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Ziemlich beste Freundinnen

HAMELN. Auch in diesem Jahr gibt es wieder das DTH-Open-Geflüster mit vielen bunten Geschichten vom Tennisturnier in Hameln.

veröffentlicht am 22.07.2018 um 19:26 Uhr

Zwei Freundinnen im Finale: Shaline-Doreen Pipa und Marie-Charlott Lonnemann. Foto: aro
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Andreas Rosslan Sportreporter zur Autorenseite
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Kein Glückslos: Es ist bei den DTH Open Tradition, dass vor Turnierbeginn der Titelverteidiger auslost, wer in der 1. Runde gegen wen spielt. Und Vorjahressieger Christopher Koderisch zog ausgerechnet den Hamelner Lukas Lemke: „Ich hätte mir ein leichteres Los gewünscht“, sagte das Tennis-Talent nach der Gratis-Lehrstunde. Auch DTH-Routinier Daniel Weigelt bescherte Koderisch kein Glückslos. Weigelt traf im ersten Spiel gleich auf den späteren Turniersieger Stefan Seifert – und schied aus.


Der Koderisch-Fluch: Es ist schon fast ein Fluch: Christopher Koderisch ist mit fünf Turniersiegen zwar der Rekord-Champion der DTH Open, aber es ist ihm noch nie gelungen, den Titel in Hameln zu verteidigen. Auch diesmal nicht. Im Halbfinale musste sich der Vorjahressieger Alexander Mannapov mit 8:10 im Matchtiebreak geschlagen geben.


Kruse kickt: Für eine kleine Showeinlage sorgte Titelverteidigerin Manon Kruse. Dass die vierfache DTH-Open-Siegerin, die ihr Zweitrundenmatch gegen Derya Turhan überraschend verlor, ein gutes Ballgefühl hat, ist bekannt. Wie stark die deutsche Ü35-Meisterin mit den Füßen ist, überrascht schon ein wenig. Die Zuschauer jedenfalls staunten nicht schlecht, als das 37 Jahre junge „Fußball-Talent“ während einer Unterbrechung den Tennisball gekonnt mit den Füßen jonglierte: Links, rechts, links, rechts – bis das Spiel weiter ging.

Ziemlich beste Freundinnen: Die Finalistinnen des Frauen-Endspiels, Shaline-Doreen Pipa und Marie-Charlott Lonnemann, sind nicht nur gleich alt (19 Jahre) und Mannschaftskameradinnen (DTV Hannover), sondern auch ein Herz und eine Seele. Beide kennen sich seit ihrer Kindheit („Es gibt Fotos, auf denen wir gemeinsam als Fünfjährige zu sehen sind“), waren Zimmerpartnerinnen im Tennis-Internat Hannover und sind auch sonst „die besten Freundinnen“. Kein Wunder, dass es um das Finale herum besonders freundschaftlich zuging.

Der jüngste Halbfinalist: Daniel de Jonge war mit 18 Jahren der jüngste Halbfinalist. Der symphatische Niederländer, der in Vlissingen lebt, ist ein Toptalent: Obwohl er erst mit 12 Jahren mit Tennis anfing, rangiert er bereits auf Position 145 der DTB-Rangliste und sorgt mit guten Ergebnissen bei internationalen Turnieren für Aufsehen. In Hameln stand er schon mit einem Bein im Finale, wurde dann aber ungeduldig und schied unglücklich gegen Torben Otto aus. De Jonge versprach, wiederzukommen und nächstes Jahr seine Chancen besser zu nutzen.

Hat auch mit den Füßen viel Ballgefühl: Manon Kruse. foto: aro
  • Hat auch mit den Füßen viel Ballgefühl: Manon Kruse. foto: aro

Gesprächsstoff: Viel Gesprächsstoff gab es um eine Sportlerin, die gar nicht da war: Sarah Gronert – die amtierende Deutsche Meisterin der Damen 30 und Nummer 27 der Deutschen Rangliste – sagte kurz vor Turnierbeginn aus Zeitgründen ab. Die Enttäuschung bei Turnierleitung und Fans war groß, denn die 32 jährige wäre nicht nur sportlich eine Attraktion gewesen, sondern als Model und Hauptdarstellerin der „Tennis-WG“ bei YouTube auch optisch ein Blickfang. Zudem hat sie eine interessante Geschichte: Gronert kam als Hermaphrodit, das heißt mit den Merkmalen beider Geschlechter zur Welt. Als sie sich 2008 im Karriereaufwind befunden hatte, hegten Konkurrentinnen Zweifel ob ihres Geschlechtes. Deshalb sah sie sich veranlasst, ein Testat der Universitätsklinik Aachen vorzulegen, in dem das weibliche Geschlecht eindeutig bestätigt wurde. Dieser Geschichte sorgte seinerzeit weltweit für Schlagzeilen und war sogar Vorbild für einen Münster-Tatort mit „Thiel“ und „Boerne“…

Der Mann am Mirofon: Viel unterwegs war Moderator und Pressesprecher Cord Wilhelm Kiel am Open-Wochenende. Am Donnerstag noch Kindergeburtsgag (Mittwoch war Sohn Tizian 5 Jahre alt geworden), Freitagmorgen Turniereröffnung, dann mit dem Zug nach Oberhausen zum einzigen und ersten Deutschland-Konzert von KISS-Legende Gene Simmons mit seiner neu formierten Soloband. Dort traf er übrigens ein halbes Dutzend weitere gute Bekannte aus dem Hamelner Raum… Am Samstag ging es dann gleich nach Hameln zurück, mit dem Fahrdienst von Peter Weigelt direkt zum DTH und sofort ans Mikrofon – die Ansagen der Halbfinalspiele standen an.

Abschied: Marion Baltrusch war wieder als Physiotherapeutin beim Turnier im Einsatz – und wahrscheinlich zum letzten Mal. Im vergangenen Jahr musste die langjährige Therapeutin, die schon etlichen Aktiven bei ihrem Weg durch das Turnier beigestanden hat, bereits aussetzen, weil sie als Physiotherapeutin bei der Schwimm-WM war. Jetzt ist sie als „Physio“ der Nationalmannschaft im Synchronschwimmen derart gefragt und so oft im Einsatz, dass es wahrscheinlich schwierig wird, die DTH Open auch noch in den vollen Terminkalender unterzubringen.

Doppelt im Einsatz: Das heimische Tennistalent Emily Bauer (14), das vom ehemaligen Open-Sieger André Torggler trainiert und betreut wird, war am Wochenende gleich doppelt im Einsatz. Bei den Open im Hauptfeld, musste sie in der ersten Runde gegen die Nummer zwei der Setzliste ran – und hatte keine Chance. Also ging es gleich weiter nach Wettbergen, wo Emily ins Endspiel des dortigen Turniers einziehen konnte. Demnächst wird die talentierte Linkshänderin in das NTV-Tennisinternat Hannover einziehen.



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