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Fußball: Erinnerungen an die DFB-Duelle der SpVgg. Bad Pyrmont, von Preußen 07 und TuS Hessisch Oldendorf

Als die Pokalträume platzten

HAMELN-PYRMONT. Der DFB-Pokal hat nicht nur eigene Gesetze, der Kampf um den „Pott“ schreibt auch seine eigenen, oft spannende, aber vor allem auch kuriose Geschichten. Vielleicht auch in diesem Jahr, wenn schon in der 2. Runde (Mi., 20.45 Uhr) die Teams von RB Leipzig und Bayern München im Topduell aufeinandertreffen.

veröffentlicht am 24.10.2017 um 17:41 Uhr

Heiße Auftritte an der Südstraße, im Weserbergland-Stadion und im Waldstadion. Der DFB-Pokal lockte die Fans. Fotos: DWZ (5), kf
Klaus Frye

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Klaus Frye Sportreporter zur Autorenseite
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Im DFB-Pokal heißt es aber fast Jahr für Jahr „David gegen Goliath“. Und wenn die älteren Fußball-Enthusiasten nun vor dem Bildschirm sitzen und den Leipzigern oder den Bayern die Daumen drücken, sind sie plötzlich wieder da. Die Erinnerungen an die großen Pokalduelle, die einst direkt vor der Haustür die Zuschauer lockten. Von 1971 bis 1979 hofften die Fans der SpVgg. Bad Pyrmont, von Preußen Hameln 07 und dem TuS Hessisch Oldendorf auf ein Megaspiel, die Schatzmeister natürlich eher auf ein volles Haus und eine prall gefüllte Kasse. „Einmal einen der Großen rausschmeißen“ war der große Traum im Weserbergland. Doch der platzte bei allen Versuchen stets schon in der ersten Runde. Was Eppingen (2:1 gegen den HSV) oder später Vestenbergsgreuth (1:0 gegen die Überflieger von Bayern München) schafften, klappte weder an der Pyrmonter Südstraße noch im Weserbergland-Stadion noch im Hessisch Oldendorfer Waldstadion.

Den ersten Anlauf in Sachen DFB-Pokal unternahm bereits 1971 die SpVgg. Bad Pyrmont, die damals unter Trainer Otto Laszig noch in der Verbandsliga Süd auflief. Bad Pyrmont hatte Göttingen 05 (2:0) und den VfL Osnabrück (1:0) im Nordpokal rausgeworfen und kämpfte in der Runde der besten 32 deutschen Pokalmannschaften – damals noch mit Hin- und Rückspiel – gegen Bundesligist Werder Bremen. Rolf Schünemann sen. hat die beiden Niederlagen (1:4 und 0:6) längst abgehakt. Nicht aber die Duelle gegen Werder-Stürmer Werner Görts. „Da war ich klarer Punktsieger“, sagt Schünemann. „Den habe ich 90 Minuten vollgesabbelt. Und das mochte Werner gar nicht.“ Pyrmonts zweiter Auftritt auf der Pokalbühne folgte 1978. Nah dran, aber mit einer 1:2-Niederlage gegen Eintracht Frankfurt wieder nichts zu holen. Eine Ku- riosität am Rande durfte aber auch da nicht fehlen: schon nach wenigen Minuten hatte Pyrmonts Verteidiger Wolfgang Christoph Nationalspieler Bernd Hölzenbein mit einem rustikalen Tritt die Sporthose zerfleddert.

Ebenfalls zweimal dabei, aber auch bei Preußen Hameln 07 hat es nicht „bumm“ gemacht. Das Traumlos erwischten die Preußen schon 1976 nicht, als mit dem 1. FC Saarbrücken eine „graue Maus“ der Bundesliga anreiste. Tolles Spiel, immerhin fast 7000 Zuschauer und am Ende eine 0:5-Pleite für die damals von Johannes Hein trainierten Preußen, die den Saarländern um Stürmer Peter „Feile“ Hayduk aber dennoch einen großen Kampf lieferten. Schlimm wurde es im Sommer 1979. Da griff die Losfee im Pokaltopf total daneben – denn da ging’s zum Zweitligisten SpVg. Bayreuth. „Außer Spesen nichts gewesen“ hieß es nach der 0:5-Pleite für Coach Wilhelm Kersting. Reinhard „Gento“ Loges erinnert sich: „Ein Riesenstadion, keine Stimmung, völlig chancenlos und in Kulmbach übernachtet. Da schmeckte nach der Pleite wenigstens das Bier.“

Gerd Brandau hütete im Pokal zweimal das Pyrmonter Tor. Foto: DWZ
  • Gerd Brandau hütete im Pokal zweimal das Pyrmonter Tor. Foto: DWZ

Einmal Pokalgeschichte schrieb der TuS Hessisch Oldendorf. Ins Waldstadion kam 1978 mit Westfalia Herne ein Zweitligist. Gegen den traute sich der TuS die große Überraschung durchaus zu, wie Trainer Manfred Kühne heute noch bestätigt: „Gegen Herne herrschte Euphorie im Stadion.“ Und der TuS-Nachwuchs empfing die Gäste mit einen flotten Spruch auf einem großen Plakat: „Wir begrüßen unser Opfer Westfalia Herne.“ Doch die Ernüchterung kam schnell – 4:0 gewannen die Profi-Kicker aus dem Kohlenpott. „Wir hatten uns tatsächlich eine Chance ausgerechnet. Doch wir wurden unter Wert geschlagen“, weiß Erfolgscoach Kühne fast 40 Jahre später noch genau.

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