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Sinkende Einnahmen, steigende Kosten: Vorsitzender macht sich Gedanken über Zukunft des Traditionsvereins

VfL-Chef Udo Wolten: „Fusion – warum nicht?“

In der heutigen Zeit kommen auf Vereine viele neue Herausforderungen zu. Das gilt auch für den VfL Hameln, dem größten gemeinnützigen Sportanbieter in der Region. Nach über 160 Jahren muss der Traditionsverein die Weichen für die Zukunft neu stellen. Das meint jedenfalls Vereinschef Udo Wolten, der sich Gedanken macht, wie es beim VfL mittel- und langfristig weitergeht. Auch eine Fusion mit dem TC oder anderen Hamelner Vereinen ist für ihn „kein Tabu mehr“. Denn auch dem VfL gehen mehr und mehr Mitglieder verloren.

veröffentlicht am 17.02.2011 um 11:48 Uhr
aktualisiert am 13.01.2017 um 16:37 Uhr

aro

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Sportreporter zur Autorenseite

Geburtenrückgänge, Ganztagsschulen, geldknappe Kommunen, kommerzielle Konkurrenz und, und, und …

Zum Vergleich: Im Jahr 2000 waren immerhin noch 2840 Frauen und Männer im VfL, jetzt sind es 2442 – also knapp 400 weniger. Diese Tendenz wird sich auch in den nächsten Jahren fortsetzen. Parallel zu den Mitgliederzahlen schrumpften in den vergangenen zehn Jahren auch die Einnahmen des VfL durch die Vereinsbeiträge um über 30 000 Euro. Auch die Spendenbereitschaft geht laut Wolten „massiv zurück“. Im Gegensatz dazu stiegen die Ausgaben – wie die Lohnnebenkosten, Verbandsabgaben, Energiekosten und vieles mehr. „In den vergangenen Jahren ist es dem VfL gelungen, den Jahresetat noch einigermaßen ausgeglichen zu gestalten“, sagt Wolten. Doch ob das auch in Zukunft noch möglich sein wird, ist ungewiss. In der Vereinskasse herrscht chronisch Ebbe. Ein Beleg dafür ist, dass Ende des vergangenen Jahres die Trainerhonorare nicht pünktlich gezahlt werden konnten. Für die fest angestellten VfL-Trainer gab es schon seit 2003 keine Gehaltserhöhung mehr. Für die lizenzierten Honorarkräfte, wie beispielsweise Hajo Wulff, der die Oberliga-Handballer trainiert, Basketball-Coach Nicu Lassel und Sigrid Heier, die sich seit Jahren um die Turnerinnen kümmert, wurde der Stundenlohn zwischenzeitlich sogar um 50 Cent gekürzt: auf 7,50 Euro.

„Wir leben von der Hand in den Mund“, sagt Wolten. Selbst für drigend notwendige Investitionen fehlt das Geld. Die Dämmung des Daches war zwar ein finanzieller Kraftakt, aber sie war notwendig, um die hohen Energiekosten des Vereinsheims zu senken. Weil der VfL sich gesundsparen muss, werden zurzeit alle Trainingsgruppen unter die Lupe genommen. Die mit weniger als zehn Teilnehmern werden ersatzlos gestrichen, weil sie einfach zu teuer sind. „Das können wir uns nicht mehr leisten“, bittet der Vereinschef um Verständnis.

Weil es trotz des selbst verordneten Sparkurses zunehmend schwieriger wird, den Jahresetat auszugleichen, sollen die monatlichen Mitgliedsbeiträge für Kinder und Jugendliche von 7 auf 8 Euro erhöht werden, für Erwachsene von 10 auf 12 Euro und für Familien von 18 auf 21 Euro – sofern die Mitgliederversammlung heute Abend grünes Licht gibt. Ein „schwerwiegendes Problem“ ist laut Wolten auch das Darlehen, das der VfL abzutragen hat: „Das sind immer noch über 200 000 Euro.“ Von der Insolvenz sei der Verein aber nicht bedroht. Das war schon einmal anders. Als Wolten vor zehn Jahren die Vereinsführung übernahm, drohte dem damals mit über einer Million D-Mark (ca. 500 000 Euro) verschuldeten VfL sogar das Aus. Erst unter der Regie von Wolten ist es dem VfL gelungen, den finanziellen Kollaps abzuwenden und den Schuldenberg peu à peu abzubauen. Wenn der Sanierungskurs so weitergeht, ist der Hamelner Traditionsklub spätestens in 20 Jahren die Schulden los.

Das hofft jedenfalls der Vereinsvorsitzende, der sich auch die Frage stellt, wie lange sich ein Sportklub von der Größe des VfL noch ehrenamtlich leiten und verwalten lässt. „Das ist ein Halbtagsjob“, sagt Wolten. Ohne Kenntnis von Arbeitsrecht und Finanzen könne man heutzutage einen Verein nicht mehr führen. „Das geht im Grunde nur noch hauptberuflich. Doch daran ist, zurzeit jedenfalls, nicht zu denken.“ Einen Geschäftsführer, auch als Halbtagskraft, nur für den VfL zu beschäftigen, „gibt der Personalkostenblock zusätzlich nicht mehr her“. Was die Zukunft angeht, geht Wolten davon aus, dass sich auch die Hamelner Vereinslandschaft in den nächsten Jahren verändern wird. Hinter den Kulissen wurde bereits über das Thema „Kooperation/Fusion“ gesprochen. Was spricht dafür, was dagegen?

Die Diskussion wird laut Wolten ergebnisoffen geführt. Der VfL-Chef kann sich jedenfalls eine Fusion durchaus vorstellen – sowohl mit dem Turn-Club als auch mit anderen Vereinen aus der Hamelner Nordstadt: „Warum nicht? Wir arbeiten ja jetzt schon mit dem TC zusammen – zum Beispiel beim Gesundheitssport.“

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