.

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Und wohl deshalb sind die „Meenzer Dynamits“, bei denen zum Ende der vergangenen Saison die bei der TSG Emmerthal groß gewordene Nastja Antonewitch wegen einer komplizierten Fußverletzung ihre Karriere beendete, auch längst noch nicht ganz oben angekommen. „Wir haben für die kommende Saison zwar keine Lizenz für die 1. Bundesliga beantragt, aber mittelfristig haben wir sie schon im Blick.“ Und damit dieses hohe Ziel tatsächlich umgesetzt werden kann, wird natürlich auch Eva-Maria Federhenn bei ihrem 1. FSV Mainz 05, der seit der vergangenen Saison die Kräfte gebündelt hat und als FSG Mainz/Budenheim die 2. Liga aufmischt, alle Hebel in Bewegung setzen. Denn in Sachen Handball hat sich bei der stellvertretenden Aufsichtsrat-Vorsitzenden nichts geändert: „Ich bin immer noch handballverrückt!“



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