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Ende eines Albtraums: DTTB spricht Dimitrij Ovtcharov vom Doping-Verdacht frei und hebt Suspendierung auf

„Verurteilung wäre ein großes Unrecht“

Tischtennis. Der Doping-Albtraum ist zu Ende. Sein bislang schwerstes Spiel hat der deutsche Shooting-Star Dimitrij Ovtcharov gewonnen – und zwar überzeugend. Vorbei die quälende Ungewissheit, die schlaflosen Nächte und die Selbstvorwürfe, einmal nicht aufgepasst zu haben. Fakt ist: Der Weltklassespieler aus Tündern ist unschuldig. So stellte es nun der Deutsche Tischtennis-Bund (DTTB) fest und sprach den 22-Jährigen vom Doping-Verdacht frei. Gleichzeitig wurde auch die Suspendierung des Nationalspielers mit sofortiger Wirkung aufgehoben. Der Weltverband ITTF sowie die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) haben aber noch die Möglichkeit, Einspruch einzulegen.

veröffentlicht am 15.10.2010 um 16:19 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 15:07 Uhr

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Roland Giehr

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Roland Giehr Leiter Sportredaktion zur Autorenseite

„Ich bin überglücklich. Nun kann ich endlich wieder meiner großen Leidenschaft, dem Tischtennis, nachkommen“, teilte der 22-Jährige mit. Seine Mitspieler und Trainer begrüßten die Entscheidung. „Ich habe immer an die Unschuld von Dima geglaubt“, sagte der Weltranglisten-Zweite Timo Boll. „Ich hoffe, dass Dimitrij auch sportlich schnell wieder in die Spur findet“, meinte Bundestrainer Jörg Roßkopf. Er plant, Ovtcharov beim World Cup vom 29. bis 31. Oktober in Magdeburg erstmals wieder einzusetzen. „Auch wenn mich das Verfahren psychisch sehr stark belastet hat und ich meine bei der EM erlittene Fußverletzung erst noch vollständig auskurieren muss, möchte ich dort Tischtennis auf Weltklasse-Niveau zeigen“, sagte Ovtcharov.

„Aus unserer Sicht liegt kein schuldhafter Verstoß vor“, teilte DTTB-Präsident Thomas Weikert mit. Ovtcharov, der für den russischen Spitzenklub Fakel Gazprom Orenburg spielt, war am 23. August positiv auf das verbotene Muskelaufbaumittel Clenbuterol getestet worden. Die B-Probe hatte den Befund bestätigt. Der Weltranglisten-Zwölfte hat aber Doping stets vehement bestritten und gemutmaßt, dass er bei den China Open oder auf der damit verbundenen Reise im August kontaminiertes Fleisch gegessen habe. Er war erst am 22. August von dem Turnier zurückgekehrt. Nach Angaben des DTTB hat der Kölner Experte Professor Dr. Wilhelm Schänzer eine umfassende Bewertung der Analyseergebnisse vorgelegt. Darin heißt es: „Aufgrund der Tatsache, dass der Einsatz von Clenbuterol in der Tiermast bekannt ist, ist eine Aufnahme über verunreinigte Lebensmittel die wahrscheinlichste Befunderklärung. Eine dopingrelevante Anwendung von Clenbuterol ist höchst unwahrscheinlich, da die gemessene Menge unter der therapeutischen von 20 Nanogramm lag.“ Soll heißen: Hätte Ovtcharov regelmäßig gedopt, wäre sein Wert bedeutend höher gewesen als 75 Pikogramm. Auch sein Gewicht hätte sich mit der steten Einnahme des Muskelpräparats verändert, ist aber nachweislich seit Jahren konstant bei 78 Kilogramm geblieben.

Sein Anwalt Michael Lehner hatte zur Entlastung unter anderem auch eine Haarprobe bei dem 22-jährigen Profi vornehmen lassen. Das Ergebnis war negativ. Weiterhin entlastend war aber auch die Tatsache, dass bei vier weiteren – allerdings negativ – getesteten DTTB-Athleten im Rahmen einer Nachkontrolle mit einer deutlich empfindlicheren Messmethode ebenfalls Spuren von Clenbuterol nachgewiesen wurden. Die vier Proben erfüllten wegen ihrer minimalen Befunde allerdings nicht die Kriterien für einen ernsthaften Doping-Verdacht. Der DTTB hat in der Angelegenheit eng mit der Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA) zusammengearbeitet. Aber auch sie kann noch Einspruch einlegen. „Eine Verurteilung sähe ich angesichts der Indizienlage und Expertenanalysen als großes Unrecht an“, brach DTTB-Ehrenpräsident Hans Wilhelm Gäb eine Lanze für Ovtcharov.

Bald wieder im Einsatz: Der deutsche Tischtennis- nationalspieler Dimitrij Ovtcharov aus Tündern wurde vom DTTB freigesprochen und steht damit nicht mehr unter Dopingverdacht.

Foto: dpa



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