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Für den Hamelner Udo Webel ist Tischtennis trotz Behinderung eine große Leidenschaft

Ein deutscher Meister mit Handicap

Hameln. Es glänzt und blinkt – seine Medaillensammlung kann sich nun wirklich sehen lassen. Nicht nur bei den körperlich behinderten Tischtennisspielern gehört Udo Webel zu den Top-Akteuren in Deutschland, wie seine beiden jüngsten Triumphe im Einzel und Doppel bei den nationalen Titelkämpfen im schleswig-holsteinischen Alveslohe (wir berichteten) nachhaltig bewiesen haben. Auch im Kreis der Unversehrten fühlt sich der 53-Jährige pudelwohl und hat auch hier schon zur Genüge gezeigt, dass er das schnelle Spiel mit dem kleinen Zelluloidball in Perfektion beherrscht. Trotz seines unübersehbaren Handicaps bekam schon so manch staunender Kontrahent von Webel deutlich die Grenzen aufgezeigt. Es unterschätzt ihn jedenfalls keiner mehr.

veröffentlicht am 29.10.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 25.10.2016 um 12:58 Uhr

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Der Lehrer an der KGS Salzhemmendorf, dessen Wiege einst in Nieheim im Kreis Höxter stand, ist von Geburt an körperlich behindert, da seine Mutter während der Schwangerschaft das Beruhigungsmedikament Contergan einnahm. Das längst vom Markt genommene Medikament führte bekanntlich in der Wachstumsentwicklung zu schweren Fehlbildungen bei den Neugeborenen. Und so fehlt Udo Webel nicht nur ein Finger, auch seine Hände sind nach innen verdreht und die Arme teilweise versteift. Eine große Benachteiligung, die den Hamelner aber nicht davon abhielt, schon in frühester Jugend mit dem Tischtennis zu beginnen.

So stand er oft mit seinem Vater, ebenfalls erfolgreicher Tischtennisspieler, sowie seinen drei Brüdern im heimischen Keller an der „Platte“. Während der Schulzeit in Barntrup sowie dem späteren Lehramtsstudium und der anschließenden Arbeit an der Universität Paderborn spielte er aktiv beim TV Barn-trup. Klarer Fall, dass er sich dort schnell zu einem ernstzunehmenden Gegner bei den Punktspielen entwickelte.

Ein besonders Highlight aus dieser Zeit ist ihm noch heute in allerbester Erinnerung. So gewann Webel ein Turnier in Bega und ließ dabei 127 Gegner hinter sich. Alle Achtung! 1991 wurde er dann Lehrer an der Hamelner Königsschule und lernte hier Thomas Klein kennen. Sein Kollege machte ihm schnell ein Engagement beim Postsportverein schmackhaft. Zehn Jahre schwang Udo Webel beim einstigen Bezirksoberligisten gekonnt den Schläger. Erst als es in der Sparte nicht mehr lief, suchte er sich ein anderes sportliches Betätigungsfeld und schloss sich 2001 dem VfL Hameln an. Hier in der 1. Bezirksklasse absolviert Udo Webel noch heute zuverlässig seinen Tischdienst, auch wenn er im Augenblick wegen Hüftbeschwerden etwas kürzertreten muss. Vom Start bei den deutschen Meisterschaften ließ er sich der Deutschlehrer aber trotzdem nicht abhalten, denn sie sind das Sahnehäubchen einer Saison. In diesem Jahr war Udo Webel gleich dreimal dabei. Allerdings nicht im VfL-Dress, sondern für die Versehrten des TSV Salzgitter-Thiede, wo auch Rudolf Poludniok (TSV Tündern) und Dirk Sötemann (Aerzen) ihre zweite sportliche Heimat gefunden haben. Im April gewann Webel bereits Bronze bei den Einzelmeisterschaften, im Juni wurde er dann Zweiter bei den Mannschaftstitelkämpfen und jetzt krönte er seine DM-Saison mit zwei Siegen im Einzel und im Doppel an der Seite von Jörg Markus aus Dessau. „Am liebsten spiele ich gegen angriffslustige Gegner. Denn gegen die kann ich das Tempo für meine Aktionen mitnehmen. Passive Gegner sind mir ein Greuel“, bekennt der Champion. Neben der Leidenschaft für das Tischtennis nimmt Webel auch gerne ein gutes Buch zur Hand. Historische Romane sind dabei seine Lieblingslektüre.



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